Belgrad ist zwar staubig und voller Autos, duftet aber trotzdem nach Pfirsichbäumen und Holzrauch. Mich verschlug es dorthin, weil ich meinem Freund Vojin beim Umziehen helfen wollte. Als ich ankam, meinte er plötzlich: »Eine Frau soll keine Kisten schleppen«, und zeigte mir lieber die Stadt. Den Freitagabend begannen wir in der STRAHINJICA BANA, Belgrads Straßencafé-Meile. Einheimische nennen sie »Silicon Valley«, weil die Frauen hier so schön sind, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen kann. So schön, dass die Männer ihr Auto mitten auf der Straße anhalten und ein Gespräch über das Trottoir hinweg beginnen. Alles staut sich dann, alle hupen, streiten, und die Frauen erröten. Nach einem Drink dort, im Garten der KONTRABAR, gingen wir um die Ecke zum berühmten LOKI-Imbiss, wo ich das Nationalgericht Pljeskavica probieren sollte – eine Art Burger, der mit Frischkäse in einem Fladenbrot steckt und über Holzfeuer gegrillt wird.Am nächsten Morgen frühstückten wir im Café des HOTEL MOSKAU, einem schönen Jugendstilgebäude, und noch heute träume ich von dem Strudel aus Nüssen und Honig. Mittags stiegen wir hoch zur steinernen KALEMEGDAN-ZITADELLE, die eine römisch-österreich-ungarisch-türkische Geschichte hat. Von oben lässt sich die Stadt überblicken und noch mehr: Die beiden Flüsse Donau und Save haben zusammen eine quietschgrüne Insel geformt, auf der wilde Tiere leben. Danach begann Vojin seine Kisten zu tragen und ich sah mir die eleganten Kleider von DRAGANA OGNJENOVIC und IVA STEFANOVIC an. Für all die anderen Belgrader Mode-Schneider blieb keine Zeit mehr, ich durfte ja, bevor ich wieder fuhr, nicht das Beste verpassen: das MUSEUM NIKOLA TESLA. Der Physiker und Erfinder, der im Laufe seines Lebens Hunderte von Patenten anmeldete, hat viele Instrumente gebaut, die aussehen wie Spielzeug. Zum Beispiel ein hüpfendes Ei auf einem Magneten oder das Tesla coil – eine Spule, die Blitze durch den Raum schwirren lässt. Kein Geringerer als Albert Einstein schrieb ihm hochachtungsvolle Briefe. Sie hängen im Museum neben jenen von Wilhelm Röntgen, der neidlos bemerkte: »Wenn ich nur wüsste, wie Sie solche Sachen machen!« WOHNEN Hotel Moskau, Balkanska 1, www.hotelmoskva.co.yu, 00381/11/26 86-255, DZ ab 120 Euro. ESSEN Loki-Imbiss, Kralja Petra Ecke Strahinjica Bana; Kontrabar Strahinjica Bana 59, Tel. 328 37 09. ANSCHAUEN Nikola Tesla Museum Krunska 51, www.tesla-museum.org, Kalemegdan-Zitadelle, Altstadt, Eintritt frei. EINKAUFEN Iva Stefanovic, Vuka Karadzica 12, Tel. 328 60 02, Dragana Ognjenovic, Kneza Sime Markovica 10, 11000 Belgrad, Tel. 328 39 36.

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