Bücher, Gemüsesuppe, ungezügelter Sex

Acht internationale Designerinnen und Designer erzählen, was sie machen, wenn sie nicht einschlafen können.

Monica Förster, Matali Crasset und Ross Lovegrove (v.l.n.r.).

Piero Lissoni

ist ein italienischer Designer, Innenarchitekt und Grafiker. Bekannt wurde er mit Möbeln und Haushaltsartikel, aber auch mit Inneneinrichtungen für Luxushotels.

»Ich habe keine Einschlafschwierigkeiten, kenne aber viele Mittel dagegen. Man kann anfangen, Schafe zu zählen. Das ist gar nicht so leicht. Es geht schon mit der Farbe los: Nimmt man ein weißes oder ein schwarzes Schaf? Wie sieht das Hindernis aus, über das es hüpfen soll? Dann kommt das nächste Schaf, und das Ganze geht von vorne los. Es gibt andere Mittel, die mehr Spaß machen. Einen langen Spaziergang bei sich zu Hause, von Zimmer zu Zimmer. Stellen Sie sich vor, Sie wären am Nordpol oder in den Regenwäldern des Amazonas. Oder Sie können ungezügelten Sex haben, bis Sie vor Erschöpfung in die Laken sinken. Sie können fernsehen, bis Ihre Sinne abschalten, dann kochen Sie sich eine schöne Portion Spaghetti, das hält Sie die ganze Nacht wach, und das Problem stellt sich nicht mehr.«

Philippe Starck

wurde mit seiner raketenförmigen Zitronenpresse berühmt, entwarf aber auch François Mitterrands Privaträume im Élysée-Palast, Bad-Möbel und Luxusyachten.

SZ-Magazin: Ihre Empfehlung für guten Schlaf?
Philippe Starck: Arbeite alles ab, sei ehrlich, lüg nicht. Sei gut und nett zu anderen. Iss Gemüsesuppe zu Abend. Wenn möglich, geh nicht nach 21:30 Uhr zu Bett. Lies eine Stunde. Küss deinen Partner und schlaf, so viel du kannst. Steh mit dem Sonnenaufgang auf.

Welches Buch hilft Ihnen beim Einschlafen?
Ich lese im Schnitt fünf Bücher gleichzeitig, meine Stimmung entscheidet darüber, welches. Dank E-Books ist die Auswahl heutzutage grenzenlos, und man muss sie auf Reisen nicht mehr mitschleppen. Lesen ist das einzige effiziente Werkzeug, um dein Bewusstsein zu öffnen und deine Träume einzuläuten. Träume sind vielleicht das wahre Leben und das wahre Leben nur ein Traum oder ein Albtraum. Für mich ist Träumen die Mutter aller Kreativität.

Ross Lovegrove

Foto: John Ross

Ross Lovegrove

Der Brite entwarf für Sony Walkmen und für Apple Computer. Seine organische Formensprache prägte das aktuelle Industriedesign nachhaltig.

»Mein Mittel gegen Schlaflosigkeit ist Netflix. Ich warte gespannt auf die neue Staffel von Black Mirror, weil es darin um sehr plausible Zukunftsszenarien geht. Gern sehe ich auch Dokumentationen, zum Beispiel aktuell What The Health, eine Serie über Nahrungsmittelkonzerne und ihren Einfluss auf Zivilisationskrankheiten.«

Monica Förster

Foto: Camilla Lindqvist

Monica Förster

Die Schwedin gilt als die bedeutendste Produktdesignerin Skandinaviens. Zu ihren Kunden zählen Hersteller wie Volvo, Alessi, Poltrona Frau und Georg Jensen.

SZ-Magazin: Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Monica Förster: Walter Isaacsons Biografie von Leonardo Da Vinci. Was für ein Mann!

Welche Serie hilft Ihnen beim Einschlafen?
Megastorms – The Winds of Creation, eine Doku-Serie über Stürme auf fernen Planeten – der sicherste Ursprung von Leben im All.

Ihre liebste Einschlafmusik?
Je nach Stimmung Ballads von John Coltrane, Verklärte Nacht von Arnold Schönberg oder Feel First Life von Jon Hopkins. Und das Schnarchen meines Ehemannes.

Marcel Wanders

Der Niederländer ist Mitgründer der Firma Moooi und ein vielfach ausgezeichneter Möbel- und Produktdesigner.

»Wenn ich nicht schlafen kann, mache ich die Nacht zum Tage. Lese ein Buch, zeichne, gehe in den Park, streiche dort eine Bank pink, rufe Freunde an, hinter­lasse kleine, nette Botschaften auf Zetteln in der Nachbarschaft, gehe online, um drei ­Monate im Voraus nach dem bestmöglichen Geburtstagsgeschenk für meine Freundin zu suchen, berechne den Tag, an dem meine Tochter 10 000 Tage alt sein wird, um einen Plan zu machen, wie man das feiern könnte, wasche das Auto des Nachbarn oder programmiere eine langweilige Schafanimation für andere Nachteulen wie mich.«

Matali Crasset

Foto: Julien Jouanjus

Matali Crasset

Die Pariser Designerin ist für ihren verspielten und poppigen Stil bekannt. Ihr vielfältiges Portfolio umfasst unter anderem Radios, Lampen, Vogelhäuschen und Brillen.

»Mein Waffe gegen Schlaflosigkeit ist Lesen. Ich lese gern soziologische Bücher oder Lebensgeschichten interessanter Frauen, zum Beispiel über die feminis­tische Soziologin Jane Addams, die Meeresbiologin Rachel Carson und die libertäre Pazifistin Madeleine Vernet. Kürzlich habe ich das Werk des Denkers Aldo Leopold entdeckt, eines Pioniers moderner Umweltethik. Kurzum: Wenn ich nicht schlafen kann, versuche ich, über Material für mein Denken nachzudenken.«

Paul Cocksedge

Foto: Dylan Thomas

Paul Cocksedge

zählt zu den innovativsten Leuchtendesignern Großbritanniens. Zudem ist er ein Installationskünstler und ein gefragter Redner.

»Wenn ich Probleme habe einzuschlafen, grüble ich oft über ein Designprojekt nach, an dem ich gerade sitze. Ich versuche, mir das Problem so detailliert wie möglich vorzustellen, zum Beispiel wie etwas zusammengefügt werden kann oder welches Material das beste ist. Für mich ist das wie virtuelle Realität, ich kann rein- und rauszoomen, durch das Produkt fliegen. Je mehr ich mich darin verliere, desto schneller schlafe ich ein.«

Stefan Sagmeister

Der österreichische Grafiker mit Sitz in New York entwarf Plattencover unter anderem für die Rolling Stones, Aerosmith und Lou Reed.

»Kann ich nicht schlafen, dann stelle ich mir vor, durch eine kalte Landschaft zu fahren. Antarktis, Alaska, Grönland, ­Sibirien. Ich befinde mich in einem sehr warmen Lastwagen voll gutem Essen und trostreichen Dingen. Diesen Lastwagen redesigne ich jedes Mal neu. Während der eisige Wind heult oder böse Menschen oder wilde Tiere den Lastwagen attackieren, fühle ich mich so geborgen in meinem Lastwagen, dass ich über diesen Gedanken langsam einschlafe.«