Die Entdeckung der Po-Ebene

Wie oft wollen Sie noch auf der Autobahn Richtung Süden durchbrettern, ohne links und rechts zu schauen? Wir müssen jetzt mal eine Lanze für das italienische Idyll, das viel zu lang vernachlässigt wurde, brechen. Und ja: Danach werden Sie dort öfter halten. Eine Entdeckungsreise.

    Benvenuti, everybody!
    Ausgerechnet eine Irin bewirtet das schönste Gästehaus des Deltas.

    »Ca’ Zen« liegt unter dem Deich, und hinter dem Deich gurgelt der Po. An dieser Stelle heißt er schon Po di Venezia, das ist der größte Flussarm des Deltas, breit und träge, aber voller tückischer Strudel. Nein, der Po ist kein heiterer Walzerfluss wie die Donau. Morgens schauen die Po-Fischer als Erstes, welche Farbe sein Wasser hat – gelb, grau, welche Tageslaune? »Ca’ Zen« ist ein lang gestrecktes, rotes Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert, von Rosen umwuchert, von einer Dame bewohnt. Sie heißt Elaine Avanzo und stammt aus Irland. Aber eigentlich ist ja auch der Po kein Italiener. Er singt nicht, er grunzt nur und rülpst, man kann ihn in leisen Nächten bis in die großen Zimmer des »Ca’ Zen« murmeln hören. Die Betten sind riesig und gediegen, die Badezimmer eigentlich Badesäle, man fühlt sich wie Gutsherr und Lady, mindestens aber wie Lord Byron. Der verbrachte seine Tage und vielleicht auch Nächte in Anbetung der blutjungen Gutsherrin Teresa, seinerzeit.

    Solche Geschichten serviert Donna Elaine zum Frühstück auf altem, englischen Geschirr. Sie selbst hat einen Avanzo geheiratet, Spross eines Großgrundbesitzergeschlechts im Po-Delta. In den Salons von »Ca’ Zen« hängen alte Fotos aus der Zeit, als die Hausherren die größten Reisbauern der Gegend waren. Noch heute kommt bester Risotto-Reis aus dem Po-Delta, kleine, runde Körner mit leicht salzigem Geschmack.

    Die Vongole aus der Lagune von Scardovari sind die besten Italiens, ein begehrtes Gut, das die Fischer aus Venedig gern in nebligen Winternächten stehlen. Flusspiraten hat es immer gegeben auf dem großen Strom; früher überfielen sie reiche Mühlen, die auf dem Fluss schwammen und weißes und gelbes Mehl hergaben. Ja, der Po ist ein abenteuerlicher Melancholiker und ein melancholischer Abenteurer. Mit einer Insel gelassener Heiterkeit: »Ca’ Zen«. Von Birgit Schönau

    Ca’ Zen, Località Ca’Zen, Taglio di Po 45019, Rovigo, DZ ab 80 Euro, Tel./Fax 0039/ 0426/34 64 69, www.tenutacazen.it.

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    Auf dem Strom
    Eine Schifffahrt, die ist immer noch lustig, aber langsam wird das Wasser knapp.

    So leicht kann man heute nicht mehr von der Po-Ebene schwärmen wie einst Otto von Freising in seinen Taten Friedrichs, der noch »einen wahrhaften Garten der Wonnen« entdeckte. Doch statt Wäldern aus Kastanien-, Feigen- und Ölbäumen sieht man heute Wälder von Strommasten, ein Netz von Schnellstraßen und Autobahnen inmitten von Industriegebäuden und Einkaufszentren. Man möchte am liebsten die Kurve kratzen.

    Man muss sich auf dem Po befinden, um die Po-Ebene wie früher zu erleben: Von Venedig aus steuern kleine Kreuzfahrtschiffe zuerst auf die Adria hinaus, um dann in den Po einzubiegen. Bei unserer Fahrt im Frühjahr, als es noch nicht zu heiß war, gab sich die offene See windstill und dunstig. Man fühlte sich auf Deck wie irgendwo in der Unendlichkeit, federleicht. Gemächlich schlängelte sich der Fluss dahin, glitzerte silbern, in einigem Abstand von Dämmen eingefasst. Es blieb Platz für Sand- und Kiesbänke, die den Po von da nach dort verschoben. Pappeln und Weiden zogen am Auge vorbei; ab und zu stieg hinter dem Deich ein schlanker Kirchturm hoch. Da der Fluss für Lastkähne nicht tief genug ist, waren wir über weite Strecken die Einzigen auf dem Wasser, wundervoll exklusiv, aßen Risotto oder Ossobuco, tranken Prosecco und Pellegrino, plauderten und schwiegen, lagen auf Liegen, steckten den Kopf in ein Buch oder ließen sanft die Zeit verstreichen.

    Das Wasser wird immer knapper, die Mafia plündert den Sand aus dem Flussbett. Viele Schiffe haben den Betrieb auf dem Po deswegen ganz eingestellt, wie die River Cloud II, mit der ich noch fuhr, oder sie fahren nicht mehr so weit hoch. Die Deutsche Bahn beispielsweise bietet nach wie vor unter dem Stichwort »La dolce vita« eine Flusskreuzfahrt auf dem Po an, mit der Route: Venedig-Revere-Venedig: unter www.bahnurlaub.de. Von Erwin Seitz

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    Schwein gehabt
    … wenn man den Schinken Culatello di Zibello probieren darf.

    Nördlich von Parma, nahe dem Dörfchen Brescello, der Heimat von Don Camillo und Peppone, entlang des Po, dort wo man oft vor Nebel die Hand nicht vor den Augen sehen kann, liegt ein wahres Feinschmeckerparadies: Eine ganz besondere schwarze Schweinerasse, die Nera Parmigiana, fühlt sich hier wohl am Ufer, auf den Weiden eines riesigen, alten Bauerngehöfts, der Antica Corte Pallavicina. Das Leben der glücklichen Schweine endet in den feuchten Kellern des alten Gemäuers. Dort rei-
    fen die fachmännisch herausgeschnittenen Herzstücke der Schweinekeulen zum wohl teuersten Schinken der Welt, dem Culatello di Zibello. Zum Bauernhof gehört ein Restaurant, das »Al Cavallino Bianco«, wo man sich viele andere leckere Schweinereien wie Coppa, Pancetta und Lardo schmecken lässt. Im dazugehörenden Laden kann man alles einkaufen, was auf dem beeindruckenden Gutshof produziert wird, und wer nach all der Völlerei nicht mehr fahren möchte, übernachtet in den stilvoll ein-
    gerichteten Zimmern. Von Monika Kellermann

    Antica Corte Pallavicina, Strada del Palazzo Due Torri, 3; 43010 – Polesine Parmense (PR), Tel. 0039/0524/93 65 39, www.acpallavicina.com.

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    Steinerne Schönheit
    Klar, Italien ist voll von hübschen Städtchen – aber sogar unter denen ist Arquà Petrarca ausnehmend hübsch.

    Wie lange man auch sucht, an oder in Arquà Petrarca lässt sich nichts Hässliches finden: kein Schlecker-Markt, keine Tankstelle, nur romantische Häuser und Rosenbüsche. Der große Petrarca verbrachte in diesem Städtchen mitten in den Colli Euganei südlich von Padua seinen Lebensabend und liegt auch in einem Sarkophag vor der Kirche Santa Maria begraben. Vor der Kirche, nicht innen, und das hätte dem Dichter gefallen, der zwar mit Hilfe des Vatikans Karriere machte, aber auch kritische Gedanken äußerte – jedenfalls so kritisch, wie man um 1350 sein konnte, ohne sich plötzlich über einem Haufen brennender Holzscheite wiederzufinden. Schon 1630 klaute der örtliche Pfarrer heimlich Petrarcas rechten Arm, und als man 2004 das Grab erneut öffnete, erlitt halb Italien einen Schock: Der Schädel gehörte einer Frau! Der echte Schädel zierte wohl längst den Kaminsims eines Petrarca-Liebhabers.

    Italien besteht ja zu einem nicht unwesentlichen Teil aus kleinen Städten, aber zu den Top Ten gehört Arquà Petrarca ganz sicher. Eine kurze Gebrauchsanweisung: Kultur – Casa del Petrarca, das Wohnhaus des Dichters (Via Valleselle 4, Eintritt 3 Euro). Aperitif – bei Simone im Golf Club Padova. Der großartige Vorbesitzer Dario ist leider vor zwei Jahren in Pension gegangen. Der Trick: Fragen Sie nach ihm, und man glaubt, Sie seien ein alter Stammgast. Abends – auf Baccalà und Polenta ins »Montanella« (Via dei Carraresi, 9, Tel. 0429/71 82 00) mit Zauberblick über Weinberge, Weinberge und Weinberge. Habe ich behauptet, nichts Hässliches fände man im ganzen Ort? Doch, die Plastikstühle auf der Terrasse. Von Stefan Maiwald

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    Verdi Wahl hat
    Gleich drei Opernhäuser warten hier auf Zuschauer

    Okay, die Darbietungen genügen vielleicht nicht allerhöchsten Ansprüchen, aber Publikum und Ambiente kann man sich nicht besser vorstellen. In Busseto, Piacenza und Parma stehen Opernhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert, der schwere Samt der Vorhänge wurde auch für die Sitzbezüge verwendet, und das frenetische Publikum singt seine Lieblingsarien mit. Auch die Aufführungen sind etwas altmodisch. In Busseto steht das kleinste Opernhaus der Region. Es wurde zu Ehren des Komponisten Giuseppe Verdi erbaut, der hier geboren wurde, aber Verdi hat angeblich nie einen Fuß hineingesetzt, weil er eine so große Bühne in einem so kleinen Ort für größenwahnsinnig hielt. 300 Zuschauer haben Platz. Wer keine Karte mehr bekommt, kann sich im Sterne-Restaurant »I Due Foscari« trösten, Verdi-Stücke sind hier nonstop zu hören. Von Till Sachsenheimer

    Teatro Giuseppe Verdi, Piazza Verdi, 43011 Busseto, Öffnungszeiten in der probenfreien Zeit: tgl. 9.30 bis 12.30 und 15 und 19 Uhr, Tel. 0039/0524/924 87. I Due Foscari, Piazza Carlo Rossi, 15, 43011 Busseto, Tel. 0039/ 0524/9300 31 – 93 00 39.

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    Pasta con Ferrari
    Die schnellsten Nudeln Norditaliens.

    Nudeln genießen mit Blick auf einen Abgaskrümmer? Das mag ungemütlich klingen. Aber wen der Weg nach Fiorano südlich von Modena führt, wo die Formel-1-Ferrari Probe gefahren werden, der muss ins »Montana«. Oder genauer: zu Alberto, seinen Eltern Maurizio und Rossella – und seiner Oma Dina. Seinen Namen trägt das Lokal, weil der Gründer sich einst in den US-Bundesstaat Montana verliebte. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Seit die Paoluccis das Haus vor 24 Jahren übernahmen, steht es für das, was in der Gegend am meisten zählt: die
    Familie und Ferrari. Der angesnobbte Brite Nigel Mansell ließ es sich hier genauso gut gehen wie der fröhliche Franzose Jean Alesi.

    Michael Schumacher kommt immer noch gern. »Meine italienische Mama« nennt er Rossella. Ihre Nudeln sind gut, ihre Fleischgerichte auch. Ins »Montana« ginge man allerdings auch, wenn dem nicht so wäre. Das Holz an den Wänden ist zwischen all den Motorsport-Memorabilien kaum noch zu erkennen: ein Overall von Eddie Irvine, der Helm von Michele Alboreto, mehr Schildkappen als Hauptgerichte. Es mag schönere Lokale geben, angesagtere. Aber garantiert keines mit mehr Rennfahrerflair. Von René Hoffmann

    Ristorante Montana, Via XX Settembre, 3; 41040 Spezzano di Fiorano, Tel. 0039/ 0536/84 39 10, www.ristorantemontana.it.

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    überraschende Entdeckung: "In den Colli Piacentini fällt bei Gewitter noch der Strom aus."

    In einem Land vor unserer Zeit
    In den Colli Piacentini fällt bei Gewitter noch der Strom aus.

    Hinter Piacenza durchquert man erst mal eine hässliche Industrielandschaft in der südlichen Emilia-Romagna. Doch in San Nicolo beginnen die Colli Piacentini: Felder, Dörfer und grüne Hügel. Hier wächst der »Gutturnio«, ein Wein, der wie Traubensaft schmeckt und den man auch so trinken kann. Die einfachen Trattorien in den kleinen Dörfern sind klassische Familienbetriebe, in denen am Wochenende Hochbetrieb herrscht und von der Oma bis zum Neffen alle mithelfen. An Feiertagen werden sie zu wahren Folterstuben: Da gibt es nicht nur die üblichen Drei-Gänge-Menüs, man sitzt geschlagene zwei Stunden, auch als schneller Esser, vor einem immer neu gefüllten Teller. Die Antipasti, meist Wurstwaren, sind der Stolz der Ristorante-Besitzer, allesamt natürlich hausgemacht: Coppa, Schinken und der weiße Lardo, gefolgt von den üppigen Primi: handgedrehten Tortelli mit Spinat und Ricotta, frittierten Teigtaschen und frittierten Gnocchi und Pisarei e Fasò (Nudelteig-Klößchen mit Borlottibohnen), der piacentinischen Nationalspeise. Danach Geflügel oder Fleisch. Zum krönenden Abschluss serviert man Semifreddo mit Haselnüssen, Crema agli Amaretti oder großartige Kuchen plus Caffè und Grappa.

    Das alles wird mit süffigem Gutturnio hinuntergespült. Noch mehr Leckereien bieten die Gemeindefeste im Hochsommer, die meist auf dem Fußballplatz stattfinden: das schönste, etwas romantische, findet in Momeliano statt, das etwas derbere in Gazzola. Das Erscheinungsbild unterscheidet sich kaum von der früheren Festa dell’ Unita, außer, dass heute auch noch Bier fließt. In grellem Flutlicht tanzt die ganze Gemeinde auf einer Edelstahltanzfläche Mazurka zum Gesang der Beppe & Dany Band.

    Uns hat es nach Monteventano verschlagen, seit zwanzig Jahren leben wir in unserer Zweitheimat in direkter Nachbarschaft zu Don Enzo Nucca, der es jeden Sonntag seinem Kollegen Don Camillo gleichtut und in der Predigt über die Kommunisten wettert oder zur Vertreibung jedweder Diebe einen Schuss aus der Schrotflinte abgibt. Wo regelmäßig bei Gewitter der Strom ausfällt und das Telefon knistert, weil die Leitungen noch überirdisch verlegt sind. Seit Kurzem hat unser Handy Empfang und manchmal heizt ein Ferrari den Hügel hoch. Von Nina und Bernd Zimmer

    Gaststätten: Case Gazzoli, 29010 Pianello; Trattoria San Gabriele, Strada San Gabriele, 29010 Piozzano. Übernachtung: Hotel Cervo, Piazza Europa, 29010 Agazzano.

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    Eine Symphonie mit vier Seiten
    Piazza ist nicht gleich Piazza. Um das Geheimnis des Hauptplatzes von Vigevano zu verstehen, trinkt man dort am besten einen Aperol-Sprizz.

    Manchmal will man einfach nur raus aus dem dreckigen Mailand. Treffen wir uns auf der Piazza, in Vigevano? Die Sportlichen nehmen das Rad, die Eiligen das Auto, die Mutigen – schmutzige Waggons und Bisse merkwürdiger Insekten nicht fürchtend – den Vorortszug von der Porta Genova aus. Die Strecken (Fahrradweg, Straße, Schiene) liegen fast nebeneinander und führen durch Reisfelder und schließlich über den Ticino. In Vigevano, Stadt der Schuhmacher und der Reishändler, liegt unterhalb des Castello der Sforza die Piazza Ducale. Man darf aufatmen, staunen, sich wohlfühlen, rätseln. Was für eine Piazza! Toscanini nannte sie eine Symphonie mit vier Seiten. Irgendwie halb Klosterhof, halb Pferderennbahn, an drei Seiten von Renaissance-Arkaden gesäumt und spektakulär von einer barocken Stirnseite des Doms geschlossen.

    Piazza Duomo also? Überall Bars und Cafés, lebhaft vom Cappuccino am Morgen bis zum Aperitif am Abend, und garantiert autofrei zu genießen. Dazwischen Gelaterie, Krimskramsläden, Bücher (Feltrinelli). Aber irgend-
    etwas stimmt hier doch nicht? Ursprünglich hatte man die Piazza um 1490 unter Ludovico il Moro in U-Form als repräsentativen Hof für das Sforza-Kastell geplant. An der südlichen Längsseite führte eine große Rampe durch die Arkaden zum Castello hoch. An der östlichen Stirnseite stand, störend schief und außerhalb der Achse, ein halb verfallender romanischer Vorgängerbau des heutigen Doms. Als die Sforza verjagt wurden und die Spanier das Kommando über die Po-Ebene übernahmen, wurde der Dom im 16. Jahrhundert neu errichtet und schließlich mit einer barocken Fassade an die Piazza gebunden. Die Rampe zum halb fertigen Kastell ließ man abreißen und durch eine versteckte schmale Treppe ersetzen. Und schon hatte sich die Piazza »gedreht«: vom Schloss- zum Domplatz. Geschichte, die wir heute beim Aperol-Sprizz enträtseln können. Von Henning Klüver

    Piazza Ducale, Vigevano; www.vigevanoalcentro.it/visitare/monumenti/piazza-ducale.

    Auf der nächsten Seite finden Sie eine weitere überraschende Entdeckung: "Robert De Niro brauchte Pfunde. Dem Mann konnte geholfen werden."

    Manche mögen’s dick
    Robert De Niro brauchte Pfunde. Dem Mann konnte geholfen werden.

    Gleich zwei Preise hat Robert De Niro für seine Darstellung im Boxerdrama Wie ein wilder Stier bekommen: den Oscar als bester Hauptdarsteller und den Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde für die größte Gewichtszunahme eines Schauspielers für eine Rolle: 27 Kilo. Jeder in der Emilia-Romagna rund um Zibello will wissen, wo sich De Niro die Kilos damals angefressen hat: im »La Buca«. Seit über hundert Jahren führen Frauen die Trattoria, nun schon in der fünften Generation. Sie erzählen in der Küche gern die Geschichte vom dicken De Niro, ihre Gäste erzählen gern davon, wie die Damen des »La Buca« einen erst ansehen und dann entscheiden, was man zu essen braucht; dass sie keine Zwiebel jemals anschneiden würden, bevor nicht das Gericht bestellt ist; dass sie sich sogar erweichen lassen, den Herd anzuwerfen, wenn ein hungriger Gast vor verschlossener Tür steht. Man bekommt hier gefüllte und überbackene Nudeln, Aal in Erbsen, gepökelte Schweineschulter mit Senffrüchten, Perlhuhn und natürlich den Culatello, einen Schinken namens »Ärschchen«, von dem im »La Buca« ein ganzer Himmel von der Decke hängt. Die Frauen vom »La Buca« gelten als die berühmtesten Produzenten dieses Schinkens. Deswegen arbeiten hier neben De Niro auch andere Schwergewichte an ihren Kilos: Romano Prodi etwa oder Tony Blair. Erzählt man sich wenigstens. Von Kerstin Greiner

    Trattoria »La Buca«, 43010 Zibello, Tel. 0039/0524/992 14, www.trattorialabuca.com.

    Auf der nächsten Seite finden Sie eine weitere überraschende Entdeckung: "Weit und breit kein Hügel – für Radfahrer ist die Gegend das Paradies."

    Eben: Weils eine Ebene ist
    Weit und breit kein Hügel – für Radfahrer ist die Gegend das Paradies.

    Sonntagmittags sitzt der Italiener beim Essen. Gern zu Hause, lieber noch im Lokal. Zum Beispiel in der »Osteria del Ponte« am Naviglio Grande, einem 800 Jahre alten Kanal, der den Fluss Ticino mit Mailand verbindet. Draußen vor der Tür liegt verwaist der Radweg, ein schmales Asphaltband. Über 50 Kilometer folgt es dem Lauf des Kanals. Jahrelang waren wir dort praktisch allein unterwegs. Die Italiener saßen bei Tisch, wir radelten am Naviglio entlang. Vorbei an Schleusen und abgeschalteten Wasserkraftwerken, über gebogene Steinbrücken, durch den brüchigen Schatten der Pappeln. Alte Gutshäuser und bröckelnde Patriziervillen liegen am Weg. Dass wir auf halber Strecke immer einen Gang runterschalteten, lag an den verlockenden Düften aus dem Osteria-Garten. Wir fuhren noch ein Stück weiter und aßen später Panini mit Blick auf die schön geschwungene Landungstreppe eines barocken Palastes. Damit ist es nun vorbei. Unwetter haben den letzten Teil des Radwegs weggespült. Wann er wieder hergerichtet wird? Irgendwann, vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber 30 Kilometer Radweg reichen auch. Unsere Touren werden wir also künftig in der Osteria ausklingen lassen müssen. Unter uns: Wir können es kaum erwarten. Von Annette Rübesamen

    www.parcoticino.it; Osteria del Ponte, Via Alzaia 2, Castelletto di Cuggiono, Tel. 02/ 974219, www.osteriladelponte.com, Sonntagsmittagessen mit allen Schikanen ca. 35 €.

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