Auf Rihannas Schultern

Eine Schwedin namens Zara Larsson steht weit oben in den Charts, obwohl sie exakt so klingt wie Rihanna. Oder gerade deshalb? Eine Recherche zeigt: Das Kopieren ist ihr Erfolgsrezept.

An der Chartspitze sitzt gerade alles wie festgelötet. Nur der Song »Lush Life« auf der Sechs ist vergleichsweise neu. Er stammt von einer gewissen Zara Larsson, einem 17-jährigen Casting-Pflänzchen aus Schweden, und ist ein hübscher Hubba-Bubba-Hit mit irgendwie karibisch klingenden Versatzstücken. Nett, unbedingt.

Interessant ist aber eine Assoziation, die eben der Bürokollege hatte, der zufällig vorbeikam: »Ah, neuer Song von Rihanna?« Der Kollege ist musikalisch durchaus ein Crack. Und er ist kein Einzelfall, wie man auf Youtube unter dem Video zum Song sieht. Da berichten hochgradig verwirrte Teenager in den Kommentaren, dass sie seit Tagen denken, sie hörten gerade den ersten Hit von Rihannas heißerwartetem neuen Album im Radio. Pustekuchen! Aber, Durschnittsfazit: »Irgendwie trotzdem geil«. Der Fehlschluss von der jungen Schwedin auf den karibischen Superstar ist also weit verbreitet. Beim Hitradio haben sie das auch bemerkt, sie kündigen Larsson gelegentlich schon als “schwedische Rihanna” an. Und wenn man sich so richtig abenteuerlustig fühlt, kann man mal absichtlich falsch »Rihanna Lush Life« in die Suchmaschine tippen und: landet bei Larsson.

Es stimmt aber auch, der görig-näselnde Gesang von Zara Larsson ähnelt frappierend dem von Rihanna, die ja sieben Achtel des ganzen Ruhms ihrer immer wie frisch geschneuzt klingenden Stimme verdankt. Ist die Ähnlichkeit Zufall? Oder, wie man als Hobby-Verschwörungstheoretiker natürlich sofort fragen muss: Wer profitiert davon? Natürlich Zara Larsson und die Männer, die ihr den Song geschrieben haben. Schön, könnte man nun sagen. Wenn die ein Talent gefunden haben, das zufällig klingt wie ein etablierter Star – es sei ihnen gegönnt! Nur kommt es noch dicker, wenn man sich mal Larssons andere Single anhört, »Never Forget You«.


Und dann mal im Vergleich »Where Are Ü Now« von Skrillex & Diplo feat. Justin Bieber, das vor ein paar Monaten weltweit Platin abgeräumt hat:

Da muss man direkt mal schlucken. An mindestens drei Stellen ist  Larssons Song völlig unbekümmert von Skrillex und Co. abgepaust, und zwar mit dem ganz dicken Edding, von der Gesangslinie bis zum Schlagzeug-Sample. So müssen sich Lampendesigner fühlen, die ihre Ideen billig nachproduziert bei IKEA finden. »Never Forget You« von Zara Larsson ist übrigens ihr bislang größter Hit, in Großbritannien gerade auf Platz fünf.

Erinnert an: Dr. Guttenberg
Wer kauft das? Leute, die sich auch Nutoka aufs Brot schmieren.
Was dem Song gut tun würde: ein Videoclip, der wenigstens lippensynchron geschnitten ist.

Foto: Screenshot

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