James-Bond-Darsteller

Wenn es eine Eigenschaft gibt, die man sofort mit der Figur James Bond assoziiert, dann ist es ihre makellose Souveränität. Der Agent des britischen Geheimdienstes ist seit zwanzig Filmen in vier Jahrzehnten so elegant wie unumstößlich Herr der Lage; selbst in scheinbar ausweglosen Situationen, wie sie das schematische Handlungsgerüst stets nach zwei Dritteln der Geschichte vorsieht, erfährt das Vertrauen des Publikums keinerlei Erschütterung, denn es weiß, dass Bond am Ende triumphieren wird. Umberto Eco hat in einem schönen Aufsatz über Ian Flemings Bond-Romane einmal das Erfolgsgeheimnis dieser Figur beschrieben: Sie ist von Zweifeln völlig unberührt. In der Gedankenwelt Bonds gibt es keine Psychologie, kein Hinterfragen des eigenen Tuns. Der Auftrag ist von einer übergeordneten Instanz definiert und wird nach Programm erledigt, gemäß den klaren Gegensatzpaaren von Gut und Böse, West und Ost, ethnisch eindeutig (der britische Geheimdienst) und ethnisch diffus (die Herkunft der Bösewichte), auf denen die Geschichten Flemings beruhen.Man muss sich diese Konstanten der James-Bond-Filme in Erinnerung rufen, um zu begreifen, welch kritischen Punkt die Präsentation eines neuen Darstellers der Figur bedeutet: Der englische Schauspieler Daniel Craig ist, wie vor kurzem bekannt gegeben, der sechste Bond, doch die weltweit publizierten Äußerungen, die Enttäuschung vieler, dass die falsche Wahl getroffen worden sei, die massive Kritik des Vorgängers Pierce Brosnan, torpedieren gerade jene Erhabenheit, um die es bei der Figur in erster Linie geht. Über Tage hinweg wurde öffentlich verhandelt, ob Craigs Herkunft aus einfachen Verhältnissen die Weltgewandtheit des Agenten repräsentieren könne, ob seine Haarfarbe ein Problem, ob seine Körpergröße ein Vorteil sei; im Augenblick seiner Enthüllung ist der neue Darsteller also mit einer Fülle von Unentschiedenheiten konfrontiert, die sich in der Figur James Bond niemals abbilden dürfen. Im nächsten Film, der spätestens 2007 in die Kinos kommt, muss Craig vom ersten Moment an wie das natürliche Gesicht Bonds wirken, ohne eigene Geschichte. Jede noch so feine Unstimmigkeit zwischen Darsteller und Figur brächte das dramaturgische Fundament ins Wanken.Es gehört zu den verwunderlichsten Aspekten der dauerhaften Popularität der Reihe, dass sie den Austausch des Hauptdarstellers immer wieder so mühelos verkraftet hat (der letzte Film, Stirb an einem anderen Tag von 2002, ist der erfolgreichste Bond-Film aller Zeiten). Lange Grundsatzdebatten um die Eignung der Kandidaten flackerten seit dem ersten Ausscheiden Sean Connerys im Jahr 1968 bei jeder Neubesetzung auf. Nur dem allerersten Bond wird bis heute die authentische Verkörperung der Rolle bescheinigt und es ist folgerichtig, dass der einzige halbwegs legitime Nachfolger, Roger Moore, seine Interpretation von Anfang an betont stilisiert, beinahe artifiziell anlegte, um den Vergleichen zu entgehen. Nach Connerys endgültigem Rücktritt ist die Rolle gewissermaßen als doppelte Fiktion angelegt. Timothy Dalton, Brosnan und nun Craig spielen Sean Connery, der James Bond spielte: ein kompliziertes Gefüge, das bei den Zuschauern jedoch weiterhin als unmittelbares Action-Kino ankommt. Worauf ist diese bemerkenswerte Elastizität der Filmreihe zurückzuführen, warum wurde die Souveränität Bonds im Lauf der Zeit nicht von den neuen Gesichtern untergraben? Vermutlich hat es gerade mit dem wiederkehrenden Schema der Handlung zu tun. Wenn jeder der Filme die immer gleiche erzählerische Formel variiert, wenn das Fleisch der exotischen Gesichter und Schauplätze stets auf dasselbe Skelett der Begegnungen und Konflikte reduziert werden kann, dann ist auch die Hauptfigur ein austauschbarer Platzhalter. Am Charisma Bonds haben weniger die Gesichter der Schauspieler als die unveränderlichen Gesetze der Drehbücher gearbeitet (anders etwa als bei einer Serie wie Columbo, die mit dem Abgang Peter Falks zu Ende gewesen wäre). Die Irritation über den neuen Bond wird also bei den Zuschauern nur so lange anhalten, bis er seinen Namen nennt und den ersten Wodka-Martini bestellt.

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