Der Dartmoor-Nationalpark diente Agatha-Christie-Krimis und Geistergeschichten als Schauplatz; daher passt es gut, dass bei unserer An-kunft Nebel so dicht wie Schafswolle über die grünen Hügel wabert. Wir übernachten im ab-gelegenen LYDGATE HOUSE zwischen Ginsterbüschen und Heide. Weil das Hotel so weit weg von allem ist, hört man nachts die Stille rau-schen, als wäre man ohne Ohrstöpsel auf einem Metallica-Konzert gewesen.Am nächsten Tag weichen wir wilden Dartmoor- Ponys und -Schafen aus, die es sich auf dem Asphalt bequem gemacht haben. Wir parken und laufen zum HAYTOR ROCK, eine dieser Granitformationen, die wie riesiges Steinpopcorn aussehen. Wenn man auf die Felsen klettert, kann man an klaren Tagen bis zum Ärmelkanal blicken. Beim Abstieg finden wir in einer Nische des Felsens eine Tupperdose mit Block, Stempel und Stift. Diese improvisierten Schreibsets werden »Letterboxes« genannt und sind überall im Moor versteckt. Früher hatte LETTERBOXING in dieser Gegend die gleiche Funktion wie Rauchzeichen in Australien oder Flaschenpost für Robinson Crusoe. Heute hinterlassen vorbei-ziehende Wanderer ihren Namen und ein paar Zeilen, manche drücken den beigelegten Stempel in ihre Reisetagebücher. Wer das Moor durchqueren will, kann zwischen zwei Straßen wählen. Wir entscheiden uns für die B3212, denn die führt direkt zum WARREN HOUSE INN, wo wir Pasty, gefüllte Teigtaschen, und dunkles Bier bestellen. Von den Einwohnern des Ortes wird das Pub auch das »Ewige Feuer« genannt, weil die Holzscheite hier seit zwei-hundert Jahren nicht erloschen sein sollen. Das haben sie wohl auch ein paar Touristen erzählt, denn als wir das Pub verlassen, erwartet uns nicht nur starker Wind, sondern auch ein kräftiger Ansturm von Reisebussen. Die lassen wir schnell hinter uns und fahren zum berüchtigten DARTMOOR PRISON. Gegenüber von diesem riesigen Gefängnis liegt ein Museum, in dem man alles über fiese Verbrecher und historische Züchtigungsinstrumente erfährt, die Namen wie »flogging frame« tragen. Der Museumsmanager Brian Dingle sagt, dass manche Leute rausgehen müssen, weil sie das Museum zu gruselig finden. Wir halten durch und belohnen uns mit einem Besuch im Schlosshotel BOVEY CASTLE. Dort kann man nicht nur den besten Cream Tea in ganz Südwest-England trinken, sondern sich dabei auch wie im Gruselfilm fühlen: Hier wurde die unheimlichste Dartmoor-Geschichte überhaupt gedreht, Sir Arthur Conan Doyles Der Hund von Baskerville. WOHNEN Lydgate House, Postbridge, Devon PL20 6TJ, Tel. 0044/1822/880209, www.lydgatehouse.co.uk, DZ mit Frühstück ab 90 Euro. ESSEN Warren House Inn, Postbridge, Devon PL20 6TA, Tel. 1822/880208; Bovey Castle, North Bovey, Devon TQ13 8RE, Tel. 1647/445016. ANSCHAUEN Dartmoor Prison Heritage Centre, Princetown, Devon PL20 6RR, Tel. 1822/892130; Internetseite des Letterboxing-Vereins: www.dartmoorletterboxing.org; DVD The Hound of the Baskervilles, England 1939, bei www.amazon.com für 13,75 Euro. Anreise Flug nach Bristol, mit dem Mietwagen weiter nach Devon.

Artikel teilen: