Bergwerk

Swanetisches Gewürzsalz - für diese Spezialität musste die Schwiegermutter unserer Autorin einen abenteuerlichen Pfad zu einem abgelegenen Bergvolk bezwingen. Doch die Mühen haben sich gelohnt (und wir verraten, wo Sie das Salz ohne Lebensgefahr und Schweißtropfen bekommen). 

Meine Schwiegermutter reist gerne in eher unbekannte Regionen. Besonders die östlichen Grenzen Europas haben es ihr angetan. Vor kurzem war sie in Swanetien. Das ist eine Bergregion im Nordwesten Georgiens, mitten im Großen Kaukasus. Die Swanen, erzählte sie, haben eine ganz eigene Kultur. Sie haben eine andere Bauweise als im Rest des Landes, eine andere Sprache. Ein Bergvolk eben. Meine Schwiegermutter - als ehemalige Biologie-und Erdkundelehrerin keine Mühen scheuend, ihren Horizont zu erweitern - machte sich also mit ihrer Reisegruppe in drei Geländewagen auf den beschwerlichen Weg nach Uschguli.

Diese Dorfgemeinschaft liegt 2200 Meter hoch und ist der höchste, ganzjährig bewohnte Ort Europas. Uschguli zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Straße dorthin ist nicht asphaltiert, nur eine enge Piste, die sich entlang einer tiefen Schlucht in die Berge schlängelt. Im Winter sind die Dörfer oft wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten und nur per Helikopter zu erreichen. Natürlich war die Reisegruppe im Sommer unterwegs, trotzdem mussten die Fahrzeuge und ihre erschöpften Insassen vor dem Ortseingang halten - im Dorf selbst gibt es keine Möglichkeit zu wenden oder zu parken. Alles ist eng und abschüssig. Zu Fuß stiegen die Reisenden hoch zu den Häusern. Da kamen zwei vielleicht zehnjährige Mädchen auf sie zu und streckten ihnen kleine Tüten entgegen. Darin war ein sehr würzig riechendes, bräunliches Salz.

Meine Schwiegermutter kaufte den Mädchen ein Tütchen ab und erfuhr vom Reiseleiter, dass es sich um swanetisches Gewürzsalz handelte - DIE Spezialität der Region. Dafür werden in den Bergen wild wachsende Kräuter und Gewürze gesammelt und mit Salz gemischt - die ganz genaue Zusammensetzung der Zutaten bleibt geheim. Drin sind auf jeden Fall Knoblauch, Koriander, Dill, Paprika, Kümmel, Bockshornklee und Tagetes. Letzteres kennt unsereins eher unter dem Namen Studentenblume und als Balkonzierde. Die Blütenblätter dieser gelb blühenden Blume haben aber ein sehr typisches Aroma, es erinnert an Anis. Bockshornklee wiederum soll aphrodisierend wirken und die ganze Mischung die Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten. Nicht nur in Swanetien, in ganz Georgien steht diese Wunderwürze in fast jeder Küche. Sie rundet alle möglichen Gerichte ab, ob Suppen, Kartoffeln, Mehlspeisen, Gemüse oder Fleisch.

Neugierig probierten wir also das mitgebrachte Gewürzsalz und die anfängliche Skepsis meines Mannes (»Ist das nicht so eine Art Mischung aus Maggi und Glutamat?«) verpuffte schnell. Ich finde dieses Salz super auf dem Frühstücksei und habe mal wieder das schöne Gefühl, den Duft der großen weiten Welt zu riechen und zu schmecken. Gut, dass man das Salz im Internet nachbestellen kann, zum Beispiel hier.

Artikel teilen: