Ein Leben für den Big Mac

Manchmal ist der Sinn des Lebens ganz leicht zu ermitteln, wie ein Hamburger essender Amerikaner beweist.

Kürzlich beim Studium der Weltpresse.

Don Gorske torna alla ribalta delle cronache.

Tego, który dopełnił imponuja˛cej i okra˛głej liczby, Don Gorske dopiero co zjadł w lokalu w Fond du Lac.

»Big Mac Daddy«-kutsumanimen saanut Don Gorske, 64, on ollut vannoutunut McDonaldsin kerroshampurilaisen fani jo 46 vuoden ajan.

Yedig˘i s¸eylerin yüzde 90’ının hamburger oldug˘unu ve bazı günler 10’dan fazla hamburger yedig˘ini kaydeden Don Gorske’nin henüz ciddi sayılabilecek …

Ja, liebe Freunde, Don Gorske ist wieder da! Er war nie wirklich weg, er hat immer getan, was er tun muss. Aber nun stand er wieder mal für einen Moment im Zentrum der Aufmerksamkeit. Vor mir liegt ein Foto, wir sehen darauf Männer und Frauen mit Kameras, deren Objektive auf Don Gorske gerichtet sind, wie er an einem Tisch sitzt, blaues Hemd und dunkle Hose, die Haare zu einem sehr langen Pferdeschwanz gebunden. Eine runde Brille gibt seinem Gesicht wie eh und je diesen John-Lennon-Touch, die Koteletten sind riesig, die Stirn fast unter einem Pony verborgen, der Mund geöffnet: Don Gorske beißt in einen Big Mac. Es ist der dreißigtausendste, den Don Gorske verzehrt. Er isst jeden Mac mit 16 Bissen, also ist dies sein 479 985. Biss.

Niemand auf der Welt hat mehr Big Macs als Don Gorske gegessen, nicht mal Dennis Rosenlof, der 2013 in einem Beitrag auf ABC porträtiert wurde, weil er 12 000 solcher Schwabbelsemmeln gegessen hatte. Danach geriet er in Vergessenheit.

Don Gorske nicht.

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Er hat seinen ersten BM am 17. Mai 1972 zu sich genommen, danach noch acht weitere an diesem einen Tag, my perfect food, das war sofort klar. Nur acht Tage seither waren frei vom Mac. Einmal zum Beispiel war die Filiale in Fond du Lac/Wisconsin, seinem Heimatort, wegen eines Schneesturms geschlossen. (Seitdem hat er immer tiefgefrorene BMs in der Truhe.) Am 27. April 1988 starb seine Mutter. Er hatte ihr versprechen müssen, an ihrem Todestag keinen Mac zu essen, so geschah es. Und manchmal musste er im örtlichen Gefängnis, wo er bis zur Pensionierung Dienst als Wärter schob, auch so lange arbeiten, dass er es nicht mehr zum Imbiss schaffte. Ein einziges Mal aß er auch einen Whopper, weil er mit einem Freund gewettet hatte. Er gewann fünf Dollar und kaufte sich dafür, nun ja.

An seinen Geburtstagen stecken Kerzen in einem Big Mac.

Irgendwer muss diese Fleischbrötchen ja essen, sie sind nun mal da, Don schafft sie weg. Macht er den Mund auf, weiß der Magen, was kommt, Überraschungen kennt er nicht. Seit dem 17. Mai 1972 gab es keine mehr. Deutschland ist seitdem drei Mal Fußball-Weltmeister geworden, Mao starb, das Internet dehnte sich aus, Saddam errang die Macht und verlor sie wieder samt seinem Leben, die Sowjetunion brach zusammen, die DDR zerbröselte, die Apartheid verschwand, 9/11 geschah, der Euro wurde eingeführt, Golfkriege fanden statt.

Don Gorske aß Große Macs.

In mir rumort die Frage: Hast du kein besseres Thema, nichts Wichtigeres? Nichts, was dich mehr bewegt?

Die Antwort ist: nein. Heute nicht.

Auch taucht die Frage auf: Macht Don Gorske nicht – Werbung? Kann sein. Andererseits isst er wirklich diese Dinger, und als er den 15 798sten davon in sich verstaute, redete niemand von ihm. Er tat es für sich, so wie viele Menschen seit Jahrzehnten morgens zwei Marmeladensemmeln essen, ohne dass irgendwer das groß zur Kenntnis nimmt.

Auch an diese Menschen wollen wir heute denken.

Es wäre möglich, dass Don Gorske einmal vor den Schöpfer tritt und auf die Frage, was er gemacht habe mit dem Leben, antwortet: Zehntausende Große Macs gegessen.

Gut gemacht, wird der Schöpfer sagen. So hatte ich mir dein Leben vorgestellt, Don.

Könnte sein, oder? Ausschließen würde ich es nicht.