Was bedeutet dieses Lächeln?

Am Ende von schlechten Nachrichten steht neuerdings ein Smiley.

Ans Ende von unerfreulichen E-Mails setzen immer mehr Absender einen Smiley. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Emoticon, das entweder so :-) oder so aussieht. Das wirft Fragen auf: Soll es tröstend wirken, wenn die Autowerkstatt die Mail, es sei ihr gerade leider nicht möglich, sich um das Auftreiben von Winterreifen im Winter zu kümmern, mit einem Smiley beschließt? Wenn der Makler die Information, die zentral gelegene Traumwohnung zum Spottpreis habe nun doch die blonde Radiologentochter bekommen, mit einem hingetippten Grinsen beendet? Das sorgte hier bisweilen für allgemeines Theoretisieren: Bei Verwendung des Smileys im Zusammenhang mit einer Absage passen Botschaft und Emoticon offensichtlich nicht zusammen; das kennen wir doch. In der Service-Welt ist das Lächeln Teil der Inszenierung, es wird an- und ausgeknipst (es sei denn, man kauft im Berliner Wedding ein). Auch die schlechte Nachricht wird in dieser Welt mit einem Lächeln überbracht, man kann das verlogen oder höflich finden.

Mit dem Lächeln ist es allerdings so eine Sache: Einerseits bedeutet es das Zeigen der Zähne, was als Aggression gedeutet werden kann (der Haifisch zeigt, was er hat). Andererseits kann Lächeln eine Unterwerfungsgeste sein, insbesondere, wenn beim Lächeln der Kopf schiefgehalten wird. Das steht auf verwirrende Weise im Widerspruch zur Werbung der professionellen Zähneweißmacher, die da lautet: »Ihr Lächeln ist Ihr schönstes Geschenk.« Nun kann man von den Zähneweißmachern halten, was man will, es ist aber doch unbestritten, dass ein Lächeln, im ehrlichen Idealfall, tatsächlich zum Schönsten gehört, was ein Mensch einem Menschen schenken kann. Und ja, das gilt auch und vor allem für Menschen wie den die Zahnweißmacher ignorierenden ehemaligen Pogues-Sänger Shane McGowan, der über ein so wenig weißes wie lückenhaftes Gebiss UND über das erfreulichste Lächeln der Welt verfügt.
McGowan einen verrückten irischen Trinker zu nennen wäre im Übrigen das Gleiche, wie Michael Jordan als passablen amerikanischen Basketballspieler zu bezeichnen. Der Smiley am Ende der unerfreulichen E-Mail wird nie so lächeln wie Shane McGowan. Aber vielleicht drückt in der elektronischen Kommunikation das durchs Grinsegesicht namens Smiley verzierte »Nein« eine so ungewollte wie erfrischende Ehrlichkeit aus: Wir helfen dir nicht, und wir lachen dich aus.

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