Bloß nichts anbrennen lassen

Laut einer Umfrage haben Paare, die gemeinsam kochen, besonders häufig Sex. Was sind die Gründe?

Manchmal fragt man sich ja, ob es irgendwo da draußen tatsächlich Paare gibt, die bei der Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme so aussehen und sich so verhalten wie Paare in der Fernsehreklame. So liebevoll und zugewandt, körperlich in Bestform, immer leicht gebräunt. In der Werbung stehen sie hinter perfekt aufgeräumten Kochinseln und schnippeln zusammen irgendein Gemüse, das sie dann mit Hilfe eines zu bewerbenden Würzpulvers in ein gesundes Mahl für die ganze Familie oder ihren jungdynamischen Freundeskreis verwandeln. Oder sie reicht ihm einen sehr grünen Apfel oder einen probiotischen Fruchtjoghurt und er freut sich darüber total und dann strahlen beide und düsen hinein ins Weekendfeeling. Oder er steckt ihr superromantisch ein Stück Fertigpizza in den Mund, das so gut schmeckt »wie beim Italiener« und sie schaut ihm tief in die Augen, während sie sich sinnlich den Fäden ziehenden Analogkäse von den Lippen leckt. Auf jeden Fall kann man sich bestens vorstellen, dass diese Fernsehpaare nach erfolgter Nahrungszubereitung und -aufnahme nichts anderes im Sinn haben, als sich gegenseitig die frisch gebügelten Klamotten vom Leib zu reißen, um sehr sportlichen Sex in geschmackvoll eingerichteten Schlafzimmern zu haben.

Eine neue Studie des Onlineportals ElitePartner legt nun nahe, dass es diese fröhlichen, gesunden Übermenschen tatsächlich geben könnte und dass sie gern an Partnerschaftsumfragen teilnehmen. So kam heraus, dass es offenbar einen Zusammenhang gibt zwischen einem regen Sexualleben und gemeinsamer Nahrungszubereitung. Von den Studienteilnehmern, die behaupteten, in ihrer Partnerschaft mehrmals in der Woche sexuell aktiv zu sein, gaben 68 Prozent an, gemeinsames Kochen und Genießen sei fester Bestandteil ihrer Beziehung. Bei denjenigen, die seltener als einmal im Monat Sex mit ihrem Partner haben, waren es nur knapp 46 Prozent.

Doch was sind die Gründe dafür, dass Paare, die zusammen kochen, auch im Bett »nichts anbrennen lassen«? Vielleicht liegt es am Siegeszug moderner, zeitsparender Küchengeräte, die es Paaren erlauben, nur schnell gemeinsam den Thermomix zu befüllen und dann eine kleine Nummer zu schieben, während das Gerät das Risotto anrührt, mit dem man nach dem Sex wieder zu Kräften kommt.

Möglicherweise liegt es auch am ähnlichen Vokabular, das beide Aktivitäten verbindet. »Boah, ist das scharf!« kann sowohl beim Chilischneiden mit anschließendem Augenreiben geäußert werden als auch beim Anblick des nackten Partners oder der Partnerin. Ähnlich verhält es sich beim Ausruf »Uhh, heiß!« (Verkostung der Kartoffelsuppe oder Anfeuerung beim Ausziehen), »Gib mir mal das Öl rüber!« (sinnliche Massage oder Vinaigrette), »Fester!« (Anfeuerung beim Sex oder beim Eiweißschlagen), »Das sollten wir öfter machen!« (Postkoitaler Smalltalk oder neues Melanzane-Rezept). Die sprachliche Nähe von Sex und Kochen mag dazu führen, dass gemeinsam kochende Paare das Salatschnippeln schon als Teil ihres Vorspiels begreifen und dann ganz automatisch eins zum anderen führt.

Die wahrscheinlichste Erklärung für den Zusammenhang zwischen »Mehrmals in der Woche Sex haben« und »Gemeinsam kochen« ist jedoch, dass es sich bei den Teilnehmern der Studie, die sich derart geäußert haben, nur um Paare in der Frühphase ihrer Beziehung handeln kann. Jener Zeit also, in der man wirklich alles freudig gemeinsam macht, egal ob kochen, duschen oder einkaufen und in der man ohnehin täglich oder mehrmals in der Woche Sex hat. Spätestens wenn Kinder ins Spiel kommen, fällt gemeinsames Kochen aus, weil man Nudeln mit Tomatensoße wirklich am besten allein zubereitet, während der andere aufpasst, dass der Nachwuchs nicht die Bude auseinander nimmt. Und irgendwann, wenn die Kinder größer sind, hockt man abends erschöpft zusammen auf der Couch und wählt sich gemeinsam durch das Lieferdienst- und das Netflix-Menü. So muss man dann auch keine Werbung mit gemeinsam kochenden Paaren sehen und bekommt trotzdem was zu essen.

Illustration: Sammy Slabbinck

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