Räumen kleine Eulen wirklich gerne auf?

Wer heute als Prominenter etwas auf sich hält, schreibt ein Kinderbuch. Wir haben in den Werken von Herzogin Meghan, Paul McCartney, Natascha Ochsenknecht, Marie Kondo und anderen geblättert – und viel Seltsames entdeckt.

Herzogin Meghan, Paul McCartney und Natascha Ochsenknecht (von links) gehören zu den Prominenten, die ihre Lebenserkenntnisse jetzt per Buch an die jüngste Generation weitergeben möchten.

Foto: dpa/picture alliance

Ben Becker: »Bruno auf großer Fahrt«

Handlung: Der kleine Bruno hat grüne Haare, das spielt aber keine Rolle. Er erlebt Abenteuer in Hamburg, London und im Traum.
Hauptfigur: Ein Junge, der seinen Platz in der Welt sucht.
Denkwürdiger Satz: »Hallo, guten Tag, Majestät, ich bin Bruno und ich wollte nur ein wenig Farbe in Ihr Leben bringen.«
Die Moral von der Geschichte: Hausaufgaben machen ist schon okay.
Was es über den Promi verrät: Auch im Herzen eines lärmigen Altpunks wohnt ein kleiner Junge, der sich nach Ordnung sehnt.
Das hätten wir nicht erwartet: Der Junge trinkt keinen Alkohol.
Das sagt die Zielgruppe: »Ich mag lieber rosa Haare.« (Jenni, 7)

Marie Kondo: »Kiki & Jax räumen auf«

Handlung: Ein unordentliches Kind und ein ordentliches Kind müssen gemeinsam aufräumen, um ihre Freundschaft zu retten.
Hauptfigur: Ein kleines Eichhörnchen und eine kleine Eule, die ihren Platz in der Welt suchen.
Denkwürdiger Satz: »Komm, wir spielen das Stapelspiel. Ein Stapel für jede Sache. Und dann schaust du, was du davon behalten willst und was nicht.«
Die Moral von der Geschichte: Du denkst, deine Eltern schenken dir ein schönes Buch, aber eigentlich sollst du nur dein Zimmer aufräumen.
Was es über den Promi verrät: Hier hat jemand ein Lebensthema. Also: genau eins.
Das hätten wir nicht erwartet: Die gesamte Marie-Kondo-Weisheit aus acht Netflix-Episoden (320 Minuten Sendezeit) passt auch in ein Bilderbuch (drei Minuten Lesezeit).
Das sagt die Zielgruppe: »Ich hab das Buch nicht auf den Boden geworfen! Das soll der Julian aufräumen!« (Toni, 6)

Felix Neureuther und Bastian Schweinsteiger: »Zwei Freunde im Fußballfieber«

Handlung: »Im Wald ist das Fußballfieber ausgebrochen!« Der Rest ergibt sich.
Hauptfigur: Ein Fuchs und ein Dachs, die ihren Platz in der Welt suchen.
Denkwürdiger Satz: »Heute ist ein sonniger Frühlingstag, und Ixi genießt die Stille im Wald. Liebevoll streicht er über seine Ski.« (Anm. der Red.: Es liegt weit und breit kein Schnee.)
Die Moral von der Geschichte: Freundschaft usw.
Was es über den Promi verrät: Felix Neureuther fährt gern Ski. Bastian Schweinsteiger spielt gern Fußball.
Das hätten wir nicht erwartet: Vorwort von Jens Spahn.
Das sagt die Zielgruppe: »Kann ich jetzt lieber FIFA spielen?« (Julian, 11)

Jim Carrey: »How Roland rolls«

Handlung: Die Geschichte einer Welle (im Ernst!), die Angst vor dem Strand hat (im Ernst!), aber eines Tages doch ihre Bestimmung findet (im Ernst!).
Hauptfigur: Eine Welle, die ihren Platz in der Welt sucht.
Denkwürdiger Satz: »Jetzt hat Roland alles, das war auch eines seiner Ziele, und er teilt gerne, denn so ist er einfach.«
Die Moral von der Geschichte: Du bist nicht nur eine kleine Welle, du bist Teil des Ozeans. Wow, oder?
Was es über den Promi verrät: Jim bleibt Carrey: Im Anhang des Buchs gibt es als Bonus noch drei Grimassen-Selfies von ihm.
Das hätten wir nicht erwartet: Schnell zusammengezimmerte Computergrafiken und 08/15-Typografie. Erstaunlich lieblos für einen Weltstar.
Das sagt die Zielgruppe: »Von den Bildern kriegt man Kopfweh.«(Lucy, 12)

Natascha Ochsenknecht: »Perlinchen – ich bin anders, na und!«

Handlung: Ein Marienkäfermädchen aus Käferhausen hilft einem Freund, der gehänselt wird, weil er zu wenige Punkte auf den Flügeln hat.
Hauptfigur: Zwei Marienkäfer, die ihren Platz in der Welt suchen.
Denkwürdiger Satz: »Natascha Ochsenknecht ist Designerin, Autorin und Fotografin und passt so gar nicht in eine Schublade.« (Klappentext)
Die Moral von der Geschichte: Siehe Neureuther, Felix/Schweinsteiger, Bastian: »Zwei Freunde im Fußballfieber«.
Was es über den Promi verrät: Natascha Ochsenknecht findet, dass sie in keine Schublade passt.
Das hätten wir nicht erwartet: »Designerin«
Das sagt die Zielgruppe: »Macht die auch Mode? Kann ich mal sehen?« (Josefine, 12)

Paul McCartney: »Opapi-Opapa«

Handlung: Ein alter Mann und seine Enkel fliegen mit einem Zauberkompass durch die Welt.
Hauptfigur: Ein Opa, der seinen Platz in der Welt sucht.
Denkwürdiger Satz: »Schweizer Kühe sind besonders gute Flieger!«
Die Moral von der Geschichte: Alte weiße Männer sind total lieb, wenn man ihnen Twitter wegnimmt und dafür einen Zauberkompass gibt.
Was es über den Promi verrät: Von wegen, Paul McCartney schreibt nur harmlose Popsongs. Er schreibt auch harmlose Kinderbücher.
Das hätten wir nicht erwartet: Die deutsche Übersetzung von Judith Holofernes ist besser als das englische Original (aus »Hey, Granddude« etwa macht sie »Opapi-Opapa«).
Das sagt die Zielgruppe: »Cooler Opa!« (Inga, 12)

Meghan, The Duchess Of Sussex: »The Bench«

Handlung: Väter sitzen auf Bänken mit ihren Kindern. Und alle Kinder sind Söhne.
Hauptfigur: Junge Väter, die ihren Platz in der Welt suchen.
Denkwürdiger Satz: »For the man and the boy who make my heart go pump-pump«
Die Moral von der Geschichte: Ein Vater muss für seinen Sohn da sein. Hat die Autorin da einen gewissen Prince Charles im Sinn?
Was es über den Promi verrät: Dafür, dass Meghan und Harry demonstrativ dem englischen Königshaus den Rücken gekehrt haben, schreibt sie recht groß ihren Adelstitel aufs Buch.
Das hätten wir nicht erwartet: Kein einziger der Väter im Buch hat jemals ein Handy in der Hand, wenn er seinem Kind beim Spielen zusieht.
Das sagt die Zielgruppe: »Laaaangweilig.« (Kilian, 7)