Alarmstufe gelb-blau

Erstmals hat es ein Roboter geschafft, einen Ikea-Stuhl fehlerfrei aufzubauen. Damit müssen wir Menschen uns von der Hoffnung verabschieden, diesen Planeten noch lange beherrschen zu können.

Foto: AFP

Wenn Wissenschaftler in Interviews vor künstlicher Intelligenz und einer bevorstehenden Herrschaft der Computer warnen, wird es mir immer ein bisschen bange. Um mich zu beruhigen, sage ich dann laut »Hey Siri!«.

Mit diesen Worten aktiviert sich die Sprachassistentin meines iPhones, die schon von einfachsten Fragen überfordert ist. (Wer es ausprobieren möchte, rufe dem Handy etwa zu: »Hey Siri, sag mal was Kluges« – und lese dann die Antwort.)

So weit, so beruhigend. Bis eben. Denn eben las ich in einem Artikel, dass es ein Roboter erstmals geschafft hat, einen Ikea-Stuhl (namens »Stefan«) in 20 Minuten und 19 Sekunden fehlerfrei zusammenzubauen.

Nur 20 Minuten? Ach, du Scheiße! Wer jemals bis spät in die Nacht fluchend Ikea-Möbel zusammengebaut hat, verneigt sich ehrfürchtig vor dieser Leistung der Maschine. Künstliche Intelligenz definiert Wikipedia als »den Versuch, menschenähnliche Entscheidungsstrukturen in einem nichteindeutigen Umfeld nachzubilden«. Eine passendere Umschreibung eines Ikea-Aufbauversuchs kenne ich nicht. Noch braucht der Roboter zwar den Menschen, der ihm die Arbeitsschritte einprogrammiert, aber der »Stefan«-Versuch zeigt: Sie sind uns jetzt schon überlegen.
 
Man muss sehr optimistisch und zukunftsgläubig sein, um jetzt zu denken: Prima, wir müssen nie mehr ein Billy-Regal zusammenschrauben, das machen künftig die Roboter. Nie mehr übrige Schrauben, nie mehr wackelige Rückwände. Nie mehr auf Seite 5 merken, dass man auf Seite 2 die Seitenwand verkehrt herum angebohrt hat.

Aber wenn Maschinen klug sind, dann werden sie in Zukunft nicht unsere Ikea-Regale zusammenbauen, sondern sich bewaffnen, die Herrschaft des Planeten übernehmen – und dann uns zwingen ihre Ikea-Regale aufzubauen!

Wozu ein Computer ein Ikea-Regal braucht? Um uns zu beschäftigen und zu zermürben. Bis wir alle seelenlose ewige Billy-Aufbauer sind, unfähig einen klaren Gedanken zu finden jenseits von »Mist, wo hab ich jetzt schon wieder den Imbusschlüssel hingelegt?«.

Sollte wider Erwarten doch keine übermenschlich kluge Roboterarmee die Welt übernehmen, droht uns leider trotzdem das Aussterben: Wenn Roboter Ikea-Möbel nach Hause tragen und aufbauen können, fällt mir kein Grund mehr ein, warum Frauen noch Männer heiraten sollten.

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