Liebesglut im Altersheim

Nach dem Tod seiner Frau lebt Opa im Heim – und knüpft dort Beziehungen zu drei Frauen gleichzeitig an. Sein Enkel ist irritiert – zu Recht?

Illustration: Serge Bloch

»Seit dem Tod meiner Oma lebt mein Opa im Altersheim. Kürzlich erzählte er von seinen Beziehungen zu gleich drei Mitbewohnerinnen: ›Ich war deiner Oma 45 Jahre treu und liebe sie noch immer. Aber ich glaube, es war einer der großen Fehler meines Lebens, monogam zu bleiben.‹ Darf man sich im Alter über Überzeugungen hinwegsetzen, wenn niemand zu Schaden kommt?« Dominik D., München

Na klar. Ein Glück ist ihm das noch eingefallen, bevor es für immer zu spät dafür ist. Klingt doch herrlich, auch für die Frauen! Überhaupt nicht so trist, wie man sich das Leben in einem Altersheim sonst gerne vorstellt. Ich wünschte, Pedro Almodóvar oder François Ozon würden diesen Plot verfilmen (wichtig: bitte nicht Andreas Dresen!), mit temperamentvollen weißhaarigen Damen mit riesigen Ohrringen und ganz viel Lippenstift, und Michael Caine in der Rolle Ihres Großvaters, den ich mir als schlitzohrigen Charmeur vorstelle, den das Hofieren gleich dreier Grazien bisweilen allerdings an seine Grenzen bringen kann.

Wenn er zum Beispiel morgens in den Speisesaal kommt, und da sitzen die drei schon, allerdings an verschiedenen Tischen, zu wem setzt er sich da, ohne dass es zu Eifersüchteleien kommt? Man weiß ja aus Harems, dass es gar nicht so einfach ist, mehreren Frauen gleichermaßen gerecht zu werden, meistens wird eine bevorzugt, jedenfalls für eine gewisse Zeit, und das rächt sich natürlich. Rainer Langhans, über dessen aktuelle Lebenssituation ich keine Informationen habe, sah ja auch immer etwas blass aus.

Ich kann verstehen, dass es für Sie als Enkel seltsam sein muss, sich Ihren Großvater mit einer anderen Frau zusammenzudenken als mit Ihrer Großmutter. Möglicherweise wird das durch den Umstand, dass es gleich mehrere Frauen sind, ja sogar etwas abgemildert. Daran merkt man doch: Keine reicht an Ihre Großmutter heran. Wäre es Ihnen denn wirklich lieber, Ihr Großvater würde jetzt im Altersheim einsam vor sich hintrauern? Aus was für Überzeugungen auch immer dem Ver­gnügen, das sich ihm so überraschend in den Schoß warf, pardon, entsagen? Wenn das ein Film wäre, würde ich den nicht sehen wollen. Und ganz ehrlich, Sie doch auch nicht.