Wovon die Leistung von Schülern abhängt

Warum tricksen manche Eltern, damit ihre Kinder auf eine andere Grundschule kommen? Unser Autor hat verfolgt, wie sich die Klassen an zwei sehr unterschiedlichen Schulen in Berlin-Kreuzberg entwickeln.

In einer Woche beginnen in Berlin die Sommerferien. Es sind die ersten großen Ferien für Lian und Beren. Und auch für Ali und Leonie. Alle vier wurden im vergangenen Jahr eingeschult, aufregende, ereignisreiche Monate liegen hinter ihnen. Die vier Kinder sind gleich alt und haben alle gerade die erste Klasse absolviert, sie leben in einem Bezirk, im selben Kiez - und doch in verschiedenen Welten.

Lian und Beren besuchen die Reinhardswaldgrundschule in Berlin-Kreuzberg. Sie gilt als Vorzeigeeinrichtung und ist gesäumt von sanierten Altbauten. 59,5 Prozent der Schüler sprechen Deutsch als Muttersprache.

An der Nydahl-Grundschule von Ali und Leonie sind es 0,5 Prozent. Nur zwei Schüler haben dort Deutsch als Muttersprache gelernt. Die Schule liegt hinter dem »Südblock», einer Sozialwohnsiedlung am Kottbusser Tor, die wie eine Festung wirkt.

In Berlin soll eigentlich jedes Kind auf die nächstgelegene Schule gehen, das ist das Sprengelprinzip. Es gibt viele Eltern, die wollen, dass ihr Kind nicht auf die nächstbeste, sondern auf die beste Schule geht. Damit ihr Kind auf eine andere Schule kommt als auf die Sprengelschule, stellen viele Eltern Anträge beim Bezirksamt. Allerdings stets mit ungewissem Ausgang. Um ihre Aussichten zu erhöhen, legen manche Eltern sich eine Briefkastenadresse zu, fälschen Untermietverträge, Handyrechnungen und Kontoauszüge - so erwecken sie den Anschein, im passenden Sprengel zu wohnen.

Unser Reporter Björn Stephan und der Fotograf Timm Kölln sind im vergangenen Unterrichtsjahr wieder zur Schule gegangen. Sie wollten verstehen, woran es liegt, dass in kaum einem anderen industrialisierten Land der schulische Erfolg so sehr von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland.

Also haben sie zwei erste Klassen begleitet, die Klasse von Lian und Beren. Und die von Ali und Leonie. Unsere Reporter begegneten zwei Klassenlehrerinnen, die mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben - und doch dieselben Forderungen an die Politik stellen. Sie waren dabei als die Kinder von der Nydahl-Schule zum ersten Mal einen Wald betraten. Und als die Reinhardswald-Schüler lernten, was Rassismus ist. Sie trafen an der Nydahl-Schule Ali, der Zuhause noch nie Geburtstag gefeiert hat und deswegen weinen musste, als die Mitschüler an seinem Ehrentag für ihn sangen. Und Leonie, deren Mutter vergeblich versucht hatte, dass ihre Tochter auf eine bessere Schule kommt.

Björn Stephan und Timm Kölln wurden überrascht. Der Schulalltag an der vermeintlichen Problemschule und an der vermeintlichen Vorzeigeschule entsprach nicht den Klischees. Und trotzdem wurden unsere Reporter auch desillusioniert: Sie erlebten hautnah und in der Praxis, wie unser Bildungssystem es schon den Kleinsten schwer macht - wenn sie von Zuhause nicht alles mitbekommen.

Sie verfolgten einen Wettlauf, der schon entschieden war, bevor er begonnen hatte.

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Foto: Timm Kölln

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