Wer Städte wie Wien, Prag oder Budapest mag, ist in Sankt Petersburg goldrichtig. Allerdings ist die Stadt so prunkvoll wie Wien, Prag und Budapest zusammen, weshalb sich man sich leicht an Gold, Stuck, Putten, Schnörkeln, Statuen, Marmor, Ölschinken und Bernstein übersättigen kann. Petersburg badet in seiner glorreichen Vergangenheit als Hauptstadt des Zarenreiches, als lasse sich so die Sowjet-Zeit vergessen machen. Es wird renoviert, nicht neu gebaut. Man streitet mit Moskau, wer die opulenteren METRO-Stationen besitzt, mit Paris, wo das größere Museum steht, und schimpft auf das Marriott-Hotel, bei dem man auf ein historisches Bauwerk einen Dachkasten aus Glas gesetzt hat. Ich übernachte glücklicherweise im NEVSKIJ PALACE (historische Fassade, architekturpreisgekrönter moderner Kern) am Nevskij Prospekt. Das Frühstücksbuffet protzt mit Bergen von Kaviar, damit man gleich weiß, wo man ist. Mich beeindruckte allerdings die kleine gelbe Plastikente neben der Badewanne mehr. Hier ist offenbar ein Hotelier mit feinem Humor am Werk. Ein sehr kleines Zeichen, aber ein gutes. Wer sich in Begleitung eines Oligarchen befindet, der die Rechnung übernimmt, dem sei das Restaurant RUSSIAN EMPIRE ans Herz gelegt. In dem ehemaligen Palais des Grafen Stroganoff speist man wie im Museum, es gibt nur zwei Tische, mehr Personal als Stühle und geheime Kellerräume mit Armagnacs aus der Zeit, als die Zaren noch regierten. Dem schmaleren Rubelbeutel sei das RUSSIAN KITSCH empfohlen, wo die Petersburger Pracht parodiert wird. Berühmt ist Petersburg für seine WEISSEN NÄCHTE im Sommer – zu berühmt, die Hotels sind dann teuer und ausgebucht, weshalb die Stadt nun WEISSE TAGE im Winter organisiert. Hauptattraktion ist ein EISPALAST, der dieser Tage eröffnet wird und noch bis Ende März stehen bleibt. Auch er natürlich wieder eine originale Rekonstruktion des Eispalastes, den Zarin Anna I., eine Nichte des Stadtgründers Peters des Großen, 1740 bauen ließ. Wer unbedingt im Sommer kommen mag: In der Nähe der Metro-Station Nevskij Prospekt gibt es eine kleine EISBAR, in der es auch im Sommer russisch kalt ist. Hier wird der Wodka nicht warm. Zum Abschluss des Wochenendes braucht es ein schlicht eingerichtetes Restaurant. Eins, das so schmucklos heißt, wie es ist: RESTAURANT. Nach all dem Pomp ein Genuss. HOTEL Nevskij Palace, 57, Nevskij Prospekt, Tel. 007/812/3802001, DZ ab 220 Euro. Restaurant Russian Empire, 17, Nevskij Prospekt, Tel. 812/5712409; Russian Kitsch, 25, Universitetskaya nab., Tel. 812/3251122; Restaurant, 2, Tamozhenny per., Tel. 812/ 3278979. EISPALAST auf dem Palastplatz bis zum 31. März 2006. EISBAR 2, Kazanskaya str., Tel. 812/5715065. Reiseführerin und Dolmetscherin: Natalija Muraschowa, Tel. 812/9523530. Und unbedingt mit der METRO fahren, die Stationen sind sehenswert.

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