Angebot abgelehnt

Warum regen sich die Menschen jedes Jahr wieder auf, wenn es Anfang Herbst die ersten Lebkuchen und Nikoläuse zu kaufen gibt?

Seit ein paar Wochen ist wieder Weihnachten im Supermarkt. Man kennt das ja, erst liegt nur der Lebkuchen im Korb vor der Kasse, dann kommen die Glühweinsets, die Schokoladennikoläuse und die Schokoladenweihnachtsmänner und die Adventskalender und die Zimtsterne und Vanillekipferl und bald wird auch dekoriert, Kunstschnee und Lametta, dazu Jingle Bells rauf und runter. Und wie jedes Jahr rufen die Leute: SO FRÜH SCHON?! Und regen sich auf. Schimpfen über den Kommerz, erzählen an der Supermarktkasse ungefragt über die Weihnachten ihrer Kindheit, und wie die Mutter aus NICHTS – man hatte ja NICHTS damals! – die leckersten Plätzchen gebacken hat und DAS war noch Weihnachten, nicht Kekse aus dem Supermarkt im September schon!, und der Klerus sorgt sich, dass der Konsum vom Innehalten abhält; irgendwie regen sich einfach alle auf.

Ich verstehe nicht, wie man sich jedes Jahr von Neuem aufregen kann. Ich verstehe auch nicht, wie man als aufgeklärter Bürger nicht verstehen kann, warum der Einzelhandel schon im Oktober an Weihnachten verdienen will.

»Ich bin einfach noch nicht in Stimmung!«, geben die meisten Leute als Grund an. Aber das ist ja kein Problem! Man muss ja nicht mitmachen. Wir reden hier von Einkaufsläden. Das ist nicht dasselbe, wie wenn man abends von der Arbeit kommt und irgendjemand hat einen Christbaum ins Wohnzimmer gestellt. Nein, es sind Läden, Orte, die man frequentiert, gezwungenermaßen, man geht rein, aber auch wieder raus.

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Ich freue mich eigentlich jedes Jahr auf die Schokonikoläuse und Schokoweihnachtsmänner. Schokolade schmeckt ja nie besser, als wenn sie in Formen gegossen wurde. Und geschleudert, die Technik heißt Schleudergussverfahren. Dünne Schokolade schmilzt schneller im Mund, und das sorgt für eine optimale Geschmacksentfaltung.

Außerdem ist das Mundgefühl irgendwie schöner, wenn das Stück eine individuelle Form hat und nicht einfach viereckig ist. Die Zeit zwischen Schokoosterhasen und Schokonikoläusen ist für mich also eher zu lang, da könnten gern noch ein paar christliche Schleudergussfeiertage dazwischen liegen.

Und außerdem: Jedes Mal, wenn ich dachte, jetzt ist es aber wirklich viel zu früh, um einen Schokoadventskalender zu kaufen, und es sein ließ, war nur einen Tag später schon Mitte Dezember und es gab keine Kalender mehr. Wahrscheinlich ist es vor allem das, was uns so stört daran, dass der Einzelhandel schon so früh auf Weihnachten macht: Wir merken daran einfach, wie schnell die Zeit vergeht.

Fotos (3): Getty/ DDP/ Miss X / photocase.com

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