Gut siegt endlich über Böse

Auf der Internetseite googlefight.com kann man längst fällige Kämpfe austragen.

Bei den Namen der meisten Leute stößt die Suchmaschine Google auf einen oder zwei Treffer im Netz. Doch schon jemand wie, Verzeihung, Karl Arsch kommt auf 966 Einträge. Die Anzahl der Einträge bei Google gilt seit Anbeginn des Internetzeitalters als Statussymbol: je mehr, desto besser.

Also hat sich ein Franzose namens Olivier Andrieu aus Heiligenstein im Elsass ein lustiges Spielchen ausgedacht: Auf seiner Internetseite www.googlefight.com kann man zwei Namen in Suchfenster eingeben, um zu schauen, wer wichtiger ist. Zum Beispiel »Olivier Andrieu« und »André Rieu«. Enter. Auf dem Bildschirm liefern sich zwei Strichmännchen eine Prügelei, der Gewinner reißt die Arme hoch. Daraufhin werden zwei Infografik-Säulen eingeblendet, um die Zahl der Treffer zu veranschaulichen: Olivier Andrieu verliert mit 120 000 Einträgen gegen den niederländischen Rabatzgeiger (André Rieu: 873 000 Treffer). Die Idee zu googlefight.com kam seinem Erfinder nach eigenen Angaben »im Schlaf«, das Programm schrieb er am Morgen danach, seitdem werden auf googlefight.com täglich Millionen von Namenskämpfen ausgetragen; ein nettes Spielzeug für Leute, die zu viel Zeit haben oder sich nicht zwischen Müßiggang und Arbeit entscheiden können. Dabei wäre das ganz einfach: Müßiggang erzielt nur 194 000 Treffer, Arbeit siegt mit 136 000 000 Erwähnungen. Laut einem Google-Sprecher steht die Erfindung in keinem kommerziellen Zusammenhang mit der Suchmaschine. Auch Andrieu geht es angeblich eher um Spaß (70 100 000 Treffer) als um Geldverdienen (1 820 000 Einträge).

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Doch googlefight kann mehr: Wer zum Beispiel die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl wiederholen möchte, kann dies hier ganz unbürokratisch tun: Ségolène Royal verliert im Internet gegen Nicolas Sarkozy mit 4 160 000 gegen 4 170 000 Treffer. Wer allerdings bei Google nach den Namen der Sozialistin und des früheren Innenministers sucht, ohne sie in Anführungszeichen zu setzen, nimmt in Kauf, dass der Suchmaschinencomputer auch Begriffe wie Casino Royal und Nicolas Cage berücksichtigt, das Ergebnis also verfälscht wird. Mit Anführungszeichen gewinnt die Sozialistin nämlich durch 5 320 000 gegen 4 100 000 Stimmen. François Bayrou, der Liberale, bleibt unter der Drei-Millionen-Grenze.

Die Zahl der Suchergebnisse ändert sich allerdings auch nach der Wahl von Tag zu Tag. Hervorragend eignet sich dieses Spielchen für machtpolitische Duelle à la Beckstein gegen Seehofer (Beckstein gewinnt knapp mit 1 170 000 zu 1 070 000), »Edmund Stoiber« gegen den »Kini« (König Ludwig II. triumphiert unter diesem Kosenamen mit 8 190 000 gegen Stoibers 1 160 000 Einträge) oder Batman gegen Superman (Superman verliert mit 32 600 000 gegen 43 500 000).

Über solche Gedankenspiele hinaus bietet sich googlefight auch zur Lösung tiefer-
gehender Konflikte an: Gut gewinnt gegen Böse (338 000 000 zu 28 100 000), Zähneputzen gegen Mundgeruch (593 000 zu 526 000) und »meine Freundin« verliert gegen »Pamela Anderson« (1 260 000 zu 5 980 000).

Die deutsche Entsprechung zu googlefight.com nennt sich Tussle.de und verliert gegen die Original-Webseite mit 507 gegen 71 900 Einträge – offensichtlich weil bei ihr weder handgreifliche Strichmännchen noch Infografiken zu sehen sind, die eventuelle Zweifel an der Seriosität einer derartigen Studie ausräumen könnten.
Sollte nun ein Pazifist einwenden, hier würden überflüssige Konflikte inszeniert, so sei er darauf hingewiesen, dass in der neuen, also virtuellen Realität Krieg verglichen mit Frieden durch 35 000 000 gegen 16 900 000 Treffer wichtiger ist. Überhaupt, das Thema Political Correctness: Mut gegen rechte Gewalt – 21 900 000 zu 402 000 Einträge, Rudi Dutschke gegen Axel Springer: 244 000 zu 1 320 000 Treffer, einer gegen alle (580 000 000 zu 1 230 000 000).

Auch Freizeitstress stellt endlich kein Problem mehr dar: »Selbst kochen« verliert gegen »Pizza bestellen« (79 200 zu 156 000), Fußball (47 800 000 Treffer) gewinnt gegen »Sex and the City« (3 850 000), »zu Hause bleiben« triumphiert über »um die Uhrzeit noch weggehen« (1 460 000 gegen 25 500 Treffer) und »Liebe machen« siegt über »einfach einschlafen« (167 000 zu 609).

Für Alleinstehende: Süßigkeiten gegen Alkohol (2 940 000 zu 33 300 000), später in der Kneipe: »die Frau ansprechen« (13 200) gegen »an der Bar versacken« (0 Treffer), »einen Korb bekommen« (12 600 Einträge) gegen eine »wilde Nacht haben« (4 Treffer) und am nächsten Morgen: Aspirin gegen Kopfschmerzen (15 200 000 zu 3 780 000).

Eine der Lieblingskombinationen des Erfinders Olivier Andrieu lautet übrigens »googlefight« gegen den englischen Begriff für Zeitverschwendung, »waste of time«. Zeitverschwendung gewinnt haushoch (4 870 000 zu 311 000).

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