Junge Chinesen fahren lieber nach Peking als ins hippe Shanghai. In Peking sei alles etwas mehr bohême und es gehe nicht nur ums Geld, sagen sie. Also fliegen mein Mann Manuel und ich nach Peking, um noch etwas vom alten China zu erleben. Den SOMMERPALAST und DIE VERBOTENE STADT, Schauplatz des Films Der letzte Kaiser, muss man gesehen haben, bevor die alten Gemäuer zu den Olympischen Spielen 2008 zu Tode renoviert werden. Es sind überwältigende Orte, die Kulissen des Chinas unserer Träume. »Aber was machte der Kaiser mit 3000 Konkubinen«, überlegt mein Mann und rechnet vor sich hin. Im Museumsshop sitzt ein Neffe des letzten Kaisers. Wir erzählen ihm, dass sein Onkel 1903 in der verbotenen Stadt Kronprinz Rupprecht von Bayern empfing, einen Vorfahren meines Mannes. Er hört kurz zu und sagt dann, er könne uns unter diesen Umständen eine seiner Kalligrafiezeichnungen zu einem reduzierten Preis anbieten. Die Altstadtviertel HUTONG, die in Shanghai weitgehend platt gemacht wurden, sind auch in Peking gefährdet. Deshalb existiert auch schon eine Touristenversion der Altstadt, im RED CAPITAL CLUB, einem Restaurant mit Bar, die aus kommunistischem Revolutionskitsch besteht: kleinen Mao-Statuen und Möbeln, die Vertraute des »Großen Vorsitzenden« tatsächlich benutzt haben sollen. Auf Maos Spuren besuchen wir das riesige unterirdische TUNNELSYSTEM, das zum Schutz vor einem russischen Angriff angelegt wurde und Hunderte von Kilometern umfassen soll. Diese unterirdische Stadt, wie die Tunnel auch genannt werden, war mit Krankenhäusern, Fabriken, Schulen, Restaurants, Theatern, Rasiersalons und Lesezimmern versehen. Wer sich danach noch eine neue Herausforderung wünscht, kann probieren, von einem Chinesen etwas über das Studentenmassaker am PLATZ AM TOR DES HIMMLISCHEN FRIEDENS zu erfahren. Unser Führer droht uns, er würde sofort nach Hause gehen, wenn wir weiter nachfragten. Für ein echtes Hutong-Erlebnis begeben wir uns ins winzige RESTAURANT NEBEN DEM BAMBOO HOTEL, wo man für vier Euro zu zweit ein Abendessen und sehr viel Bier bekommt, das die übrige Kundschaft fröhlich mit einem teilt. So lange, bis die Besitzerin im Blümchenpyjama in den frühen Morgenstunden nach einem letzten Besuch des öffentlichen Klos den Laden dicht macht. Hotel Bamboo Garden Hotel Beijing China, Tel. 0086/10/64 03 22 29, Fax 64 01 26 33, DZ ab 70 Euro; ESSEN Red Capital Club, No 66 Dongsi Liutiao, Dongcheng District, Tel. +84 01 88 86. AUSFLÜGE Für den Besuch der Verbotenen Stadt und des Sommerpalastes organisiert das Hotel private Führer mit guten Englischkenntnissen für ca. 60 Euro pro Tag inkl. Auto. In die unterirdische Stadt gelangt man am besten durch den Eingang 62 West Damochang Street, Qianmen, Tel. +67 02 26 57.

Artikel teilen: