»Freuen Sie sich auf die Zukunft?« – »Welche Zukunft?«

Alfred Biolek war einer der schillerndsten Talkmaster des 20. Jahrhunderts. Zuletzt ist es still um ihn geworden. Das SZ-Magazin hat ihn zum Interview getroffen – es wurde ein melancholisches Gespräch.

»Alfred Biolek ist 80 Jahre alt und wirkt keinen Tag jünger«, hat der Journalist geschrieben, der ihn zuletzt für ein ausführliches Gespräch getroffen hat – seitdem sind drei Jahre vergangen. Wir besuchen Biolek in seiner Kölner Wohnung. Seitdem er 2010 eine Wendeltreppe nach unten gestürzt ist, im Koma lag, unter Gedächtnisverlust litt und drei Monate in einer Reha-Klinik verbrachte, ist sein Leben kleiner geworden, sein Radius enger, sein Alltag gleichförmiger.

Alfred Biolek wird im Juli 83; einer der schillerndsten Fernsehunterhalter des 20. Jahrhunderts ist wieder ein ganz gewöhnlicher Mensch geworden. Er, der früher nie ferngesehen hat, weil er lieber unterwegs war, im Konzert, im Theater, in Südamerika oder halt bei Freunden zum Essen, ist heute dankbar, dass es das Fernsehen gibt: »Ich habe 300 Programme«, sagt er, »mir wird nicht langweilig«. Tagsüber könne er sich schon beschäftigen, aber nach 20 Uhr schaue er in die Glotze, die Fernbedienung immer am Anschlag. »Ich bin ein Zapper«, sagt er. Auf die Frage, ob er irgendwas regelmäßig schaue, die Tagesschau oder den Tatort, meint er nur: »Es gibt nichts, was ich nicht verpassen könnte.«

Schon nach wenigen Minuten ist klar: Alfred Biolek sieht immer noch aus wie Alfred Biolek, die Stimme, die Nickelbrille, das alles funktioniert noch, auch der Charme ist noch da, aber er ist langsamer geworden, manchmal erinnert er sich nicht, an manches will er sich auch gar nicht erinnern. Manchmal, erzählt er, spaziere er mit dem Rollator durch den Park, manchmal gehe er auch noch ins Konzert, aber selten, alles sei umständlicher geworden. »Aber so ist der Mensch«, sagt er, »wenn eine Sache nicht mehr geht, sucht er sich Ersatz und freut sich über andere Dinge, die ihm vorher vielleicht gar nicht aufgefallen sind«, das könne ein Blick aus dem Fenster auf die Bäume sein oder ein Stück Käsekuchen. »Ich bin schon noch in der Gegenwart«, sagt er, »aber lebe von den Erinnerungen.« Was er meint, muss er nicht eigens erwähnen: Biolek hat ein reiches Leben geführt, hatte Britney Spears, Wladimir Putin und den Dalai Lama in der Sendung, nebenbei bereiste er die halbe Welt, verkaufte vier Millionen Kochbücher, feierte legendäre Partys, vieles ist überliefert, den Rest kann man nur ahnen.

Im Interview erzählt er, warum er nach zehn Jahren in Berlin wieder zurück nach Köln gezogen ist, warum er immer noch jeden Tag Anzug trägt und warum er, einer der größten Weinkenner, auf einmal keinen Wein mehr trinkt, zumindest keinen mit Alkohol.

Das Interview mit Alfred Biolek lesen Sie hier mit SZ Plus:

"Ich kann noch Karotten schnippeln, aber für mehr reicht es nicht"

2006 verabschiedete sich Alfred Biolek aus dem Fernsehen. Vier Jahre später stürzte er, lag im Koma, verlor sein Gedächtnis. Heute lebt der 82-Jährige zurückgezogen in Köln. Ein melancholisches Gespräch mit einem großen Unterhalter.

Foto: dpa

Artikel teilen: