Dollar geht’s nicht

Ach, hätte man bloß mal bei Facebook die Wand gestrichen… Jetzt geht die Firma an die Börse - und macht nicht nur ihren Erfinder Mark Zuckerberg reich. Wer wieviel bekommt.


David Choe

Arbeitet als Sprayer
Verbindung zu Facebook hat die ersten Büros dekoriert

Im Jahr 2005 steht der Streetart-Künstler David Choe vor einer schicksalhaften Entscheidung: Er soll die Bürowände einer neuen Internetfirma gestalten und hat zwei Möglichkeiten, seinen Lohn zu bekommen: bar - immerhin 60 000 Dollar - oder volles Risiko, also Firmenanteile. Choe ist Zocker, gerade wegen Sachbeschädigung frisch aus dem Gefängnis gekommen und könnte das Geld gut brauchen - trotzdem lässt er sich in damals praktisch wertlosen Anteilen bezahlen. Facebook war nichts weiter als eine Internet-Klitsche mit einem Badelatschen tragenden Nerd an der Spitze. »Jeder hat mich ausgelacht«, hat Choe kürzlich in einem Radiointerview erzählt. Heute könnten seine Anteile bis zu 500 Millionen Dollar einbringen, schreibt die New York Times. Selbst wenn es nur halb so viel wäre: Die großflächigen Frauenkörper, die Choe für Facebook an die Wand gesprayt hat, sind damit mehr wert als jeder Picasso. Mark Zuckerberg und Co. sind längst umgezogen, haben aber Choes Graffiti abtragen lassen und in ihr neues Hauptquartier mitgenommen. Wer kann schon von sich behaupten, das wichtigste Werk von einem der reichsten Künstler Amerikas zu besitzen?

Dawn Thomas
Arbeitet als Maklerin
Verbindung zu Facebook gewinnt haushoch

Weil viele Facebook-Angestellte neben ihrem Gehalt auch Aktienoptionen bekommen haben, werden sie mit dem Börsengang quasi über Nacht zu Millionären. Wie viele es genau sein werden, gibt Facebook nicht bekannt - aber so viel weiß man: Die Neureichen sind oft noch ziemlich jung, da sitzt das Geld locker. Das freut eine Berufsgruppe ganz besonders: die Makler im Silicon Valley. »Die Stimmung ist ähnlich wie beim Börsengang von Google 2004«, sagt Dawn Thomas von der auf Luxusimmobilien spezialisierten Firma Silicon Valley and Beyond. Der Bieterwettstreit um die wenigen freien Luxushäuser in der Nähe der Facebook-Firmenzentrale hat schon begonnen: »Viele Leute haben Angst, dass sie nach dem Börsengang nicht mehr zum Zug kommen - darum schlagen sie jetzt noch schnell zu.« Bei den Online-Millionären sind vor allem Immobilien gefragt, die auf den ersten Blick einfach aussehen, aber nach neuesten Umweltschutzstandards ausgestattet sind - sagt die Maklerin. »Die Frage ist nicht, ob der Börsengang von Facebook ein tolles Geschäft für uns wird - sondern nur: Wie toll wird es?«

Kalifornien und ein Deutscher

Kalifornien
Arbeitet als Sonnenstaat
Verbindung zu Facebook Sitz der zuständigen Steuerbehörde

Wenn Mark Zuckerberg seinen Steuerbescheid bekommt, wird es eng auf den Formularen der Finanzämter: Er hält 120 Millionen Aktienoptionen aus dem Jahr 2005. Diese Optionen, die damals pro Stück sechs Cent wert waren, will er vor dem Börsengang verkaufen, zum heutigen Wert von 40 Dollar - ein Ertrag von 4,8 Milliarden Dollar. Darauf wird der Spitzensteuersatz von 35 Prozent fällig: satte 1,6 Milliarden Dollar. Dazu kommt die kalifornische Einkommenssteuer von 10,3 Prozent. Damit wäre Zuckerberg der größte individuelle Steuerzahler der amerikanischen Geschichte. Die Freude Kaliforniens über diesen Geldsegen hat aber einen Dämpfer bekommen: Wenn Zuckerberg die Ausgaben für die Aktienoptionen seiner Mitarbeiter von der Steuer absetzt, müsste seine Firma auf Jahre hinaus keine Unternehmenssteuer zahlen.

Peter Thiel
Arbeitet als Investor
Verbindung zu Facebook Starthelfer

Vor sieben Jahren war der in Frankfurt geborene Peter Thiel einer der ersten, die bei Facebook investierten. Sein Einsatz: 500 000 Dollar und der überlieferte Ratschlag: »Baut keinen Mist!« Dafür bekam er rund drei Prozent der Anteile an Facebook - und die sind heute bis zu drei Milliarden Dollar wert. Seinen Einsatz hat er damit versechstausendfacht. Was macht man mit so viel Geld? Gleich wieder investieren, klar. Aber Thiel, der schon die Bezahlplattform PayPal erfolgreich gemacht hat und als etwas schrullig gilt, hat eine bessere Idee: Er verteilt Stipendien in Höhe von 100 000 Dollar an amerikanische Studenten. Einzige Bedingung: Sie müssen ihr Studium abbrechen und eine Firma gründen. Wenn unter ihnen auch nur ein neues Facebook ist, hat sich die Sache schon gelohnt.

Bono und Chris Hughes

Chris Hughes
Arbeitet als Weltverbesserer
Verbindung zu Facebook Ex-Nachbar von Mark Zuckerberg

Chris Hughes ist »der Junge, der Obama zum Präsidenten machte«  so lautete die Schlagzeile eines Porträts über den 28-jährigen Unternehmer, der einst mit Mark Zuckerberg ein Zimmer im Studentenwohnheim teilte und Facebook mitgründete. Hughes, der Literatur studierte, war bei Facebook Kundenbetreuer und Firmensprecher in einem. Er verließ die Firma 2007, um für einen wenig bekannten Senator aus Illinois zu arbeiten, der damals kurz davorstand, seine Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten zu verkünden: Barack Obama. Das Internet wurde im Wahlkampf Obamas zum entscheidenden Werkzeug: Hughes schuf die Seite »My.BarackObama.com«, über die Unterstützer und Spenden in einem Ausmaß gewonnen wurden, das bislang unbekannt gewesen war. Nach Obamas Erfolg gründete Hughes »NationBuilder.com«, eine Organisations-Plattform, über die Parteien und Interessengemeinschaften Kontakt zu ihren Unterstützern aufbauen können. Im März 2012 hat Hughes, dessen Anteile an Facebook 850 Millionen Dollar wert sind, das ehrwürdige liberale Magazin The New Republic gekauft, weil »ich an eine Form von Journalismus glaube, die wir als Gesellschaft brauchen«.

Bono
Arbeitet als Sänger von U2. Noch
Verbindung zu Facebook zur richtigen Zeit eingestiegen

Sein Kampf gegen Armut und Hunger in Afrika hat Bono, den Sänger der Band U2, zu einem der berühmtesten Rockstars der Welt gemacht - sein hartnäckiges Engagement brachte ihm den Spitznamen »Sankt Bono« ein. Kritiker sehen den irischen Sänger aber nicht als Schutzpatron der Armen, sondern der Scheinheiligen: Bono, der vehement fordert, reiche Staaten sollten mehr Geld in Entwicklungshilfe stecken, nutzte mit seiner Band ein Steuerschlupfloch in den Niederlanden, um Millionen Euro an Einkommenssteuern zu sparen. Ein gutes Gespür für Gewinnoptimierung beweist er auch mit seiner Geldanlage: Der Sänger legte einen Teil seines Vermögens in der Investmentgesellschaft Elevation Partners an, die 2009 mit 90 Millionen Dollar bei Facebook einstieg. Der erworbene Anteil von einem Prozent wäre bei einem Börsengang eine Milliarde Dollar wert - damit hätte Bono auf einen Schlag mehr Geld verdient als U2 in ihrer bisherigen Karriere, rechnete die britische Zeitung The Telegraph aus. Der Sänger würde dann Paul McCartneys geschätztes Vermögen von 750 Millionen Dollar übertreffen und wäre der reichste Rockstar der Welt.

Illustrationen: Elsa Jenna

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