Die Rastlosen: Ambra & Damian

Zwei, die sich perfekt ergänzen: Ambra Medda, Gründerin der Messe Design Miami, und Damian Kulash, Sänger der Band OK Go.

SZ-Magazin: Frau Medda, Herr Kulash, Sie gehören zu den meistfotografierten Paaren New Yorks, obwohl Sie erst kurze Zeit zusammen sind. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Kulash: Das war im Dezember 2009, da leitete Ambra noch die Messe Design Miami. Sie hatte meine Band OK Go eingeladen, für eine Performance auf der Messe. Als wir uns trafen, war Ambra sozusagen zehn Tage lang meine Vorgesetzte.
Medda: Damian veranstaltete eine Lasershow – es war sehr lustig.
Kulash: Aber die ersten Tage mit dir waren total unromantisch.
Medda: Stimmt gar nicht. Wir fingen kurz darauf an, uns E-Mails zu schicken.
Kulash: Ambra schickte mir Songs per E-Mail, die ich nicht kannte, und ich dachte: Die Dame hat einen guten Geschmack, die muss ich wiedertreffen. Was nicht so einfach ist bei uns.
Medda: Letztes Jahr hat er 180 Konzerte gespielt und ein halbes Dutzend Videos gedreht.
Kulash: Meine Band ist so gut wie immer auf Tour. Auch Ambra ist ständig unterwegs. Eines Tages bat sie mich, auf einer Party aufzulegen, doch ich musste ihr absagen, weil ich Tausende Kilometer entfernt war. Also gab ich ihr während der Party per SMS durch, welche Songs sie spielen sollte.

Das funktionierte?

Medda: Die Party war ein voller Erfolg, an dem Abend verliebte ich mich in Damian.

Sie verliebten sich, obwohl er nicht mal anwesend war? Jetzt wohnen Sie zusammen in einer Wohnung in Manhattan.
Kulash: Bislang hatten wir nicht mal Zeit, vernünftige Lampen zu kaufen.
Medda: Dafür habe ich mir hier ein kleines Büro eingerichtet für meine neue Firma.

Sie haben fünf Jahre lang sehr erfolgreich die Messe Design Miami geleitet. Letztes Jahr haben Sie gekündigt. Warum?

Medda: Ich will weniger Zeit auf Flughäfen verbringen. Und ich will tun, was mich wirklich interessiert: Designer entdecken und mit Unternehmen in Kontakt bringen – oder Firmen überzeugen, das Risiko einzugehen, mit Talenten zu arbeiten. Ich stelle gerade ein Archiv junger Designer zusammen, um Kunden wie Fendi oder Audi für sie zu interessieren.

Auf Fotos tragen Sie meist eine graue Tasche von Fendi.
Medda: Ja, die Peek-a-Boo-Tasche, weil so viel reinpasst.

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Sie haben schon auf der Messe Design Miami mit Fendi zusammengearbeitet.
Medda: Das tue ich heute noch. Zurzeit organisiere ich gerade wieder den »Craft Punk«-Workshop. Da entwerfen junge Designer Dinge aus Resten der Fendi-Fabrik: Taschen, Koffer, Möbel, hergestellt aus wenig mehr als Lederresten oder Stofffetzen.

Sie beide werden von Modemagazinen als neues It-Paar gefeiert. Wie wird man das?
Medda: Keine Ahnung. Modisch folge ich keinen Regeln. Ich kombiniere Teuer und Billig, Alt und Neu, Schwarz und Bunt.
Kulash: Sie ist unfassbar stilsicher. Ich bevorzuge T-Shirt und Jeans.

Herr Kulash, das Video des OK- Go-Songs This Too Shall Pass gehört zu den meistgesehenen Clips auf YouTube. Wie viele Versuche hat es gebraucht, um die Kettenreaktion zu filmen?
Kulash: 89 Versuche. Den kompletten Durchlauf haben wir nur dreimal geschafft.
Medda: Ich denke manchmal: Mein Freund ist ein Genie. Bald hat er einen Auftritt in der Muppet Show.
Kulash: Wenn ich meine Karriere als Rockmusiker auf diese Weise fortsetzen kann, dann bin ich weiterhin dabei – selbst wenn wir immer weniger CDs verkaufen.

Sie könnten auch umsatteln auf Journalismus. Ihr Artikel in der New York Times über den Niedergang der Musikindustrie hat Ihnen in der Branche den Ruf eines Vordenkers eingebracht.
Kulash
: In dieser Industrie gilt jeder als Vordenker, der fehlerfrei zwei Sätze aufschreiben kann. Uns kam der Kollaps der großen Labels gerade recht. Wir lassen uns nicht mehr von den Managern eines Konzerns zurechtweisen.

Lassen Sie sich von Ambra zurechtweisen?
Kulash: Ich sehe zwei Stühle, die für mich ähnlich aussehen, beide in Ordnung. Ambra sieht zwei Welten: Ein Modell ist wunderbar, das andere eine Katastrophe. Sie besitzt einen ästhetischen Verstand, der meinen Blick auf Dinge schärft. Es ist, als entdeckte ich eine neue Dimension des Lebens.

Und wie hat Herr Kulash Ihren Blick geschärft, Frau Medda?
Medda: Er hat meinen Blick gelockert. Ich war immer ein wenig verkrampft, er bringt mich zum Lachen. Ich habe gelernt, dass nicht alles hart und schwierig sein muss.
Kulash: Als Kind besaß sie kein Spielzeug und mit zwölf war sie erwachsen. Furchtbar, wir hätten uns früher gehasst.
Medda: Wir spielen manchmal gemeinsam Gitarre, ich nehme Unterricht.
Kulash: Es ist unheimlich. Nach vier Stunden spielte Ambra besser als ich nach vier Jahren.


Ambra Medda & Damian Kulash leben gemeinsam in New York. Als Medda, 29, die Messe Design Miami ins Leben rief, war sie 23 Jahre alt. Geboren wurde sie in Griechenland. Ihre Mutter ist die bekannte Galeristin Giuliana Medda. Kulash, 35, ist in Washington D.C. geboren und aufgewachsen. Seine Band OK Go gründete er 1998 in Chicago. In den vergangenen Jahren hat er einige Artikel für die
New York Times geschrieben, in denen er unter anderem seine damalige Plattenfirma EMI scharf für deren Internetpolitik kritisierte. Einen seiner Texte über YouTube-Videos lesen Sie hier.

Foto: Daniel Riera Compte /Jed Root

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