So geht »schlecht Küssen«

Laut einer Studie haben rund zwei Drittel aller Menschen schon einmal eine Beziehung beendet, weil ihr Partner schlecht küsste. Aber wie definieren das eigentlich Wissenschaftler: schlecht küssen?

Küssen, denkt man, dürfte jetzt eigentlich nicht das große Problem sein. Aber Vorsicht: Wer schlecht küsst, lebt gefährlich. Genauer gesagt: Er ist in Gefahr, den Rest seines Lebens allein zu verbringen, also damit, sich beim Fernsehen zum Zeitvertreib Knutschflecken auf den eigenen Handrücken zu machen. Denn 59 Prozent aller Männer und 66 Prozent aller Frauen haben schon einmal eine Beziehung beendet, weil der Partner oder die Partnerin schlecht küsste.

Dies erstaunt, da wir übers Leben betrachtet insgesamt nur etwa 76 Tage küssen. Das sind keine elf Wochen, also vielleicht so viel wie fünf misslungene Urlaube zusammen. Und wenn alle Paare sich wegen fünf misslungener Urlaube trennen würden, wäre die Scheidungsrate um die 100 Prozent.

Schlecht küssen muss also ein wirkliches Problem sein, ein Beziehungskiller ohnegleichen, aber was genau ist eigentlich ein schlechter Kuss? Hier einige erhellende Beispiele aus der Forschung:

»Der große Lappen«
Hier wird die Zunge eher schlaff in die Mundhöhle des Partners gehängt wie eine camembert-artige Kreatur in einem Gemälde von Salvador Dalí. Dieser spanische Surrealist erzielt zwar weiterhin Rekordpreise, hat aber den Zenit seiner kunsthistorischen Bewertung seit den Achtziger Jahren deutlich überschritten. Daher: kein guter Kuss.

»Sexy Zahnarzt«
Hierbei tastet sich die Zunge an den Zähnen des Partners entlang, um das Zahnschema und den dentalen Zustand zu erfassen und gegebenfalls zu kommentieren, beispielsweise mit: »Oben rechts drei f, unten links zwo c«. »C« steht in diesem Fall für »kariös«, »f« für „fehlend". »X« wäre »extraktionswürdig«, »k« bedeutet »Krone«, »b« steht für »Brückenglied«. Jedoch ersetzt diese Art zu küssen nicht die jährliche Vorsorgeuntersuchung, daher: kein guter Kuss.

»Erste Hilfe«
Bei dieser Variante wird bei überstrecktem Kopf des Partners dessen Nase verschlossen und über den Mund Atemluft insuffliert. Auf den entsetzten Blick des Partners oder der Partnerin reagiert man, indem man sagt: »Oh Gott, wo bin ich, ist das nicht der von der Betriebssicherheit empfohlene Erste-Hilfe-Auffrischungs-Kurs für Stockwerksbeauftragte?« Zwar gilt die so genannte Atemspende weiterhin als wichtige lebensrettende Maßnahme, Notfallärzte empfehlen aber inzwischen, sich im Zweifelsfall auf die Herzmassage zu konzentrieren (mind. 100 Mal pro Minute). Daher: ein schlechter Kuss.

»Feinschmecker«
Hier macht der Küssende beim Küssvorgang eher kulinarisch oder gar musikalisch anzusiedelnde Geräusche wie »Hmmmmm« oder »Do doo doo doo«. Nun, ein Bier ist kein Brot und ein Kuss ist kein Kloß und, um es mit Wilhelm Busch zu sagen, »Der Kuss wird störend oft empfunden/wenn er mit Geräusch verbunden«. Daher: ein eher nicht guter Kuss.

»Freches Kätzchen«
Klingt süß, aber Vorsicht: Hierbei wird das Gesicht des Partners im Nasiolabial-Bereich mit Hilfe der eigenen Zunge abgeleckt, während der Partner sich kurz vor der Aufwachphase befindet. Diese Kussvariante ist ein großer Fortschritt gegenüber der Variante aus dem 18. Jahrhundert, als man zu dieser Art des Küssens den Partner nachts zwischen drei und vier mit einer gepökelten Rinderzunge (vom Schlachter auslösen lassen) ins Antlitz schlug. Insgesamt dennoch: kein guter Kuss.

»French Press«
Hierbei handelt es sich um eine so genannte Pressstempelkanne, umgangssprachlich auch Durchdrückkanne genannt. Der in ihr erzielte Kaffeegeschmack gilt, im Bereich der mit Wasser statt Dampf funktionierenen Kaffeezubereitungsarten, als dem handgefilterten Kaffee leicht unter-, dem maschinengefilterten Kaffee aber überlegen. Wer dieses Wissen bei jeder Gelegenheit weitergibt, also ausführlich ausschmückt, küsst hektisch, vielleicht sogar zittrig, mit einer leichten Nuss-Note beim Erstkontakt, die sich dann in ein malziges, aber leicht bitteres Karamellaroma öffnet. Lecker für eine Tasse Kaffee, aber: ein guter Kuss? Nein.

»Kiss«
Niemand wird jemals küssen wie Prince vor dreißig Jahren unterm dem Kirschmond, und solche Songs schreiben sie heute auch nicht mehr, und warum sterben dieses Jahr eigentlich alle, also wirklich: kein guter Kuss.

Illustration: Eugenia Loli

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