Nur weil die Eltern sich verstehen, tun das die Kinder noch lange nicht

Arrangierte Freundschaften sind wie arrangierte Ehen: Sie funktionieren nicht. 

Illustration: Ellen van Engelen

Kleinkinder spielen mit allem, was ebenfalls zwei Beine und eine Windel hat. Aber innige, bleibende Freundschaft entsteht, wenn das Kind wählen kann, mit wem es spielen will – und mit wem nicht. Dann merkt man: Zwei Kinder, die in eng befreundeten Familien mit den gleichen Werten, Liedern, Witzen oder Brettspielen groß werden, können einander doof finden. Und die Eltern sind machtlos, denn arrangierte Freundschaften sind wie arrangierte Ehen, man kann Zuneigung nicht erzwingen. Dann wird unterm Restauranttisch geschubst, gehänselt, ausgegrenzt. Die Frage, wer zuerst gehauen hat, ist schon mit fremden Eltern ein heikles Thema. Mit Freunden wird es hohe Diplomatie – nicht gleich am ersten Nachmittag, aber auf Dauer, zum Beispiel in einem gemeinsamen Sommerurlaub voller Zankereien.

Früher, in der Zeit ohne Kinder, kam es vor, dass Freunde einen neuen Partner hatten, den man nicht mochte. Aber da konnte man sich leichter zu zweit treffen. Mit Familie wird die Freizeit deutlich knapper, es bieten sich so viele Möglichkeiten, sich mit den Kindern zu sehen: am See, am Schlittenberg, am Spielplatz. Und es steckt zu viel von einem selbst im Kind, als dass der Satz »Meine Anna mag deine Luisa nicht« ohne Kränkung bliebe.

Die Lösung des Problems? Akzeptieren, dass es keine gibt. ­Kinder können nicht nur das gute Geschirr zerbrechen, sondern auch enge Freundschaften. Nicht jede: Man kann um die allerbesten Freunde kämpfen, die Kränkung offenlegen, mit Babysittern hie und da Zeit freischaufeln. Aber manche Freundschaften werden die Kinderdissonanzen nicht überleben: der so nette Vater, mit dem man sich am ersten Kita-Elternabend gleich verstanden hat, die lustige Mutter vom Kindergartenbeirat. Sie hätten vielleicht Freunde fürs Leben werden können. Aber leider nicht, wenn die Kinder sich nicht ausstehen können.

Meistgelesen diese Woche:

Es gibt eben diese zehn, fünfzehn Jahre im Leben, wo das Kind vieles dominiert. In dieser Zeit sind Eltern-Freundschaften wie Kinderschuhe, man wächst schnell heraus. Weil die Kinder auf weiterführende Schulen wechseln, andere Cliquen finden, sich in andere verlieben. Jedes Mal trifft man aufs Neue die dazugehörigen Eltern – und da darf man den Kindern dankbar sein: Ohne sie hätte man diese ­Eltern nie kennengelernt. Weder als kurze Bekanntschaft noch als Freunde fürs Leben.

Hier geht es zum anderen Fall: Nur weil sich die Kinder verstehen, tun das die Eltern noch lange nicht.

Artikel teilen: