Ein Raumjob

Die Redaktion des SZ-Magazins hat versucht, aus ihrem öden Konferenzzimmer noch was rauszuholen. Es hat sich gelohnt.

War es die aschgraue Auslegeware? Das Sideboard mit der Ansammlung halb leerer Mineralwasserflaschen? Das klapprige Flipchart, bei dem seit über einem Jahr der Schreibblock fehlt? Wir, die Redaktion des SZ-Magazins, saßen jedenfalls in unserem Konferenzraum und dachten über unser nächstes Designheft nach, Motto: »Das können wir besser«. Da sagte einer in die Stille hinein: »Diesen Raum – den müsste man doch besser machen können.« Niemand widersprach.

Wie müssen Büros und Konferenzräume aussehen, in denen der Mitarbeiter nicht irgendwann wegdämmert oder Aggressionen entwickelt, sondern emsig und freudig seine Arbeit tut? Das ist ein großes Thema für Innenarchitekten und Designer. Seit einigen Jahren geht der Trend zu sogenannten Open-Space-Lösungen: offene Bürolandschaften, bei denen einzelne Arbeitsplätze, Konferenzbereiche und Coffee-Lounges ineinander übergehen. Doch dafür muss man Wände einreißen, das kam nicht infrage für uns.

Wir fragten das Münchner Architekturbüro Landau + Kindelbacher um Rat. Die Architeken schauten sich unseren alten Konferenzraum an, fragten, was wir dort genau machen, und präsentierten uns bald darauf drei Entwürfe für eine Neugestaltung, von denen wir einen auswählten: Auf den Boden kamen Kies und ein flauschiger Teppich in Kunstrasen-Optik, das alte Mobiliar wurde durch eine Ansammlung bunter Stühle, Hocker und Beistelltischchen ersetzt, eine Fototapete erzeugt die Illusion, man könne durchs Gebäude hindurch schauen. »Wir haben versucht, die Strenge des Raumes zu durchbrechen«, sagt Gerhard Landau.

Einige Kollegen fühlten sich ein bisschen fremd im neuen Konferenzraum, bei den meisten kam er auf Anhieb gut an. Aber sind wir darin kreativer als im alten? Besteht überhaupt ein direkter Zusammenhang zwischen Innenarchitektur und Kreativität? »Die Art, wie man miteinander spricht, ist sehr stark davon gekennzeichnet, in welchen Räumen man sich begegnet«, sagt Gerhard Landau. Der Architekt glaubt, dass die Einrichtung eines Raumes bis zu 30 Prozent dazu beitragen kann, wie sich die Leute darin fühlen. Und natürlich könne sie auch bestimmte Verhaltensweisen provozieren oder fördern.

Gerne würden wir Sie jetzt auffordern, in den nächsten Wochen darauf zu achten, ob Ihnen das SZ-Magazin irgendwie frischer, kreativer vorkommt als zu Zeiten des alten Konferenzraums. Doch leider waren die schönen Möbel nur geliehen. Nach einer Woche wurde alles wieder abtransportiert.

Produkte, die unseren Konferenzraum verschönerten

Stuhl „Collecteur“, Designer: Christian Lessing
Stuhl „Eames Plastic Side Chair“, Designer: Charles & Ray Eames über  vitra. by storeM
Stuhl „Vegetal“, Designer: Ronan and Erwan Bouroullec für Vitra über vitra. by storeM
„Algue“, Designer: Ronan and Erwan Bouroullec für Vitra über vitra. by storeM
Beistelltische „Metal Side Table“, Designer: Ronan and Erwan Bouroullec für Vitra über vitra. by storeM
Beistelltisch „Prismatic Table“, Designer: Isamu Noguchi über vitra. by storeM
Hocker „Bricola Venezia“ von Riva 1920 über designfunktion
Hocker, Tisch, Bank „BENT“, Designer: Stefan Diez für Moroso
Stuhl „Euphoria“, Designer: Paola Navone für Magazin
„Tolix Armlehnenstuhl A56“, Designer: Xavier Pauchard für Magazin
Stuhl „Arkys“, Designer: Jean-Marie Massaud für Magazin
Beistelltisch „Trio“, Designer: Julian Appelius für Magazin
Truhe „Oona“, Designer: Cordula Kehrer für Magazin
Stuhl „Pulp“, Designer: Christophe Pillet für Kristalia über Magazin
Brennholzhocker CR, Designer: Oliver Conrad
Stuhl „Chair One“, Designer: Konstantin Grcic für Magis über made in design
Sessel „Paulistano“, Designer: P.Mendes da Rocha für Objekto über made in design
Servierwagen „Luxembourg“, Designer: Frédéric Sofia für fermob über made in design
„Maria“ Zwischenwand Set, Designer: Luca Nichetto für Casamania über made in design
Stuhl „Carbon Chair“, Designer: Bertjan Pot und Marcel Wanders für Moooi über Robert Widmann Einrichtungen
Stuhl „Leaf Chair“, Designer: Lievore Altherr Molina für Arper über Robert Widmann Einrichtungen
Hocker „ST04 Backenzahn“, Designer: Philipp Mainzer für E15 über Thiersch15
Stuhl „Elephant Chair“, Designer: Eva Paster, Michael Geldmacher für Kristalia über Thiersch15
Bäume „Tree“, Designer: Michael Young, Katrin Olina für Swedese über Thiersch15
Teppich: „Shiny 2500“ von Object Carpet
Kies: Landschaftsbauer Kienast
Fototapete: EPM GmbH
Team Landau Kindelbacher: Gerhard Landau, Constanze Linke, Christoph Panek, Sabine Kürner, Eva Maria Herrmann

Fotos: André Mühling

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