Wer will, kann gehen!

Wer während des Films das Kino verlässt, setzt damit ein Statement. Die Gründe dafür können manchmal überraschend sein.

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Ich war gerade 18 geworden und saß im Letzten Tango in Paris. Der Film erzählt die Geschichte eines alten, dicken Mannes und einer jungen Frau. Es wird viel geredet und viel Liebe gemacht. Arthouse-Kino mit pornografischer Note. Damals, Anfang der Siebziger, ein Skandal, mit dem man heute niemanden mehr schocken kann. Dachte ich. Doch mitten im Film - Marlon Brando lief mal wieder lüstern durchs Bild - standen neben mir zwei Menschen auf und verließen das Kino: Schatten auf der Leinwand, die Sitzfläche klappte hoch, Unruhe, Geschiebe, eine Tür ging auf, Licht fiel herein. Und ab. Zurück blieb ein Publikum, das ein wenig enger zusammenzurücken schien.

Denn der, der rausgeht, hinterlässt ein Statement. Es steht fortan im Raum. »Ich schau mir so was nicht an. Dafür ist mir meine Zeit zu kostbar.« Wer bleibt, der hat in seinen Augen entweder keinen Geschmack oder keinen Mut oder nichts Besseres zu tun. Der, der geht, scheint den Bleibenden überlegen: Er trifft auch als passiver Konsument noch mündige Entscheidungen. Und tut die dem Publikum ungefragt kund, indem er geht. Heute ist das Rausgehen weitgehend aus der Mode gekommen. Ich habe es nur dieses eine Mal erlebt. Inzwischen weiß ich, warum die beiden Menschen, die damals neben mir das Kino verließen, gegangen sind. Ich hab sie gefragt. Sie gingen, weil sie meine Eltern waren - und nicht dabei zusehen konnten, wie ein alter Mann ein ums andere Mal eine Frau in meinem Alter vernascht.

Foto: Pari Ducovic

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