Hut ab!

Von Rentner-Käppi bis Rastaturm: Warum spielt sich auf den Köpfen der Olympioniken so viel Sonderbares ab? Modekolumnistin Maria Hunstig hat eine Erklärung.

Sportfischen ist keine olympische Sportart. Bisher zumindest – es scheint unter den deutschen Olympioniken nämlich durchaus ein paar Interessenten zu geben, wenn man sich deren Bekleidungsvorlieben so ansieht.

Die Berlinerin Lisa Unruh gewann letzte Woche überraschend die Silbermedaille im Bogenschießen. Ihr wichtigstes Accessoire dabei: ein etwas zu klein wirkender Fischerhut in Rentnerbeige. Klar wurde der im Internet direkt zum Thema, Unruh selbst konnte die Aufregung jedoch nicht nachvollziehen – der 15-Euro-Hut diene ihr beim Schießen schlichtweg als Sonnen- und Windschutz.

Doch nicht in jeder Sportart lassen sich persönliche Präferenzen so uneingeschränkt mit der Kleiderordnung vereinbaren. Beachvolleyballer Lars Flüggen musste sich für seinen Schlapphut vor den Spielen beim Weltverband extra eine Sondergenehmigung holen. Flüggen trägt sein Mützchen seit Jahren bei jedem Spiel, angeblich hat er es als Fünfjähriger von seiner Mutter beim Nordsee-Urlaub geschenkt bekommen. Das Tragen eines verbeulten Kinderschlapphutes erscheint einem beim sprungintensiven Beachvolleyball zwar eher lästig, aber wenn es hilft...

Weit weniger Zweckdienliches spielt sich derweil auf den Köpfen anderer Olympioniken ab. Die simbabwische Fußballerin Marjory Nyaumwe schien mit ihren in alle Himmelsrichtungen abstehenden dünnen Dreadlocks Kontakt zu anderen Sphären aufnehmen zu wollen und auch der brasilianische Handballer Fabio Chiuffa blieb nach dem Spiel gegen Deutschland nicht nur als bester Torschütze, sondern auch wegen seines dicken Dreadlock-Turms in Erinnerung.

Und der leider verletzt ausgeschiedene deutsche Tennisstar Dustin Brown hat seine ewiglange Rasta-Matte angeblich seit 20 Jahren nicht mehr geschnitten.

Alles Aberglaube? Dienen unpraktische Frisuren den Sportlern als eine Art Glücksbringer? Bei den Spielen in London verbot die britische Hockeyspielerin Laura Unsworth immerhin ihrer Teamkollegin, sich die Haare zu glätten - aus Angst vor einer Niederlage.

Und doch: Letztlich geht es hier natürlich ums Aussehen. Viele Profisportler sind Vermarktungskünstler und beherrschen das Spiel mit dem Rampenlicht perfekt. Von den Sportverbänden ihrer Länder in einheitliche, teils unvorteilhafte Trikots gesteckt (Ringen, Badrad, Turnen), müssen die Athleten außerhalb der olympischen Bekleidung Möglichkeiten finden, auf sich aufmerksam zu machen und aus der Masse herauszustechen. Haartechnisch beherrscht das niemand besser als die Fußballer - blondgefärbte Olivenzweige auf der Glatze, einrasierte Namen oder bunte Irokesenschnitten konnten wir gerade erst bei der EM bestaunen. Bei Olympia geht die Inszenierung weit über den Kopf hinaus: Seit Vorreiterin Florence Griffith-Joyner in den 80er Jahren mit zentimeterlangen, buntbemalten Fingernägeln Weltrekorde lief, steht gerade bei Sprinterinnen die Maniküre im Fokus, und neben dem Kopf- und Gesichtshaar spielen auch Accessoires wie Brillen, Haarbänder und Co. eine Rolle.

Auch im Bogenschießen könnte es bald stylingtechnisch weitaus glamouröser zugehen, als die pragmatische Lisa Unruh es vorlebt. In Deutschland boomt der Sport seit einiger Zeit, manche Vereine mussten aufgrund des unerwarteten Andrangs sogar Aufnahmestopps erlassen. Der Grund dafür: Die Filmreihe "Die Tribute von Panem", in der Jennifer Lawrence mit Pfeil und Bogen unterwegs ist. Wir erwarten von dem filmbegeisterten Schießnachwuchs mindestens hautenge Bodysuits und ein dramatisches Augen-Make-up.

Wird getragen von: Anglern, 90er-Jahre-Skatern, Rappern
Wird getragen mit: alter Baggy-Jeans, Ziegenbärtchen und Hawaiishirt, bzw. Funktionsweste und -hose mit abtrennbaren Beinen, Angel und Knicklicht
Typischer Facebook-Kommentar: Also bei J.Law sah das irgendwie heißer aus....

Fotos: dpa, AP, Reuters