Das Wir gewinnt

Die Clooneys beim Motorradausflug, Theresa May und ihr Mann beim Sporteln sowie Beyoncé und Jay-Z harmonisch bei der Filmpremiere: Wie konnte der einst so verschriene Partnerlook zur Moderegel der Stunde werden?

Früher haben wir noch drüber gelächelt, wenn Menschen die gleichen Windjacken trugen, das Herren- und Damenrad aus derselben Serie fuhren, und sich gegenseitig Karo-Schals aus dem Outlet ihres Vertrauens schenkten. Partnerlook war irgendwie peinlich.

Und jetzt? Ist er das im Grunde immer noch, aber es sieht auf Fotos halt besser aus, wenn die Optik harmoniert statt dass kreuz und quer aneinander vorbei gestylt wird. Im Instagram-Zeitalter interessiert ohnehin niemanden mehr das Geschwätz von 1000 Worten, sondern vor allem Bilder - also wird der Partnerlook plötzlich höchst zeitgemäß.

Klar, mitunter muss man sich an die neue Union erst gewöhnen. Amal Clooney wirkt im Normcore-Look aus Jeans und T-Shirt, abgestimmt auf Gatten George, noch etwas unglücklich. Sie ist ja eigentlich in mondäner Business- oder Cocktail-Garderobe zu Hause. Vielleicht liegt's aber auch am Rentner-Modell unter den Harleys mit praktischem Koffer, mit dem sie da entführt wurde. Das sah bei Tom Cruise und Kelly McGillis in Top Gun irgendwie anders aus. Die trugen aber auch keine Tüv-geprüften Partnerhelme auf der Spritztour, sondern: gar keine.

Geübter ist da Beyoncé, die sich sonst gern passend zu Tochter Blue Ivy kleidet, aus aktuellem Anlass aber auf Ehemann Jay Z eingeht. Er trug kürzlich in New York graues Sakko, sie daneben graue Nadelstreifen, perfekt zur Schau gestellte Eintracht. Wenn schon die Chemie nicht stimmt, dann wenigstens der Auftritt.

Die britische Premierministerin Theresa May und ihr Ehemann Philip ließen es bei ihrem ersten offiziellen »vacation picture« dagegen klassischer angehen. May ist für ihre eher unkonventionelle Garderobe bereits so gelobt wie kritisiert worden. Ein Badeanzug mit dem für sie typischen Leopardenmuster war ohnehin keine Option, unmöglich für ihren Ehemann da mitzuhalten. Außerdem reisten sie, Post-Brexit-konform, in die neutrale Schweiz. Die Wahl fiel also auf: durchsynchronisierte Trekking-Klamotte. Rot für sie, blau für ihn. Outdoor-Kleidung hat schon bei den Merkels auf Ischia immer gut funktioniert. Das signalisiert maximale Bodenständigkeit, wirkt trotzdem aktiv, und mit Stöcken in der Hand extra zupackend.

Einziges Rätsel: Was schleppen die zwei da alles im Rucksack mit sich herum? Und warum gleich beide? Andererseits: Würde nur sie einen tragen, wirkte das sicher über-emanzipiert. Kein Säcklein hingegen wäre auch das falsche Signal - May hat ja so einigen Ballast mit auf den Weg bekommen. Wahrscheinlich haben sich deshalb einfach beide einen Rucksack aufgeschnallt.

Wird getragen von: Den Kessler-Zwillingen und anderen Traumpaaren
Typischer Instagram-Kommentar: Im Doppelpack billiger?
Das sagt der Verkäufer: »Wenn Sie es ein bisschen oversized nehmen, können Sie untereinander sogar mal tauschen!«

Foto: Gettyimages / AP