Warum dieser Kassenkampf?

Wenn die Einkäufe bezahlt sind, beginnt der Streit um die kleiner werdenden Packzonen.

In der Rewe-Filiale um die Ecke haben sie vor Kurzem den Kassenbereich umgebaut, genauso wie bei Edeka in der Innenstadt und bei Tengelmann an der Ausfallstraße. Die Packzonen hinter den Kassen wurden abgeschafft, diese abschüssigen Rinnen, in die die Kassiererinnen die Waren legen. Übrig geblieben ist nur noch ein quadratischer Stummel am Ende des Förderbandes, vielleicht vierzig mal vierzig Zentimeter groß, auf dem sich die über den Scanner gewanderten Einkäufe stauen.

Seitdem kommt es an der Kasse gerne zu Tumulten unter den wartenden Kunden. Abends um sechs oder am Samstagvormittag sind Kollisionen vorhersehbar. Eine Mutter mit zwei Kleinkindern hat die Besorgungen für die nächsten drei Wochen gemacht, der Inhalt des überfüllten Einkaufswagens läuft über das Förderband, und beim Bezahlen fällt ihr ein, dass sie nicht genügend Bargeld dabei hat und nach ihrer EC-Karte in der Handtasche suchen muss. Währenddessen hat die Kassiererin das Band aber schon weiterlaufen lassen, und das bescheidene Wochenend-Frühstück des älteren Junggesellen – Abendzeitung, Flasche Augustiner, zwei Leberkässemmeln – verhängt sich auf dem Stummel unentwirrbar in den Kartoffel-Netzen des Familieneinkaufs. Unmut, Flüche, Geschrei, jeden Tag dasselbe.

Was hat die Supermarktketten nur dazu gebracht, die ohnehin schon angespannte Stimmung an den Kassen mit dieser Maßnahme weiter zu verschärfen? Es geht um Rationalisierung und Beschleunigung, klar, aber die Zusammenstöße am Förderband sind dem Geschäft vermutlich auch nicht zuträglich. Könnte das ein Vertreter von Rewe oder Edeka bitte mal genauer erklären? Unzählige Warteschleifen, Voicemail-Ansagen und nichtssagende E-Mails später wird deutlich: Niemand ist zu erreichen, und wenn doch, wird die Zuständigkeit in einem heiteren Zyklus der Ahnungslosigkeit weitergegeben, von der Konzernzentrale an die Regionen, von der Region an die Einzelfilialen und von denen wieder zurück an die Zentrale.

Wer zur Klärung der Frage dann doch noch etwas beitragen kann, ist die Firma Tackenberg aus Bochum, Europas größter Lieferant für »Kassenstände«, so die amtliche Bezeichnung. Hartwin Tackenberg, Chef des Familienunternehmens, erläutert das Verschwinden der Packzonen mit einem unerwarteten Argument: Die arrivierteren Ketten würden damit die Kassenästhetik der Discounter imitieren und auf diese Weise versuchen, die zu Aldi oder Lidl abgewanderten Kunden zurückzugewinnen. Eine interessante Logik: Rewe, Edeka und Tengelmann verschlechtern ihren Service, um sich davon wieder größere Beliebtheit zu versprechen. Kasse drei, bitte Storno!

Foto: AP

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