Trendwände

Unsere Städte sind grau von Abgasen. Noch. Zum Glück kommt jetzt die Ära der Elektroautos. Die neuen Modelle haben wir schon mal in den Staub der alten Benzinschleudern gezeichnet.

Reverse Graffiti«, umgedrehte Graffiti, nennt sich die Kunst, dreckige Oberflächen so geschickt sauber zu machen, dass Bilder entstehen: Man braucht dazu Schablonen, einen Hochdruckreiniger sowie mehrere hundert Liter Wasser. Und einen fähigen Künstler: Wir haben Paul »Moose« Curtis und seinen Kollegen Marc Cameron aus England eingeladen, vier Tage lang saubere Elektroautos auf schmutzige Wände in München zu sprühen, wie hier in Nähe der Münchner S-Bahn-Station Langwied:

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Das Reverse-Graffiti-Bild entsteht, indem Paul Curtis eine schmutzige Wand partiell reinigt. Diese Graffiti sind umweltfreundlich, weil man keine Sprühfarbe verwendet; sie halten zwischen sechs Wochen und einem halben Jahr. Paul »Moose« Curtis arbeitet mit unterschiedlichem Wasserdruck und bis zu drei verschiedenen Schablonen pro Bild für die Schattierungen. Außerdem mit vielen Helfern, die die Schablonen halten. Dieses Bild entstand an einer Wand einer Lkw-Waschanlage am Münchner Schlachthof:

Nicht jeder Schmutz eignet sich für ein Reverse-Graffiti-Bild, auch nicht jeder Untergrund. Der Grund darf nicht porös sein, der Schmutz sich nicht zu leicht entfernen lassen. Bei diesem Auto hat Paul »Moose« Curtis ohne Schablonen gearbeitet, nur mithilfe einer Projektion. Die Form des Wagens hat er mit kleinen Ästen, Lappen und einer Bankkarte ausgeschabt. Der Tank steht in der Nähe des Münchner Flauchers.

Unsere Reverse-Graffiti-Bilder sind zwischen 1,50 Meter und 4 Meter hoch, sie zeigen etwa achtzig Prozent der Größe eines echten Autos. Bei seinen Bildern in London schaut Moose immer wieder mal vorbei und verschönert sie ein wenig, wenn sie vom Regen verwaschen sind. Irgendwann aber sind sie ganz weg. Dieses Reverse Graffito entstand auf einer Wand beim Münchener Open-Air-Kino im Viehof:

Graffiti: Paul »Moose« Curtis, Konzept: Marc Cameron und Paul »Moose« Curtis, Redaktion: Till Krause, Fotoassistenz: Michelle Mantel; Mitarbeit: Anita Hirschbeck, Mirjam Klessmann, Antonia Schäfer, Gregor Wildermann. Dank an Bietsch Dienstleistungen, die Kessel GbR, Deutsche Bahn, Landeshauptstadt München.

Fotos: Rafael Krötz

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