CDU & Türkei

Zwei, die nicht miteinander können.

Politik wird mit dem Terminkalender gemacht, wusste schon Helmut Kohl, weshalb seine gelehrigste Schülerin Angela Merkel ihren ersten Krieg offenbar verloren hat, ohne auch nur eine Schlacht geschlagen zu haben. Angela Merkel gewann am 18. September die Wahl. Die Türkei verhandelt seit dem 3. Oktober über ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Dazwischen liegen 15 Tage, die der größte Freund der Türken, Gerhard Schröder, mit Hilfe von viel Adrenalin zu überbrücken half. Gerade noch geschafft, die Türken sind in der EU – könnte man meinen. Aber schon falsch. Angela Merkel hätte die Verhandlungen nicht verhindert, selbst wenn sie am 3. Oktober Kanzlerin gewesen wäre. Sie will nur zwei kleine Worte in einem großen Dokument: Privilegierte Partnerschaft – und schon wäre die Türkei mit dem Virus infiziert, nicht wirklich dazuzugehören. In Wahrheit hat Frau Merkel nämlich Angst davor, dass nicht mehr die Christdemokraten, sondern die Türken Europa regieren könnten. Nun gilt das nächste Kohl’sche Gesetz: In der Politik gibt es immer zwei Terminkalender – den eigenen und den anderen. Irgendwann wird sie ihre eigenen Termine machen. Vielleicht für eine kleine Volksbefragung? Eine Abstimmung im Bundestag? Vielleicht braucht sie einen Grund, um die ungeliebte Große Koalition platzen zu lassen? »Du hast schon verloren, wenn du sie unterschätzt«, sagte Roland Koch, der Hesse. Oder war es Peter Müller, der Saarländer? Oder Helmut Kohl? Oder die Türkei?

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