Travolta oben ohne

Der Schauspieler zeigt sich erstmals ohne Perücke und bekommt dafür viel Zuspruch im Internet. Warum sollten Männer nicht genauso oft ihre Erscheinung wechseln dürfen wie Frauen?

Einmal mit, einmal ohne Haare und Tochter: John Travolta

Foto: Instagram / Paul Archuleta/FilmMagic

Eine neue, auffällige Frisur der Öffentlichkeit zu präsentieren, erfordert immer einiges an Mut. Erreichen einen nicht gleich Komplimente, folgt meist ein zeitschindendes »Warst du beim Friseur?« – oft kein gutes Zeichen.

Ganz anders geschah das jetzt John Travolta. Der Hollywood-Schauspieler postete am Montag ein Foto auf Instagram, das ihn mit seiner Tochter Elle Bleu und einem leeren Martiniglas zeigt – und einer Glatze. Daraufhin ging eine Art Lovestorm auf ihn hernieder, er erntete fast 4000 begeisterte Fankommentare, die irgendwo zwischen »Du siehst heiß aus«, »Ich liebe den neuen Look« und »Ich liebe dich, John« rangierten.

Mit fast 65 zu seinem natürlichen (Nicht-)Haarwuchs zu stehen, sollte eigentlich keine so große Sache sein, oder? Doch Travolta scheint das einige Überwindung gekostet zu haben. Durch Filme wie Grease oder Saturday Night Fever wurde er der Welt Ende der 70er bekannt als hüftschwingender Aufreißer, in dessen wohlinszenierten Looks Lederjacke, hautenge Discoanzüge und halboffene Hemden eine ebenso große Rolle spielten, wie seine volle, perfekt gestylte Frisur. Auch in späteren Rollen, etwa als Vincent Vega in Pulp Fiction, waren seine (dort schulterlangen) Haare oft von großem Wiedererkennungswert.

Ein Verschwinden dieser mag ihm da wie ein Wegfall eines Teils seiner Persönlichkeit vorgekommen sein – zumal erblich bedingter Haarausfall, der immerhin rund 80 Prozent aller Männer irgendwann betrifft, in westlichen Kulturen immer noch mit dem Alterungsprozess verbunden wird und damit letztlich mit Verfall: des Körpers, der Vitalität und Attraktivität (bei Frauen sind es die Falten). Travolta scheint sich jedenfalls seit Jahren vertrauensvoll an einen Perückenmacher gewendet zu haben und trug zuletzt immer wieder die verschiedensten Toupets und Haarteile: Mal erschien er mit dunklem, superdichten Millimeterschnitt, mal mit nach hinten gescheitelter, tuftiger, grauer Mähne.

Auch Schauspielerkollegen wie Kevin Costner, Nicholas Cage oder einst Sean Connery haben sich für öffentliche Auftritte schon die Haare künstlich auffüllen lassen. Sowas bietet der Presse und dem Internet jedes Mal Grund für Spekulationen und detektivische Vorher-nachher-Vergleiche.

Aber wer sagt denn überhaupt, dass auf dem Kopf älterer Männer möglichst alles natürlich sein muss? Was bei Männern oft ins Lächerliche gezogen wird, nämlich der schnelle, künstliche Wechsel von Haarfarben, -längen und -strukturen, ist in der Damenwelt ganz normal. Beginnen die Frauen Hollywoods zu ergrauen, greifen fast alle erstmal zur Färbung. Und hat sich bei Lady Gaga, Madonna oder Jane Fonda jemals jemand empört, dass da garantiert nicht »alles echt« ist?

In einem emanzipierten 2019 sollte John Travolta sein (Kunst-)Haar so tragen dürfen, wie er eben will. Auch, wenn wir – spätestens seit seinem Outing – persönlich den Natur-Look präferieren.

Wird getragen von: Pitbull, Prinz William, Vin Diesel, The Rock, Hulk Hogan – generell allen Action-Helden
Wird getragen mit: Bart, Bandana, Muskeln, Lederweste
Typischer Kommentar von Mama: Ein schönes Gesicht braucht Platz.

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