Die Schlecker-Pleite

Eis zu essen könnte so schön sein – wenn manche Kunden in den Eisdielen nicht so nerven würden. Sechs Dinge, die man beim Eiskauf bitte bleiben lassen sollte.

Vanille, Schoko, Pistazie? Oder doch lieber etwas ausgefallenes wie »Gurke-Minze« oder »Lavendel-Hibiskus«?

Foto: GMVozd/istockphoto.com

Es ist heiß, der Mensch möchte sich abkühlen, die Schlangen vor den Eisdielen der Stadt werden länger, genau wie die Schlangen vor den Freibädern. Im Freibad gibt es Baderegeln, an die sich alle Besucher zu halten haben, um auch bei Enge und Hitze ein einigermaßen friedliches Miteinander zu garantieren. Für Eisdielen gibt es Vergleichbares noch nicht, daher hier exklusiv ein paar Verhaltensregeln, mit der Sie sich in der Eisdiele und in der Schlange davor garantiert niemanden zum Feind machen.

1. Nicht über Preise meckern.

Ja, vor vielen Jahren, als wir noch Kinder waren, da kostete die Kugel Eis noch 50 Pfennig. Die heutige Elterngeneration erinnert sich daran. Es ist verständlich, mit dem Eisdielenbesuch nostalgische Gefühle zu verbinden. Aber das ist nun schon lange her und in den letzten Jahrzehnten sind die allermeisten Dinge teurer geworden. Gewerbemieten zum Beispiel. Eiszutaten. Aber auch Arbeitskräfte. Wenn Sie also nicht wirklich jeden Cent umdrehen müssen und auch sonst nicht durch den Supermarkt laufen und lautstark: »Also 1986 hat die Erdbeermarmelade nur ein Viertel von dem gekostet, was sie heute kostet, ist doch unglaublich, wie die einfach jedes Jahr die Preise erhöhen!« rufen, versuchen Sie zu akzeptieren, dass eine Kugel Eis heute irgendwas zwischen einem und drei Euro kostet, je nachdem, wo Sie ihr Eis kaufen. Es hat seine Gründe. Solange der oder die Inhaber*in ihrer Eisdiele nicht im Bentley vorfährt und sein Eisimperium an die Börse bringt, dürfen Sie davon ausgehen, dass es einfachere Wege gibt, um reich zu werden.

2. Nicht über Eissorten meckern.

Niemand zwingt Sie, die Sorten »Gurke-Minze« oder »Tonkabohne-Himalayasalz« oder »Lavendel-Hibiskus« zu wählen. Sie sind mehr so der Erbeer-Schoko-Vanille-Typ? Fein, jede Eisdiele hat diese Sorten vorrätig, Sie können sie bestellen und genießen, niemand muss seine geschmackliche Komfortzone verlassen. Aber manche Menschen haben Spaß an ungewöhnlichen Geschmackskombinationen, manche Eisdiele hat Freude daran, mal etwas Neues auszuprobieren. Seien Sie großzügig mit den Liebhaber*innen von Salzkaramell und Holunderblüten, behalten Sie ihren Spott über Eis-Hipster für sich. Mit ein wenig Geduld erleben Sie schon bald das unweigerliche Nostalgie-Comeback der Fürst-Pückler-Kombination, dann sind Sie ganz vorne mit dabei!

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3. Nicht alles erstmal kosten wollen.

Sie haben sich also geduldig angestellt und jetzt sind Sie endlich an der Reihe. Ein ganzes Universum an köstlichen Eissorten steht Ihnen zur Auswahl und nun können Sie sich nicht entscheiden. Verständlich, das geht vielen Menschen so, aber bitte denken Sie daran: Es gibt beim Thema Eis eigentlich keine falschen Entscheidungen und es gibt noch so viele Gelegenheiten, jede Sorte zu probieren. Der Sommer ist noch lang. Genau wie die Schlange hinter Ihnen. Drehen Sie sich um und schauen Sie in die erhitzten, abgekämpften Gesichter Ihrer Mitmenschen. Fühlen Sie sich ein in die Welt eines dreijährigen Kindes, das nach einem langen Kita-Tag endlich das versprochene Eis bekommen möchte und nun auch schon eine ganze Weile geduldig gewartet hat. Und dann widerstehen Sie bitte dem Impuls, zu fragen, ob Sie diese oder jene Sorte »mal kosten« dürfen. Meistens dürfen Sie sogar, anders als beim Bäcker, da bekommt man auch keinen Probierlöffel mit unterschiedlichen Tortenstückchen, bevor man sich entscheidet. Aber nur, weil es möglich ist, muss man von dieser Möglichkeit nicht Gebrauch machen. Üben Sie in der Eisdiele, schnelle Entscheidungen zu treffen und zu ihren Entscheidungen zu stehen.

4. Denken Sie an Ihre Kinder.

Es gibt Kinder, die in der Eisdiele ihr Eis gern selber bestellen und das auch gut hinbekommen. Es gibt Kinder, die schüchtern sind und das nicht so gerne tun. Die muss man ab und zu ermutigen, schon klar, wir alle müssen irgendwann lernen, für uns selbst zu sorgen. Überlegen Sie jedoch gut, ob eine volle Eisdiele mit vielen ungeduldigen Zeugen der richtige Ort für diese Art von Anfeuerung ist: »Du bist dran, Schatz! Na, jetzt sag schon, was du möchtest! Komm, sag, welches Eis, sag es laut, damit die nette Verkäuferin dich hören kann! Na komm, nun sag es doch Schatz, sag welches Eis! Nein, das kannst du schon selber, nun komm, sag doch mal, möchtest du Schoko? Na, dann musst du das sagen, doch, komm, sag es laut! Nein Schatz, nur eine Kugel, wir haben doch gerade darüber gesprochen, du musst dich entscheiden und laut sagen, was du möchtest, du kannst das schon ganz allein.«

5. Sagen Sie dem Verkaufspersonal nicht, wie sehr Sie es um diesen Job beneiden.

Wenn Sie gerade aus Ihrem gut klimatisierten Büro kommen, in dem Sie einer regelmäßigen, gut bezahlten Arbeit nachgehen können, dann ist die Saisonkraft, die Ihnen das Eis über die Theke reicht, garantiert nicht die richtige Adresse für Ihre Aussteigerfantasien. »Ach, ihren Job würde ich auch gern machen, den ganzen Tag Eis essen können, das muss doch herrlich sein.« Ja, ein Job in der Eisdiele mag im Sommer zwar angenehmer sein als auf dem Bau zu arbeiten. Aber es hat seine Gründe, warum man Eisdielenverkäufer*innen sehr selten selber Eis essen sieht. Erstens, weil sie gar nicht dazu kommen. Zweitens, weil ein Job in der Eisdiele ein Garant dafür ist, sich spätestens ab Mittag nach einem herrlichen Käse- oder Leberwurstbrot zu sehnen. Apropos Sehne: Diese Handgelenksschienen, die viele Eisdielenverkäufer*innen am Ende der Saison tragen, sollen gegen die Sehnenscheidenentzündung helfen, die so ein Job in der Eisdiele oftmals mit sich bringt.

6. Belästigen Sie niemanden mit Ihren Fantasien.

Die Hitze macht uns allen nicht nur Lust auf Eis. Aber wenn Sie einen Penis besitzen und beispielsweise eine Frau dabei beobachten, wie sie ein Eis schleckt und diese Beobachtung erregt Sie, behalten Sie diese Empfindung unbedingt für sich. Lassen Sie die Frau einfach in Ruhe, starren Sie sie nicht an, quatschen Sie sie nicht an, sie möchte garantiert einfach nur in Frieden ihr Eis essen und nicht mit Ihren Fantasien belästigt werden. Glauben Sie es ruhig: die allermeisten Frauen, die in der Öffentlichkeit schon mal eine Banane oder ein Eis gegessen haben, haben dafür schon anzügliche Bemerkungen und/oder Blicke kassiert. Es ist lästig und unangenehm und schrecklich unoriginell. Gehen Sie einfach nach hause und tun Sie dort, was getan werden muss. Kühlen Sie sich ab. Wenn das Eis allein nicht hilft, dann vielleicht mit einer kalten Dusche.

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