»Ist das noch etwas, das irgendwer mal wollte?«

Auf drei Eheschließungen kam in Deutschland im vergangenen Jahr etwa eine Scheidung. Wie setzt man die Trennung möglichst im Guten um? Sieben Ratschläge von der Münchner Familienanwältin Kirstin Tomforde.

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1. Klarheit schaffen

Zuerst sollte man klären, wem was gehört – und ob die Dinge rechtlich so liegen, wie man glaubt. Also: Stehen bei dem gemeinsamen Haus wirklich beide im Grundbuch? Sind beide Inhaber des gemeinsamen Kontos? Wie sieht es bei den Versicherungen aus? Dabei kann man auch gleich gucken, wie viel Geld man braucht, um getrennt von dem Partner oder der Partnerin leben zu können. Und welche Möglichkeiten es gibt, um Geld zu bekommen oder einzusparen – etwa über

Dabei ist wichtig: Nicht vorschnell etwas schriftlich fixieren, was man nicht versteht und von dem man die Tragweite nicht einschätzen kann – weder privat noch notariell. Man sollte zum Beispiel nicht unüberlegt oder aus schlechtem Gewissen auf den Unterhalt verzichten oder einen bestimmen Betrag akzeptieren, nur damit Ruhe ist. Oder dem anderen zugestehen, den Hausrat zu behalten. Relativ häufig unterschreiben Frauen, die vorher eine traditionelle Rollenverteilung gelebt haben, dass sie und ihr Partner die

Statt einfach etwas zu unterschreiben, sollte man sich also rasch einen ersten rechtlichen Rat holen. Und zwar bei einem Anwalt oder einer Anwältin, denn Beratungsstellen dürfen keine reine Rechtsberatung anbieten. Dabei sollte man darauf achten, dass er oder sie den Fachanwaltstitel für Familienrecht trägt: Das bedeutet, dass er oder sie sich hauptsächlich mit Familienrecht beschäftigt, sich auf dem Gebiet weitergebildet und eine entsprechende Prüfung bestanden hat. Dass man sich einmal rechtlichen Rat geholt hat,

Sobald man sich getrennt hat, sollte man sich um den Unterhalt kümmern. Denn den bekommt man nicht automatisch rückwirkend für die gesamte Zeit nach der Trennung – sondern erst ab dem Datum, zu dem man den anderen aufgefordert hat zu zahlen. Oder, wie Juristen sagen: ihn in Verzug gesetzt hat. Über die Höhe kann man sich auch nach dieser Frist noch einigen, wichtig ist, dass man sie setzt, mit einem

Die Scheidung kann man erst einreichen, wenn man ein Jahr lang getrennt lebt. Für Juristen entscheidend ist die »Trennung von Tisch und Bett« – also dass die Eheleute sich kein Schlafzimmer mehr teilen und keine Versorgungsleistungen wie Einkaufen, Kochen oder Waschen mehr füreinander erbringen. Dafür muss theoretisch keiner der beiden ausziehen. Es ist aber sehr schwierig und verlangt viel Disziplin, das Trennungsjahr in der gemeinsamen

Im Zweifel ist die pragmatische Lösung die zeit- und kostengünstigste. Man muss sich ohnehin im Loslassen üben, wenn man eine Beziehung beendet. Es hilft, wenn man nicht das absolute Dogma hat: »Das und das muss mir bleiben« – sondern wenn man sich zum Beispiel auch von dem geliebten Auto verabschiedet. Das wird leichter, wenn man sich klarmacht, dass man so an anderer

Natürlich kann man versuchen, für manches selbst Lösungen zu finden. Vielleicht möchte man um die Kinder nicht anwaltlich streiten, vielleicht bekommt man das mit den Möbeln allein hin. Die Streitpunkte, die man an Anwälte auslagert – häufig die finanziellen Themen –, sollten aber auch dort bleiben. Es hilft nicht, wenn beide daheim mit Google

Wenn man Kinder hat, sollte man sich bemühen, die Eltern-Ebene von der Paar-Ebene zu trennen. Man sollte die eigenen Emotionen – Wut, Rache, Enttäuschung – davon lösen, dass das Gegenüber immer noch die Mutter oder der Vater des gemeinsamen Kindes ist. Und wenn man merkt, dass man das nicht schafft, sollte