"In den sechziger Jahren war ich meistens schwanger"

Ein Foto von ihr als Schwangere sorgte 1960 für einen Skandal. Heute schreibt Barbara Siebeck erfolgreich Gartenbücher. Ein Gespräch über Schwangerschaftsmode, gutes Essen und ihren Ehemann Wolfram Siebeck.

SZ-Magazin: Frau Siebeck, was glauben Sie, in wie vielen Restaurants haben Sie schon gegessen?
Barbara Siebeck: In vierzig Ehejahren? In Hunderten, vielen Hunderten.Wie viele davon waren gut?Die meisten. Man vergisst die schlechten Gott sei Dank sehr schnell.

Was macht denn mehr Spaß: essen gehen oder selber kochen?
Essen gehen natürlich. Was man jeden Tag machen muss, macht ja irgendwann keinen Spaß mehr.

Wer meckert öfter im Restaurant? Sie oder Ihr Mann, Wolfram Siebeck?

Mein Mann natürlich. Er meckert laut, ich leise. Aber wenn der Küchenchef kommt, dann spricht selbstverständlich mein Mann. Ist ja logisch, die würden sonst denken: Was quatscht die Alte? Damit muss ich leben. Das Twen-Foto von Ihnen mit dem Babybauch sorgte 1960 für viel Wirbel. Warum eigentlich?
Sieht doch harmlos aus.Sie müssen bedenken, dass man früher seinen Bauch versteckt hat unter einem Trapezkleid. Und wie ich diesen Bauch herausstrecke! Die Hose war nicht ganz zu! Es war richtig obszön, damals zumindest. Die Aufregung war riesig. Der arme Willy Fleckhaus, der die Idee zu diesem Foto hatte, musste bei der Freiwilligen Selbstkontrolle antanzen.

Hat Sie dieses Bild noch lange verfolgt?
Ich habe mich schon gewundert, wie dieses Bild über die Jahre immer bekannter wurde. Heute denke ich, es ist ganz schön. Vielleicht hat es auch was bewirkt, ein Aufatmen. Lustigerweise bin ich vorher schon ein paar Mal als Model gebucht worden, und zwar immer nur für Umstandsmode. Da hat man mir einen künstlichen Bauch umgebunden. Das war irgendwie mein Schicksal. Sie sind in der Künstlerkolonie Worpswede aufgewachsen.

Wie war das eigentlich?
Worpswede ist ein sehr schöner Ort zwischen Hamburg und Bremen, der 1900 von Münchner Malern entdeckt wurde. Rilke war auch dabei als Dichter. Da gab es dieses besondere Licht, einen kleinen Hügel. Erst kam ein Künstler, dann immer mehr. Schließlich gab es Galerien, Kunsthandlungen, schöne Häuser wurden gebaut. Meine Eltern hatten eine Kunsthandlung.

Klingt nach einer schönen Kindheit.

Es war einfach ein Ort, an dem Leute wohnten, die etwas eigenartiger waren, die etwas zu sagen hatten. Es war sehr schön, dort zu leben.

Wie ging es bei Ihnen zu Hause zu?

Das war ein richtiges Remmidemmi. Bei uns haben Leute wie Horst Janssen und Paul Wunderlich ausgestellt. Es wurde viel über Kunst geredet und natürlich auch ab und zu mal gebechert. Der Krieg war ja gerade vorbei und man wollte auch mal wieder Spaß haben.

Wie haben Sie die Sechzigerjahre erlebt?
Die gingen ein bisschen an mir vorbei. Ich war ja meistens schwanger. Wenn Sie drei kleine Kinder haben, können Sie schlecht auf die Barrikaden gehen, obwohl ich das manchmal gern getan hätte.

Was haben Sie damals so getragen, außer Schwangerschaftsmode?
Am liebsten Jeans. In München gab es die Boutique »Sweetheart«. Die bestimmte die Mode in München, den Hippielook. Es war ja wahnsinnig schwer, überhaupt etwas zu bekommen, außer in London. Man musste sich seinen Look zusammensuchen.

Sie hatten drei Kinder mit dem Fotografen Will McBride, bevor Sie Wolfram Siebeck heirateten. Wie hat sich Ihr Leben mit Siebeck verändert?

Sehr, weil sein Leben eben das Essen war und ist. Danach musste ich mich natürlich richten. Wer will denn schon allein am Tisch sitzen? Da bin ich eben immer mit, ist doch klar. Das war auch sehr schön, denn da hat sich eine ganz andere Welt aufgetan. Plötzlich konnte ich ständig
reisen. Ich kannte die Welt ja nicht. Und überall der gute Wein. Obwohl – in Worpswede hatten wir auch schon guten Wein.

Sie haben 1968 die Galerie "Die Insel in Starnberg eröffnet.

Ja, ich hab zum Beispiel David Hockney gezeigt, der kam auch nach Starnberg zur Eröffnung. Amon Düül haben Musik gemacht. Wir haben tolle Sachen auf die Beine gestellt: Boote gemietet, die Sänger von Hair waren da, einmal luden wir einen Zirkus ein. Das ging zehn Jahre lang. Dann haben wir die Galerie noch mal in der Münchner Innenstadt, in der Stollbergstraße, aufgemacht. Und darauf sind wir auch schon ins Badische gezogen, wo wir eine Burg gemietet haben.

Schon mal das Gefühl gehabt, im Schatten Ihres Mannes zu stehen?

Für jede Frau, die nicht ganz doof ist und vielleicht auch ein paar Ambitionen hat, ist es schwierig, mit einem Mann verheiratet zu sein, der prominent ist. Aber man findet da immer einen eigenen Weg, sich zu behaupten.

Was war Ihr Weg?
Autofahren. Ich hatte zwar einen Führerschein, aber Siebeck traute dem nicht und meinte: »Ich fahr dich doch überall hin.« Aber das ist ja eine infame Art, eine Frau nicht aus dem Auge zu lassen. Zwanzig Jahre lang hat er mich chauffiert, dann hab ich beschlossen: Schluss jetzt. Und hab selber Gas gegeben. Das war die Befreiung. Das war genau richtig.

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Barbara Siebeck, 70, Künstlerin und Autorin von Gartenbüchern, war mit dem fotografen Will McBride verheiratet. Seiot 1969 ist sie die Frau von Wolfram Siebeck.

und Will McBride, Dan Cermak (Fotos)

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