Reden wir über Liebe. Über die glitzernde Verzückung, die ihr Anfang auslöst, über die brennende Sehnsucht nacheinander, über den Funkenschlag einer zufälligen Berührung und das Feuerwerk der Hingabe. Reden wir über die wohlige Wärme, die sich nach vielen gemeinsamen Jahren wie eine weiche Decke um zwei Menschen legen kann. Über das gegenseitige Verstehen, die Großzügigkeit, die Insiderwitze, die geheime Sprache. Über das Funktionieren von Zweierbeziehungen im Allgemeinen und zwischen Männern und Frauen im Speziellen. Das sind jene Beziehungen, die auf Dauer nur gelingen, weil Frauen die Hohepriesterinnen der Manipulation sind, einer Fähigkeit, die zu geschmeidigen Abläufen im Leben zu zweit führt und Streit verhindert. Jetzt fallen Sie ruhig erst mal ausführlich über mich her – »Stereotype! Klischees! Unverschämtheit!« –, aber danach beruhigen wir uns alle wieder und denken nach. Männer sind da ausdrücklich nicht mitgemeint, sie merken nämlich üblicherweise gar nicht, dass sie manipuliert werden, deshalb dürfen sie sich auch direkt wieder hinlegen. Aber wir Frauen können schon ehrlich in den Spiegel schauen.
Wann haben Sie zuletzt einen Mann manipuliert? Gestern Abend, als Ihr Partner mit den miesen Blutfettwerten eine Bratwurst essen wollte, Sie ihm jedoch sanft die Hand auf den Unterarm gelegt und erwähnt haben, dass ein Tomatensalat angeblich die Spermienqualität verbessert? Oder heute Früh, als Sie wollten, dass Ihr Sohn den Müll die Treppen runterschleppt, auf dem Weg zur Schule? Weil, haben Sie gesagt, wenn ich mich jetzt auch noch um den Müll kümmern muss, könnte es sein, dass ich vergesse, das Hemd zu waschen, das du am Abend unbedingt für dein Date brauchst. Manipulation ist seit Generationen der kurze Dienstweg, wenn Frauen etwas erreichen wollen. Erinnern Sie sich an das Frühstück von Angela Merkel und Edmund Stoiber in Wolfratshausen? Er verlor danach die Wahl, sie wurde Bundeskanzlerin.
Oder glaubt irgendwer ernsthaft, ein Bauer wäre jemals freiwillig im Morgengrauen raus aufs Feld gegangen, ganz ohne gut gemachte Manipulation der Bäuerin? Sonst hätte sie nämlich den Scheiß auch noch erledigen müssen, neben ihrem Berg von Arbeit im Haus. Denn es ist ja so: Männer konnten ihre Macht schon immer offen ausüben, Frauen sollten es bis heute lieber nicht tun, also müssen sie zu versteckten Machtwerkzeugen greifen, wenn sie nicht untergehen wollen. Das hat sich über die Jahrhunderte auf unsere Systeme gespielt, schon kleine Mädchen sind sehr gut darin, Jungs liebevoll an der Nase herumzuführen, aber weil es in den meisten Fällen nicht böse gemeint ist und den gesellschaftlichen Frieden erhält, sind alle glücklich.
Das Problem für Paare beginnt, wenn wir nicht von Liebe reden, sondern von über die Jahre gewachsener Abscheu. Dann wird die Zauberkraft der Manipulation nicht mehr von Zuneigung getragen, sondern von Gemeinheit. Frauen, die in so was feststecken, gelangen schnell ans Ende ihrer Kunst, denn Magie funktioniert nur, wenn der Zauberstab von leichter Hand geführt wird, und vielleicht geraten die Frauen auch in Gefahr, und immer, wenn ich mich frage, warum sie ihren Männern Gift ins Getränk mischen, kommt mir irgendwann der Gedanke: Notwehr. Arsen im Kaffee, Blauer Eisenhut im Cognac, Weißer Oleander in der Milch. Unauffällig, still, schwer nachzuweisen.
In einer kaputten Verbindung, die eine Frau nicht ohne Weiteres lösen kann, ist der Mann gut beraten, der Frau zur Teestunde mit Aufmerksamkeit gegenüberzusitzen, als wäre sie zum Beispiel eine KGB-Agentin. Oder er lässt die Frau einfach in Ruhe und im Zweifel gehen. Ich wünsche allen viel Glück am Valentinstag.

