Hunde riechen normalerweise nicht gut, sondern nach Hund. Das ist in der Regel eine modrige Mischung aus altem Regen, Mottenkugeln und Mundgeruch. Nicht so Emma, meine Tibetische Hirtenhündin. Wenn ich morgens aufwache und dank Schlafbrille vor meinem inneren Auge noch letzte schöne Traumlandschaften dahinziehen wie ein leichter Schneeschauer, steht sie bereits mit ihren rostbraunen Augen am Kopfende meines Bettes und aus ihrem schwarzen, glänzenden Fell strömt ein Odorama der folgenden Szene: Ein Mann öffnet die hölzernen Fensterläden zu seiner Tabakplantage, warme Sommerluft strömt in den Raum; im Hintergrund brutzeln in einer Pfanne knusprige Baconstreifen, die in Wildblütenhonig angebraten werden. Jeden Morgen erkunde ich traumwandlerisch diese Szene, aber bevor ich dazu komme, ein weiteres Detail zu entdecken, erweist Emma mir mit einem kurzen tiefrosa Zungenschmatz ihre Zuneigung und ich bin wach. Thomas Mann schrieb über das Glück seiner Spaziergänge mit Hühnerhund Bauschan einst: »Was will ich mehr?« Dem ist in Sachen Emma nichts hinzuzufügen. Halt, doch. Eines: Vielleicht liegt es nicht nur an ihrer alten Seele, dass sie so gut riecht, sondern am frisch gerösteten Mischbrot der Marke Poilane, das ich ihrem Trockenfutter beilege.

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