Ich bin nicht fein damit

In letzter Zeit begegnen unserer Autorin immer wieder Sätze, die Deutsch klingen, aber aus wörtlich übersetzten, englischen Phrasen bestehen. Must that be? Die nervigsten Beispiele.

Wir sind hier ja moderne Leute, offen für Neues, für Veränderungen, Vermischungen und Crossovers aus dem Englischen oder Gassenarabischen. Doch neuerdings, wenn ich meine Mails checke, Messages lese oder mit meinen Söhnen chatte, habe ich das Gefühl, da geht gerade was ab in der deutschen Sprache! Meist passiert es in Nachrichten von Menschen, die offenbar viele Episteln auf Englisch erhalten; aber auch in der Werbung und Wirtschaft hat sich diese Marotte breit gemacht, und meine Kinder reden jetzt auch schon so. Hier bitteschön, testen Sie selbst: Was knirscht in diesen Sätzen?

Gern komme ich bald auf dich zurück!
Zögere nicht, mich zu kontaktieren!
Zögere nicht, bei weiteren Fragen auf mich zurückzukommen!

Hören Sie das Original? I'll come back to you soon? Do not hesitate to contact me if you have any further questions? Do not hesitate to come back to me soon? Des Weiteren:

Ich liebe es!
Das können wir in 2018 nicht realisieren. In 2019 auch nicht. Erst in 2024 wird es wieder möglich sein.
Lass uns die Welt zu einem besseren Platz machen!
Denn am Ende des Tages haben wir uns den Herausforderungen zu stellen.
Wir tun es!
Tatsächlich. Tatsächlich komme ich um elf. Tatsächlich ist das eine schöne Sache.

Und der Oberklopper: Ich bin fein damit!

»Fein« allein ginge noch. Kann ich akzeptieren. Wie »geil«. Das auch mal etwas anderes bedeutete als heute. Swam over it! It makes me nothing out! So is the life! Aber diese komplett übertragenen Sätze sind ja keine lebendigen, augenzwinkernden Anglizismen - sondern quasi Reverse-Lübke-Englisch: Equal goes it loose!

Ich erinnere das, erinnerst du es auch?

Reverse-Lübke-Englisch entsteht, wenn man den Satzbau des Englischen eins zu eins auf die Syntax des Deutschen drauflegt. Das fühlt sich sehr falsch an. Als wollte man etwas deckungsgleich machen, das nicht zueinander gehört. Länder zum Beispiel. Und Sprachen habe ja eine gewisse Ähnlichkeit mit Ländern. Die Bäume, Tiere und Dinge auf der Erdoberfläche sind wie die Wörter; der Satzbau ist wie die Topographie; und alles zusammen, mit Klima und Gerüchen, ergibt einen Charakter, das Terroir einer Sprache sozusagen. Es ist wunderbar, offen zu sein und anderes aufzunehmen, Fremde wie Wörter. Aber Eigenheiten sind auch etwas Feines. Denn das Geile am Leben ist seine Vielfalt.

Sie können also nur sehr ungern zu mir zurückkehren, wenn Sie mich mal verlassen haben, da sollten Sie schon einen Moment zögern! Das wird dann nämlich auch kein besserer Platz an der Sonne. Denn diese Konstruktionen machen im Deutschen keinen Sinn. Wie man auch keine Liebe macht unter Deutschen. Also penetriere mich nicht mit Deiner Syntaxdeckung, sonst connecte ich dich mit meinem CEO. Geh Kopf und lass mich allein!

Foto: Robert Kneschke/Fotolia.de

Artikel teilen: