Essaouira ist nicht größer als Passau, aber unsere Unterkunft finden wir trotzdem nicht. Eine Stunde lang ziehen wir unsere Rollkoffer durch die Altstadt, bis sich endlich ein marokkanischer Junge erbarmt und uns durch ein Labyrinth aus Gassen zum Hotel bringt. Als wir nach Kleingeld suchen, winkt er ab und verschwindet um die nächste Ecke. Am Tag zuvor in Marrakesch hatten uns zehnjährige Kinder noch ausgestreckte Mittelfinger vors Gesicht gehalten, als das Trinkgeld zu knapp ausgefallen war. Ein Wochenende in der Hafenstadt Essaouira gestaltet sich da entspannter: In den Straßen verkaufen kleine Jungs Tempo-Taschentücher an Leute wie uns und große Jungs Haschisch an britische Surfer. An jeder Ecke gibt es diesen Hippietand, Stoffe, Schmuck, Holzarbeiten, aber auch frische Kräuter und ARGANÖL, ein ziemlich teures Speiseöl, das von Gourmetköchen geschätzt wird. Als Glücksgriff erweist sich unser Hotel LALLA MIRA mit seiner Dachterrasse und einem Bio-Restaurant, in dem frischer Fisch aus dem Atlantik serviert wird. Die Betten sind aus dunklem Holz, die orientalischen Lampen tauchen alles in regenbogenfarbenes Licht und im Schrank hängen zwei Bademäntel für das HAMMAM, das mehr ist als ein Wellnessbereich. Boden und Wände bestehen aus türkisfarbenen Mosaiken, über uns wölben sich Rundbögen. Die Musik kommt nicht aus Bang & Olufsen-Boxen, sondern direkt aus dem Mund der dicken Masseuse, die während der Behandlung eine Melodie vor sich hin singt. Zu Abend essen wir im TAROS, einem französisch-marokkanischen Hafenrestaurant mit Meerblick und trinken zur Nachspeise – wie ständig in Marokko – frisch aufgebrühten Minztee im MAISON DU SUD, einem Gasthof aus dem 18. Jahrhundert. Wer sich irgendwann an Fisch satt gegessen hat, kann auch im JOLI COIN vorbeischauen, einem Eckimbiss mit sehr guter Pizza. Neben dem FISCHMARKT hat die kleine Hafenstadt noch eine weitere Attraktion: ORANGENSAFT. Den gibt es an Ständen für 30 Cent zu kaufen, frisch gepresst und so süß, dass auch Julia Roberts nicht Nein sagen konnte. Ein Saftverkäufer erzählt uns stolz von seiner Begegnung mit ihr, als sie vor einigen Wochen in Essaouira mit Tom Hanks vor der Kamera stand. Mit so viel Vitamin C im Körper trauen wir uns sogar ins Meer. Zwar ist es so kalt, dass nur Surfer in Neoprenanzügen und ein paar Kamele am Strand liegen, aber wir wissen ja: Gleich bekommen wir wieder Minztee, zum Aufwärmen.ANREISE Flug nach Agadir oder Marrakesch, weiter mit dem Bus. WOHNEN Hotel Lalla Mira, 14 Rue d’Algérie, 44000 Essaouira, Tel. 00212/24475046, Fax 24475850, www.lallamira.net, DZ ab 70 Euro. ESSEN & TRINKEN Taros, Rue de la Sqala, direkt am Hafen mit schöner Dachterrasse, Tel. 00212/44479607; Maison du Sud, 29, Av Sidi Med Ben Abdellah, www.essaouiranet.com/maison-du-sud; Le Joli Coin, 21, rue El Hajjali, Tel. 00212/24473794. FISCHMARKT immer außer sonntags von 15 bis 17 Uhr.

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