Mach die Biege

Rattanmöbel lagen eigentlich schon auf dem Dachboden der Geschichte. Auf einmal sind sie wieder da – und können nun sogar dazu beitragen, den Regenwald zu retten.

Manche Revivals kommen tatsächlich, weil sie kommen müssen. Nicht als konzertiertes Rausposaunen cleverer Marketingstrategen, sondern als stille Wiederkehr einer totgesagten Sache, die zu zeitlos ist, als dass sie je verschwinden könnte. So wie Rattanmöbel, die jetzt von Designern und Herstellern wiederentdeckt werden, obwohl man sie auf dem Dachboden der Geschichte wähnte.

Zur Erinnerung: Rattanmöbel fanden ihren Weg über das britische Kolonialreich in die bürgerlichen Wintergärten des Westens, ehe sie zum Wohnfetisch der hedonistischen Achtundsechziger wurden, die mit Möbeln aus südostasiatischer Rotangpalme ihre intellektuelle Weltläufigkeit demonstrierten. Während die anderen draußen durch die Institutionen marschierten, saß man auf knarzenden Rattansesseln und lauschte andächtig Keith Jarretts Köln Concert. Das gute Leben war wie ein Schluck Toskanawein – natürlich aus der geflochtenen Bastflasche. Irgendwann, der Joschka war längst Außenminister, war Rattan als Distinktionsaccessoire aus der Mode, verdrängt vom globalen Outdoortrend, der uns all die wuchtigen und wetterfesten Sitzgruppen aus braunem Kunstfasergeflecht brachte, die seitdem Terrassen, Flughafenlounges und Hotelpools besetzt halten.

Wie originell sich dagegen die neuen Rattan-Kreationen ausmachen: Leicht und filigran, mal bunt folkloristisch, mal bauhausmäßig modern, vor allem aber zukunftweisend, denn Rattananbau, nachhaltig und sozialverträglich betrieben, kann laut WWF helfen, den tropischen Regenwald zu erhalten. Auch das: ein später Triumph der Toskanafraktion.

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Fotos: Gaelle Le Boulicaut

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