"Hallo, süße Traumfrau"

Zwölf Wochen online, Hunderte von Mails, zehn Treffen - und ein Haufen Vollidioten. Was passiert, wenn eine Frau über 60 versucht, im Internet einen Mann zu finden? Unsere Autorin hat ihr Bestes gegeben.

Sie kennen den Spruch: Für eine Frau über 40 ist es wahrscheinlicher, von einem Terroristen erschossen zu werden, als noch den Mann fürs Leben zu finden. Wie sieht es dann erst bei einer 60-Jährigen aus? Soll sie Stützstrümpfe überziehen? Einen Töpferkurs buchen? Oder sich lieber gleich die Grube schaufeln? Blödsinn!

Ganz gleich, wie alt eine Frau oder ein Mann ist, behaupten die Partnerschaftsinstitute, jeder Topf könne seinen Deckel finden. Bei Millionen von Singles soll es schon geklappt haben. Na also. Ich ließ mich bei drei Instituten registrieren, das kostet Geld, Zeit und Nerven, doch was zählt das schon gegen die Aussicht auf Liebe und Glück? Das Institut Parship wirbt mit der »besten Klientel«, was immer das heißen mag. Auf 50plus-Treff tummelt sich alles, vom Dessousvertreter bis zum Supermarkt-Filialleiter. Die Singlebörse Elite bedient neben Jüngeren auch Frauen über 40, für die sei vom Handwerksmeister bis zum Urologen alles dabei.

Doch vor der Liebe kommt die Arbeit. Ich musste über mich Auskunft geben, am besten wahrheitsgemäß, so seien meine Chancen am größten. Also – Alter: 60plus, Größe: 163 cm, Gewicht: 58 kg, Haarfarbe: wechselnd, Augenfarbe: braun, Familienstand: geschieden, Kinder: 1, Beruf: Autorin, Sprachkenntnisse: englisch/französisch, Sternzeichen: Jungfrau, Hobbys: keine. Sogar mein Fitness-Level musste ich angeben: niedrig.

Dann musste ich ein Fragespiel durchlaufen: Ich wählte die Altbauwohnung in der Großstadt, zog eine Asienreise dem Wanderweg über die Dolomiten vor und gestand, dass gute Manieren für mich kein Beiwerk sind. Dann sollte ich noch drei Fragen an die Männer stellen. Ich entschied mich für:
1. Seit wann lebst du allein? (Ich will keinen, der verheiratet und
nur auf ein Abenteuer aus ist.)
2. Wie viel Freiraum gestehst du deiner Partnerin zu? (Ich will definitiv keinen Macho.)
3. Suchst du jemanden, mit dem du auf Augenhöhe leben und lieben willst? (Ich bin weder eine billige Haushälterin noch ein unterwürfiges Aschenputtel.)

Gelogen habe ich nur in einem Punkt: Als Beruf gab ich bei Parship wahrheitsgemäß »Autorin« an. Für Elite war ich »selbstständig« und »vermögend«, bei 50plus-Treff Verkäuferin. Ich stellte noch ein Foto online, besorgte mir eine neue E-Mail-Adresse und eine zweite Mobilnummer.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: »Wie hältst du es mit Sex? Ich finde, fünfmal am Tag ist ein guter Durchschnitt.«)

Von nun an verbrachte ich den Großteil meiner Zeit am Computer. Innerhalb einer Woche hatte ich auf dem »gehobenen« Portal 84 Anfragen. Von Elite bekam ich über 200 Vorschläge, von denen ich 100 sofort aussortierte – Männer ohne Foto haben keine Chance. Bei 50plus-Treff hatten sich 93 Interessenten gemeldet.

Als ersten Besucher meines Profils schlug mir Parship einen Unternehmer vor, 59 Jahre alt, 185 cm groß, 82 Kilo. Sein Profil klang seriös. Der Mann 9706A3 stellte sich als Mann von Welt vor, der Asien genauso gut kannte wie die USA, beruflich in Uganda und Canberra unterwegs war. Auf dem Foto sah er gut aus. Er gab zu, ein paar Kilo zu viel zu haben, bemühe sich aber, sie mit Golf und Tennis abzutrainieren. Er liebe Theater, höre Klassik und Jazz.

Ich antwortete sofort, wir schrieben uns täglich. Er gab mir seine Handynummer und bat um meine, die ich aber erst mal nicht herausrückte. Wir müssten uns dringend in die Augen sehen, schrieb er. Allerdings werde er am nächsten Tag nach Los Angeles fliegen, beruflich, danach habe er alle Zeit der Welt für mich. Ich wünschte ihm gute Reise und kümmerte mich um die anderen Kandidaten.

Inzwischen hatte ich 75 von ihnen eine kurze Notiz gemailt, immer mit dem gleichen Text: dass ich mich freuen würde, mehr über sie zu erfahren. Außerdem hatte ich ihre Fragen an mich beantwortet, zumindest die meisten, einige waren so doof, dass ich auf Antworten verzichtete: »Würdest du mit mir in einem Wohnwagen durch die Welt reisen?« Diese Frage, meine Herren, hätte ich auch schon vor dreißig Jahren verneint! Oder: »Wie hältst du es mit Sex? Ich finde, fünfmal am Tag ist ein guter Durchschnitt.« Ich schrieb zurück: »Wirst du das denn schaffen?«

Zwei Briefe fielen schon in der ersten Woche aus dem Rahmen. Ein Arzt, 64 Jahre, 183 cm groß, 85 Kilo schwer, aus Nordrhein-Westfalen, schrieb mir:
»Liebe Dame, was Sie über sich schreiben, hat mich bewegt. Sie sehen nicht nur sehr gut aus, sondern haben auch einen interessanten Beruf (Autorin). Ich kann also voraussetzen, dass Sie über Bildung – und wie ich hoffe –, auch Herzensbildung verfügen. Sie sollten, bevor wir in näheren Kontakt treten, Folgendes wissen: Ich habe vor einem halben Jahr eine wunderbare Frau über dieses Portal kennengelernt. Wir waren sehr glücklich. Leider zu kurze Zeit. Sie ist im Januar gestorben. Mir ist das Herz noch immer schwer. Aber ich kann nicht allein leben. Finden Sie es zu früh, dass ich erneut nach einer Bindung suche? Bitte antworten Sie mir unbedingt. Ihr Hans-Walter. PS: Ich war 30 Jahre verheiratet, dann hat mich meine Frau verlassen. Ich weiß bis heute nicht, weshalb!«

Oh Gott, dachte ich. Soll ich Händchen halten oder den Haushalt führen? Ich schrieb zurück, dass mich sein Brief gerührt habe, ich jedoch der Meinung sei, dass er für eine neue Bindung mehr Zeit brauche. Und dass ich nicht glaube, die Richtige zu sein. Doch wenn es ihn erleichtere, mit mir zu korrespondieren, würde ich ihm antworten. Ich habe nichts mehr von ihm gehört. Allerdings wurde mir angezeigt, wenn er mein Profil angeklickt hatte. Das geschah etwa jeden zweiten Tag. Ich hoffe für ihn, dass er wieder eine Frau fürs Leben findet. Viel Glück, Hans-Walter!

Der Zweite war ein Schwarzafrikaner, der sein Profil mit »African-Man-Solo« überschrieben hatte: »Du gefällst mir!«, schrieb African-Man-Solo. »Bin sehr einsam. Seit sechs Jahren habe keine Freundin. Seit acht Jahren bin in Germany. Es ist kalt hier. Viele Frauen mögen nix African. Und du? Ich kann auch nix gut deutsch!«

Ich schlug ihm vor, mir in Englisch zu mailen. Und wollte wissen, aus welchem Land er kommt und was er beruflich macht. African-Man-Solo hatte kein Foto zu seinem Profil gestellt. Ich erfuhr, dass er aus Kenia stammte, zwischen Mombasa und Malindi gelebt hatte und Straßenbauingenieur sei. Seine Mails waren sehr knapp. Als ich ihm schrieb, dass ich Kenia kenne und auch die Straße zwischen Mombasa und Malindi schon gefahren sei, schlug er mir vor: »Wir müssen feiern. Vielleicht heiraten. Wer meine Heimat liebt, liebt auch African-Man.«

Was tun? Ich wollte nicht mit African-Man in einer Rundhütte leben. Also schrieb ich: »Lieber African-Man, sollten wir damit nicht warten, bis wir uns besser kennen? Ich warte noch immer auf ein Foto!« Statt eines Fotos kam ein empörter Brief: »African-Man ist traurig. Alle deutsch Frauen gehen auf Aussehen. Du bist wie alle!« Das war das Ende unserer Romanze. Ich bin wie alle. Wir alle haben unsere Ängste, Vorurteile, Empfindlichkeiten. Vielleicht finden wir deshalb so schwer zusammen.

Inzwischen hatten sich auf dem Portal, auf dem ich mich als vermögend geoutet hatte, auch einige Mitgiftjäger eingefunden: Ein 51-jähriger Österreicher, 182 cm, 87 Kilo, Wirt in Kärnten, Profilname: Bond 007 erkor mich zu seiner Traumfrau. Er schrieb: »Hallo, süße Superfrau, du gefällst mir! Unsere Vorstellungen von der Zukunft passen genau zusammen. Du kannst gut kochen und bist gern Gastgeberin. Ich habe eine große Wirtschaft mit Pension. Vielleicht hast du Lust, bei mir einzusteigen. Neue Frau und neues Geld sind immer willkommen. An unseren Altersunterschied werde ich mich sicher gewöhnen! Bussi, dein Bond 007

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Meine Tochter sah mich schon als Leiche in der Salzach schwimmen. »Geh ja nicht in seine Wohnung!«, beschwor sie mich. Und: »Steig nicht in sein Auto!«)

Ich sah mir »Mr. Bonds« Profil genauer an. Sean Connery würde sich im Grabe umdrehen, wenn er tot wäre. Das Foto zeigte einen aufgedunsenen Mann, breitbeinig, in zerbeulter Lederhose, mit vergammeltem T-Shirt. Im Hintergrund eine geschmückte Wirtschaft, viel Alpenkitsch. Dazu kam, dass er alles, was ich verabscheute, als Vorlieben angegeben hatte. Camping, Bergwandern, Basteln.

Der Zweite stellte sich als Philosoph vor: Adrian, 49 Jahre, 192 cm, 81 Kilo, aus Salzburg, schrieb über sein Profil eine Art Leitmotiv: »Das Ende meiner Sprache ist nicht das Ende meiner Gedanken!« Wow! Ein Denker. Noch dazu einer, dessen Fotos meinem Beuteschema entsprachen! Groß, schlank, dunkelhaarig. Was störte mich da sein elitäres Gefasel? Ich säuselte zurück, er lud mich ein, ein Wochenende in Salzburg zu verbringen. Meine Tochter sah mich schon als Leiche in der Salzach schwimmen. »Geh ja nicht in seine Wohnung!«, beschwor sie mich. Und: »Steig nicht in sein Auto!«

Ich verkürzte das Wochenende auf eine Übernachtung und bat ihn, mir ein Zimmer zu buchen. Die Wahl des Hotels würde mir einiges über ihn verraten. Er reservierte ein Doppelzimmer im sehr teuren »Goldenen Hirschen«. Adrian erschien ganz in Schwarz. Designerware. Aus dem Rahmen fielen nur seine ausgetretenen Turnschuhe. Er begrüßte mich mit einem feuchten Handkuss. Im Café auf dem Mönchsberg steuerte er zielstrebig auf sein Anliegen zu.

Mit großem Nachdruck in der Stimme sprach er von einem Preis, den er für sein Gedankengut von einer Akademie in Zagreb verliehen bekommen würde, falls er einen Mäzen auftun könne. Seiner internationalen Karriere als Nachfolger Wittgensteins stünde dann nichts mehr im Wege. Er könne sich mich als Mäzenin gut vorstellen. »Du liebst doch auch das Geistige, zusammen können wir so viel auf die Beine stellen!« Der Nachmittag war mühsam.

Abends im Restaurant, dem ersten der Stadt, herrschte er den Ober an, beschimpfte den Blumenschmuck als lächerliches Gestrüpp und bestellte nur das Teuerste. Ob ich mit seiner Weinauswahl zufrieden sei, fragte er nicht. Manchmal legte er seine Hand auf meine und seufzte. Er redete und redete, ich wurde immer schweigsamer, sah immer öfter auf die Uhr. Als die Rechnung kam, suchte er vergeblich nach seiner Brieftasche. Ich war nicht überrascht, zahlte und schwieg.

Auf der Rückfahrt nach München zog ich eine Zwischenbilanz:

Ich fragte mich, ob finanzielle Unterstützung der Preis war, in meinem Alter einen attraktiven Mann zu erobern. Wenn ja, würde ich verzichten müssen. Ich kann keine Mäzenin sein, das ließen mein Konto und mein Stolz nicht zu. Nichts gegen Frauen, die für Sex bezahlen. Aber Liebe lässt sich nicht kaufen, und der Charme schöner Männer ist ohnehin begrenzt. Für mich zählen Klugheit, Manieren, Selbstironie, Großzügigkeit und Humor. Wenn die in einer guten Mischung vorhanden sind, kann er auch zehn Pfund zu viel haben. Bisher hatte keiner der Männer in mir etwas zum Klingen gebracht. Im Gegenteil.

Übersah ich die wertvollen Fundstücke? War ich zu arrogant? Zu wählerisch? Wurde von einer 61-jährigen Frau erwartet, dass sie ihre Ansprüche herunterschraubt?
Die Diplompsychologin Lisa Fischbach, die der Klientel von Elite zur Verfügung steht, zerstreute meine Bedenken. »Sie reagieren völlig normal!«, beruhigte sie mich.

»Frauen Ihres Alters haben fast alle hohe Ansprüche. Sie sind nicht mehr kompromissbereit. Sie haben im Leben einiges erreicht und müssen sich nicht erst durch einen Mann verwirklichen. Wenn solche Frauen einen Gefährten suchen, steht die Lebensplanung nicht mehr im Vordergrund, müssen keine Kinder mehr großgezogen werden. Sie wollen genießen und legen weniger Wert auf Äußerlichkeiten. Wichtiger ist ihnen, welche Beziehungs- und Lebensqualitäten der andere mitbringt. Ob er tolerant, großzügig, verlässlich, charmant und humorvoll ist. Natürlich spielt auch Sex eine Rolle. Ein gutes Gespräch überzeugt sie aber mehr als ein Mann, der immer kann. Jüngere Frauen haben andere Erwartungen«, sagt Lisa Fischbach, »sie kennen ihren Marktwert und sind weniger frustriert, wenn sich einer ihrer Favoriten plötzlich aus dem Mailverkehr verabschiedet. Bei reiferen Frauen kann das Selbstzweifel fördern, ob es vielleicht am Alter liegt.«

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Ein akzeptabler Mann, endlich! Ich erzählte meiner Tochter von ihm und zeigte ihr die Fotos. Als Reaktion kam lautes Lachen. )

Wie recht sie hat! Die meisten männlichen Besucher verschwinden wirklich plötzlich in der Anonymität des Netzes. Ich empfand das als unhöflich und beleidigend. Der Mangel an Stil und Manieren zog sich durch alle drei Internetbörsen, die ich besucht hatte. Dazu kommt, dass man nicht zu zart besaitet sein sollte. Einige Zuschriften waren äußerst direkt: So hatte mir bei 50plus-Treff ein S/M-Liebhaber geschrieben. Sein Name: Erigator.

Erigator 64, im Ruhestand, 172 cm, 78 Kilo, aus dem Alpenvorland, hatte mein Profil gründlich missverstanden. Aus dem Wort selbstbewusst las er heraus, dass ich als Domina geeignet wäre. Er mailte: »Beglückt lese ich, dass du gern den Ton angibst. Ich unterwerfe mich mit Lust deinen Befehlen. Bin gern dein Schüler oder Sklave. Verfüge über mich. Dein demütiger Erigator.«

Ich ließ meine Webseite für ihn sperren und gerade, als ich dachte, genug von Internet-Männern zu haben, meldete sich der weit gereiste Unternehmer wieder. Wir vereinbarten als Treffpunkt die Halle des Hotels »Vier Jahreszeiten«. Danach wollten wir gemeinsam zu Abend essen. Claudius, wie er sich nannte, war charmant, teuer gekleidet und plauderte amüsant. Beim Italiener, den er ausgesucht hatte, flirtete er heftig mit mir. Ein akzeptabler Mann, endlich!

Er lud mich ein, ein paar Tage mit ihm in Barcelona zu verbringen. Beim Abschied versprach ich, darüber nachzudenken. Claudius gefiel mir. Weder hatte er versucht, mir die Rechnung unterzujubeln, noch darauf gedrängt, einen Kaffee bei mir zu trinken. Er bedankte sich am nächsten Tag für den »wundervollen Abend«. Ich war nicht abgeneigt! Ich erzählte meiner Tochter von ihm und zeigte ihr die Fotos. Als Reaktion kam lautes Lachen.

Claudius hieß gar nicht Claudius, war der Vater einer Freundin meiner Tochter, seit Langem verheiratet. Ich war enttäuscht, wollte mir aber nichts anmerken lassen und schrieb ihm, ob seine Ehefrau auf unseren Kurztrip mitkäme? Ich hörte nie wieder von ihm.

Die Kriterien, nach denen Elite mir Männer vorschlug, die angeblich zu mir passten, waren mir übrigens immer noch schleierhaft: Mir wurden ein Finanzbeamter, ein Feuerwehrmann, der Leiter einer Behörde und ein Schreiner vorgeschlagen. Alles Männer, deren Interessen und Lebensziele sich nicht im Geringsten mit meinen deckten.

Als Nächstes antwortete ich Gernot, Handwerksmeister, 47 Jahre alt, 184 cm groß, 80 kg. In seinem Profil stand: Ich bin treu, glaube noch an die große Liebe und trage freiwillig den Müll hinaus. Ich wünsche mir eine Frau, die gut kocht, romantisch ist und treu. Wir trafen uns in einem Café. Gernot erschien in Jeans und Bikerjacke. Der Schädel rasiert, am Handgelenk eine mächtige Uhr. Er bestellte sich ein Weißbier, nach einer Weile sagte er: »Und du kannst kochen?!«

Ich antwortete: »Und du trägst freiwillig den Müll hinaus?« Er grinste. Dann schaute er auf meinen Hund. »Davon hast nix g’sagt!« Er trank sein Bier aus und sagte: »Des mit uns wird nix! Des sieg i scho jetzt!« Er legte vier Euro auf den Tisch, stand auf und sah noch mal meinen Hund an. »I bin allergetisch auf die Viecher. Servus!« Danach reichte es mir.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Mein Fazit nach zwölf Wochen, Hunderten von E-Mails und zehn persönlichen Treffen lautet...)

[plugin bildergalerie Bild9="" Bild7="" Bild8="" Bild10="" Bild11=""]Mein Fazit nach zwölf Wochen, Hunderten von E-Mails und zehn persönlichen Treffen:

Auch für Frauen in meinem Alter steht eine Vielzahl erlebnishungriger Männer zur Verfügung. Wer auf dem Dorf lebt, wo jeder Schritt der Kontrolle des Nachbarn unterliegt, oder wer einen begrenzten Freundeskreis hat, für den bieten Internetportale die Chance, einen Partner zu finden. Die Anonymität erleichtert den ersten Schritt. Allerdings muss man viel Zeit und Geld investieren und braucht Selbstbewusstsein, um dumme Fragen zu beantworten und Absagen zu akzeptieren.

Natürlich ist es ein schönes Kompliment, wenn man ein Foto von sich ins Netz stellt und 300 Zuschriften bekommt – obwohl man nicht mehr 40 ist. Für mich taugt diese Art der Partnersuche aber nicht. Ich finde es aufregender, einem Mann in die Augen zu sehen, seine Stimme zu hören, seine Hände zu betrachten. Ein Lachen löst bei mir mehr aus als eine Auflistung von Wünschen. Wie ein Mann sich bewegt, kann so erotisch sein. Über seine Art, wie er eine Geschichte erzählt, erfahre ich Dinge, die mir keine Analyse verrät. Millionen glücklicher Paare? Daran kann ich – nach meinen Erfahrungen – nicht mehr so recht glauben.

Wirklich in Erinnerung geblieben ist mir nur einer: Rudi. Rudi hatte sein Profil mit »Bauer sucht Frau« überschrieben. Das Foto zeigte einen braun gebrannten Mann, Ende 50, mit sympathischem Gesicht. Wir verabredeten uns im Biergarten. Rudi, ein Mann wie ein Baum, kam in einem alten Mercedes mit einem sehr vollen Picknickkorb. Er deckte auf, holte Bier und lachte. »Dass du net als Bäuerin taugst, war mir scho klar!«, grinste er. »Aber was soll’s!« Es wurde ein lustiger Nachmittag. Rudi erzählte von seinem Hof, seinen Tieren und der Suche nach einer Frau. Die eigene war vor Jahren mit einem, wie er sagte, schmalzigen Itaker durchgebrannt. Wir trennten uns mit meinem Versprechen, ihn auf seinem Hof zu besuchen. Und das werde ich auch machen, weil Rudi etwas hatte, was ich bei allen anderen Kandidaten vermisste: Charme, Humor und Herzlichkeit.

Foto: Peter Langer

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