Erst schnitzen, dann anschwitzen

Auch wenn man Halloween nicht feiert, kann man große Freude an Kürbis-Schnitzereien haben. Und bitte: Werfen Sie den Kürbis danach nicht weg, sondern kochen Sie diese fantastische Bolognese damit! 

Halloween ist mir eigentlich herzlich egal, aber ich schnitze trotzdem gerne an Kürbissen herum. Leider halten sich zwar intakte Kürbisse auch ohne Kühlschrank erstaunlich lange, doch sobald mein Linolschnitzmesser die Oberfläche verletzt, dauert es nicht lange bis zum bitteren Ende in der Biotonne. Was tun? Kürbisse, die in großen Haufen zur Selbstbedienung an Feldrändern liegen sind sowieso meist fade Sorten. Man kann sich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, diese Kürbisse überhaupt anzupflanzen, wenn sie nur ein paar Tage lang als Dekoration dienen und dann im Müll landen. Für Kürbisschnitzereien gibt es jedenfalls eine bessere Lösung: Eine Kürbissorte wählen, die auch gut schmeckt, schnitzen, das Kunstwerk ein, zwei Tage geniessen und dann zügig aufessen. Auf dem Foto und in meiner Sauce ist ein »Blauer Ungar«. Eigentlich hat die Sorte eine deutlich bläuliche Schale und ein leuchtend oranges Innenleben. Doch mein Testexemplar war noch ein bisschen unreif und deshalb nicht ganz blau. Dafür aber so frisch, dass sich an jeder Kerbe sofort Kürbis-Tautropfen gebildet haben. Und geschmeckt hat er wunderbar, das Fruchtfleisch dieser Sorte hat den Vorteil, dass es lange seinen Biss behält. So hat die Schmorsauce genug Zeit um alle Aromen aus Kürbis und Kräutern aufzunehmen und verwandelt sich trotzdem nicht in Babybrei. Muskatkürbis verhält sich ähnlich, während Hokkaido sich beim Kochen irgendwann in cremiges Wohlgefallen auflöst. Das ist nicht schlimm, aber anders.

Mein Verhältnis zu Kürbissen hat sich grundsätzlich verändert durch dieses Experiment für das SZ-Magazin: »Wie ich einmal versuchte einen Riesenkürbis zu züchten«

Zutaten für 4 Personen:
2 Zwiebeln
1 Stängel Staudensellerie
500 g Muskatkürbis oder Hokkaidokürbis
3 Knoblauchzehen
4 Zweige Rosmarin, Salbei oder Thymian
500 g stückige Tomaten aus Glas oder Dose
3 EL Olivenöl
1/2 TL getrockneter Oregano
150 ml Rotwein (oder Wasser)
Salz, Pfeffer
400-500 g Spaghetti (oder andere lange Nudeln)
ca. 3 TL Misopaste
Parmesan

Video: Hans Gerlach

Zwiebel abziehen, halbieren und in dünne Scheiben schneiden. Staudensellerie waschen, trockene Enden abschneiden, falls die Stängel trocken wirken, schälen. Den Sellerie erst längs in Streifen schneiden, dann quer würfeln. Kürbis schälen und grob raspeln. Knoblauch schälen, halbieren und in Scheiben schneiden. Die Kräuter waschen, trockenschütteln, zupfen und grob hacken.

Olivenöl in einem breiten Topf erhitzen, Zwiebeln darin hellbraun braten, das dauert 6 bis 8 Minuten. Den Rest dazugeben. Oregano unterrühren, mit Rotwein ablöschen und die Tomaten zugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen. 20 Minuten zugedeckt schmoren lassen. Zwischendurch ab und zu umrühren, sobald die Sauce zu dick wird, mit ein paar Löffeln Nudelwasser wieder etwas verdünnen. Zum Schluss mit Misopaste abschmecken.

Für 500 g Spaghetti einen Topf mit etwa 5 Liter Wasser und 40 Gramm Salz zum Kochen bringen. Die Nudeln darin ohne Deckel nach Packungsanweisung bissfest kochen. Die Nudeln abgiessen, nicht abschrecken und tropfnass in die Sauce geben, noch eine Minute lang durchziehen lassen. Spaghetti mit einer Greifzange aus dem Topf heben, mit einer leichten Drehbewegung anrichten, evtl. mit einem Löffel noch etwas Sauce aus dem Topf über die Nudeln geben und mit geriebenem Parmesan bestreuen.