Bunt fürs Leben

2016 starben der Ehemann und der Bruder von Céline Dion innerhalb kurzer Zeit. Heute sagt die Sängerin, dass ihr auch die Mode geholfen hat, wieder Freude am Leben zu haben. Das sieht man.

Her style will go on: Celine Dion hat seit zwei Jahren Spaß an modischer Extravaganz.

Fotos: Getty Images / Mehdi Taamallah, VCG

Ein buntes, asymmetrisches Print-Kleid, hellblonde Haare mit dichtem Pony, dazu eine große schwarze Sonnenbrille – ist es Lady Gaga, die da so absolut profimäßig vor dem Spiegel posiert? Nein, es ist Céline Dion.

Die französisch-kanadische Sängerin ist für vieles bekannt: Power-Schnulzballaden, den unsterblichen Titanic-Titelsong, die erfolgreichste Las-Vegas-Konzertshow aller Zeiten und ihre halbnasale Drei-Oktaven-Stimme. Ein Händchen in Modedingen gehörte lange Zeit eher nicht dazu. Während Dions Look während der ersten Dekaden ihrer Karriere stilistisch irgendwo zwischen brav, altbacken und kitschig anzusiedeln war (unterbrochen allenfalls durch ein paar ambitionierte Versuche wie ihr umgedrehter, weißer Smoking von John Galliano, den sie 1999 zu den Oscars trug), hat sie über die vergangenen zwei Jahre eine beeindruckende Mode-Transformation durchmacht.

Erster Auftritt ihrer neuen Mode-Persona waren die Billboard Awards im Mai 2016, zu denen sie in einer goldenen Glitzer-Robe des eher unbekannten russischen Designers Valentin Yudashkin, gepaart mit hohen Saint-Laurent-Pumps, kam. Seitdem sind Dions öffentliche Erscheinungen zum absoluten Modespektakel geworden, am eindrucksvollsten vorgeführt jährlich im Sommer während der Pariser Haute-Couture-Modewoche, über die sie Tag für Tag in exzentrischen Designer-Looks flaniert.

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Verantwortlich dafür ist der amerikanische Stylist Law Roach, der seit Sommer 2016 für Dion tätig ist und unter anderem auch Musik- und Film-Größen wie Mary J. Blige, Demi Lovato, Zendaya, Ariana Grande oder Anne Hathaway zu seinen Stammkundinnen zählt.

Nun gut, das kann ja jeder, könnte man jetzt sagen. Kein eigener Geschmack, aber ein guter Ratgeber. Doch aufwändige Couture-Roben von Designern wie Giambattista Valli, Oscar de la Renta, Dior oder Maison Margiela in Würde nicht etwa auf dem roten Teppich, sondern auf der Straße zu tragen, erfordert durchaus einiges an Attitüde. Céline Dion hat sie. Sie treibt ihre modische Inszenierung auf die Spitze (überdimensionierte Puffärmel! Allover-Schlangenleder! Aberwitzige Kopfbedeckungen!), scheut vor keiner Farbe und keinem Schnitt zurück und nimmt sich – wie einst im Titanic-Print-Hoodie von Vetements – dabei sogar selbst aufs Korn.

Dion ist nicht einfach eine Anziehpuppe – sie lebt ihren Style. Dort, wo andere die Mode zu ernst nehmen, hat sie verstanden, dass Mode Spaß machen sollte – Fehltritte erlaubt. Nachdem sie Anfang 2016 nach tödlicher Krankheit zunächst ihren Ehemann und Manager René Angélil und zwei Tage später ihren Bruder verlor, äußerten sich sowohl Dion als auch Roach über die aufheiternde Wirkung, die die experimentierfreudige Mode für sie hat.

Hoffen wir, dass diese noch lange anhält - ihre Auftritte der letzten Wochen (etwa im Seidenpyjama mit fluffigen Manolo-Blahnik-Pumps und Gucci-Täschchen oder im pinken Pailetten-Tracksuit) sprechen jedenfalls dafür.

Wird getragen von: Lady Gaga, Haute-Couture-Models, Kostümfilm-Darstellern
Wird getragen mit: Humor, Selbstbewusstsein, Extravaganz
Passender Song dazu: My Style will go on

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