Kein gutes Zeichen

Schon mit ihren Logos wollen Terroristen Angst und Schrecken verbreiten. Aber die Symbole, die sie dafür verwenden, sind nicht immer der Knaller.



Artur Beifuss, 29, hat in Syrien und Ägypten Arabisch studiert und für die UNO jahrelang Gründe und Auswirkungen des internationalen Terrorismus analysiert. Er lebt in Berlin.
(Foto: Ralf Zimmermann)

SZ-Magazin: Herr Beifuss, in Ihrem Buch haben Sie die Logos von mehr als 65 Terrororganisationen analysiert. Was hat Sie am meisten überrascht?
Artur Beifuss:
Die Qualitätsunterschiede. Bei manchen Gruppen, etwa der Hisbollah (Logo 25), war ein Profi am Werk, die haben sogar eine Abteilung für Fan-Artikel. Andere Logos sehen aus, als hätte sie irgendein Freak in einem Hinterzimmer oder in einer Seitenhöhle konstruiert.

Gibt es einen Zusammenhang  - je professioneller das Logo, desto effektiver die Organisation?  
Nein, denn Terroristen sind ja vor allem Profis an der Waffe, nicht am Computer. Auch wenn du ein schlechtes Logo hast, bist du trotzdem vielleicht ein guter Terrorist und kannst professionell Bomben legen.

Das Logo von al-Qaida sieht eher unscheinbar aus.
Die verwenden nur eine schwarze Flagge mit dem Glaubensbekenntnis des Islam. Damit unterscheiden sie sich kaum von anderen Terrororganisationen. Auch wenn es zynisch klingt - ein Markenprofi würde wohl sagen: Zwei brennende Türme wären ein Top-Logo für al-Qaida.

Wofür brauchen Terrororganisationen überhaupt ein Logo?
Egal ob Terroristen, Luxusmarken oder Coca-Cola: Bei Logos geht es vor allem um ein Versprechen. So steht über dem einen »Enjoy« und über dem Hisbollah-Logo eben »Die Partei Gottes wird siegreich sein«. Bei manchen Organisationen muss man sich aber schon fragen, ob sie sich mit dem Logo wirklich einen Gefallen tun.

Warum?
Der Tiger der Tamil Eelam (Logo 11) sieht zum Beispiel alles andere als bedrohlich aus - eher wie eine Comicfigur. Das Logo repräsentiert am Ende nicht Stärke, sondern man bekommt Mitleid mit dem seltsamen Tier. Am meisten lachen musste ich aber bei der Islamischen Turkestan-Partei (Logo 2). Dort steht links neben dem Logo tatsächlich »Turkistam«, nicht Turkestan. Entweder wurde das in Eile gemacht oder der Terrorist hat eine Rechtschreibschwäche.

Die Farbe des Terrors ist Ihrem Buch nach Rot?
Ja, vor allem wenn es kommunistisch-sozialistischer Terror ist, da haben sich einfach Farbmuster etabliert. Im Islam dagegen ist die Farbe des Kampfes zumeist Schwarz. Beliebt ist auch Grün. Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit: Terrorlogos sind oft ziemlich überfrachtet, da sind so viele Symbole drin, dass es irgendwann verwirrend wird.

Woher hatten Sie die Logos?
Wir haben einfach genau hingeschaut, wenn Terroristen öffentlich auftreten - bei Pressekonferenzen, Videonachrichten oder offiziellen Kommuniqués. Doch erst mal mussten wir klären, welche Organisation überhaupt als terroristisch eingestuft wird. Unsere Quelle waren die offiziellen Datenbanken der EU, der USA, Indiens, Russlands und Australiens - aber fast jedes Land hat seine eigenen Listen, was als Terror gilt und was nicht. Der konservative US-Politiker Pat Buchanan sagte mal: »Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer.«

(Illustrationen aus dem Buch »Branding Terror« von Artur Beifuss und Francesco Trivini Bellini; mit freundlicher Genehmigung von Merrell Publishers Limited;)

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