Cappuccino außer Haus – was kostet das auf Dauer?

Unser Autor trinkt seit dreißig Jahren jeden Morgen seinen Morgenkaffee in einem Café. Was würde er sparen, wenn er auf das Ritual verzichten würde? Er rechnet nach – und erschrickt.

Bild: Erli Grünzweil

In diesem Text geht es um Geld. Ich kann es selbst kaum glauben, weil ich selten über Geld nachdenke, es gibt einfach so viel interessantere Themen, aber schreiben Sie mal jahrelang alle vier Wochen eine Getränke-Kolumne mit gesellschaftspolitischem Anspruch, irgendwann landet man halt bei der Kohle.

Seit meiner Studienzeit halte ich mich an eine morgendliche Routine, ohne dass ich es mir jemals vorgenommen hätte: Ich wache auf, wanke ins Bad und verlasse fünf Minuten später die Wohnung, um einen Cappuccino trinken zu gehen. In München in meinem Lieblingscafé, im Bayerischen Wald, wo ich viel Zeit verbringe, in der Jet-Tankstelle, weil es kein schönes Café gibt, auf Reisen suche ich mir was in der Nähe meines Hotels, das Frühstück lasse ich meistens sausen, weil ich das Herumstochern in Buffets unappetitlich finde.

Ich habe darüber nachgedacht, warum ich niemals auf die Idee käme, eine dieser hübschen Siebträgermaschinen zu kaufen, um meinen Kaffee zu Hause zu trinken. Ehrlich gesagt, bin ich jedes Mal verdutzt, wenn ich mitkriege, wie andere Leute das machen, in aller Ruhe, Zeitung auf dem Tisch, Musik im Hintergrund. Schon gemütlich, aber ich könnte das nicht. Ich muss morgens raus an die Luft, auf die Straße, muss andere Menschen sehen, muss spüren, dass sich was bewegt, von mir aus in die falsche Richtung, aber anders komme ich nicht rein in den Tag, fühle mich nicht lebendig, nicht verbunden mit der Wirklichkeit.

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Freilich hat diese hübsche Tradition – ich mache das seit 30 Jahren – einen Nachteil, der sich nicht wegdiskutieren lässt: Sie geht ins Geld. Denn so ein Cappuccino ist ja nicht billig, und oft trinke ich sogar zwei. Als ich neulich in der Badewanne lag und nicht so recht wusste, worüber ich nachdenken sollte, habe ich es mal überschlagen: Der Cappuccino in meinem Lieblingscafé kostet vier Euro, der Kaffee an der Tanke 3,19 Euro, auf Reisen zahle ich je nach Aufenthaltsort mal 2,50 Euro, mal sechs Euro. Weil ich weder die Cappuccino-Preise des Jahres 2001 im Kopf hatte noch eine Wissenschaft daraus machen wollte, ging ich von einem Durchschnittspreis von 3,50 Euro aus. Weiter nahm ich an, dass ich alle zwei Tage einen zweiten Cappuccino bestelle, also pro Jahr 548 Tassen trinke. Bei 365 Tagen im Jahr macht das – Trinkgeld und Schaltjahre nicht berücksichtigt – 182 mal 3,50 Euro plus 183 mal sieben Euro, also 1918 Euro im Jahr beziehungsweise 57 540 Euro in dreißig Jahren. Ein stolzes Sümmchen, nicht wahr? Tatsächlich könnte ich dafür eine Zwei-Zimmer-Altbauwohnung in Görlitz kaufen, sogar mit Stuckdecke.

Moment, sagen Sie, Cappuccino kostet ja auch zu Hause Geld, aber auch das habe ich überschlagen: Für eine Siebträgermaschine kommt man auf etwa 800 Euro, für eine 250-Gramm-Packung Lavazza-Espresso auf 6,59 Euro. Weil sich daraus ungefähr 14 Tassen machen lassen, bräuchte ich jedes Jahr 39 Packungen à 6,59 Euro, also 257 Euro im Jahr beziehungsweise 7710 Euro innerhalb von dreißig Jahren, plus 800 für die Maschine, macht 8510 Euro. Fairerweise müsste man also davon ausgehen, dass ich in meinen Cafés (und Tankstellen) nicht 57 540, sondern nur 49 030 Euro ausgebe, und ja, es kämen noch ein paar Euro für die Milch dazu. Doch auch damit könnte ich mir einen Mercedes EQT anschaffen. Oder morgen erster Klasse nach Dubai fliegen und zwölf Freunde einladen, auf einem Economy-Flug könnte ich sogar 64 Freunde mitnehmen.

Aber hey, ich möchte keinen Mercedes, und nach Dubai reisen möchte ich auch nicht. Stattdessen beende ich diese Kolumne nun in einem Café in Berlin, selbstverständlich steht neben mir ein Cappuccino und gleich werde ich der Kellnerin winken.