Flausch für den Kopf

Manchmal braucht man kein Drama, keine Gesellschaftskritik, keinen Thriller – sondern Wohlgefühlgarantie. Diese elf Feelgood-Serien trösten besonders zuverlässig.

June und Oscar (Maya Rudolph und Fred Armisen) spielen in der Serie »Forever« ein Ehepaar, dessen Liebe in die Jahre gekommen ist.

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Es gibt Filme und Serien, die einem immer und absolut zuverlässig ein gutes Gefühl geben. Weil ihre Figuren zu Freunden werden, deren Entwicklung man verfolgen will. Wegen ihrer liebenswerten Lebensweisheiten oder schrägen Gesangseinlagen. Oft sind es Filme, mit denen man aufgewachsen ist. Serien, die man schon mehrmals komplett durchgeguckt hat und deshalb nebenbei laufen lassen kann. (Mehr über das Tröstende, immer wieder dieselben Serien zu gucken, lesen Sie hier). Von diesen Feelgood-Serien braucht man gerade vielleicht besonders viele oder zwischendurch etwas Abwechslung. Elf Wohlfühlserien, die besonders gut in diese Zeit passen:

1. Pushing Daisies

Darum geht’s: Kuchenbäcker Ned (Lee Pace) hat eine besondere Gabe: Er kann Tote zum Leben erwecken, indem er sie berührt. Dabei gibt es zwei Regeln: Berührt er einen Toten zum zweiten Mal, stirbt er für immer. Lässt er ihn länger als eine Minute am Leben, stirbt dafür ein anderer. Mit seinem besten Freund, einem Privatdetektiv, löst Ned Mordfälle, indem er – eine Minute lang – mit den Opfern spricht. Als seine Jugendliebe »Chuck« (Anna Friel) ermordet wird, macht er eine Ausnahme und lässt sie am Leben.
Warum gerade jetzt? Weil man sich in Sachen Physical Distancing einiges von Chuck und Ned abgucken kann. Obwohl sie sich nicht berühren dürfen, leben sie zusammen, werden ein Paar und knutschen mit Klarsichtfolie.
Stimmungsaufheller: Neds Café The Pie Hole, das genauso bunt ist wie der Rest des Mystery-Krimi-Märchens.
So lange dauert der Flausch: 41 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Nicht so gut, in den meisten Folgen ist die Handlung zwar abgeschlossen, die Liebesgeschichte und Spannung entwickeln sich aber horizontal.
(2 Staffeln, zum Kauf u.a. bei Amazon Prime, Maxdome)

2. Crashing

Darum geht’s: Lulu (Phoebe Waller-Bridge) zieht in die WG ihres besten Freundes Anthony, der mit vier Mitbewohnern in einem ehemaligen Londoner Krankenhaus lebt.
Warum gerade jetzt?
Für passiven Indoor-Anarchismus (O-Ton: »Können wir drinnen rebellisch sein? Es wird kalt.«)
Stimmungsaufheller: Wenn Lulu Ukulele – „Uku-Lulu“ – spielt und über Pornos und Orgasmen singt.
So lange dauert der Flausch: 23 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Die Serie ist nicht nur zu schade, sondern auch viel zu kurz dafür. Danach hat man garantiert Lust, Phoebe Waller-Bridges Serien Fleabag und Killing Eve zu gucken (egal, ob man sie schon gesehen hat oder nicht).
(1 Staffel, Netflix)

3. Die Nanny

Darum geht’s: Fran (Fran Drescher) wird von ihrem Verlobten verlassen und heuert als Kindermädchen bei Maxwell Sheffield an. Der ist Broadway-Produzent, Witwer und lebt mit seinen drei Kindern in einem Stadthaus in der Upper East Side in Manhattan. Fran dagegen ist in Flushing, Queens in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und bringt den Alltag der Sheffields durcheinander.
Warum gerade jetzt? Anfang April trommelte Fran Drescher beinahe den gesamten Hauptcast für einen »Pandemic Table Read« zusammen, eine gemeinsame virtuelle Lesung der ersten Folge. Die ersten Takte der Titelmelodie reichen, und man hat wieder Lust auf die Sitcom aus den Neunzigern. Die Handlung spielt fast ausschließlich im Sheffield-Haus, Fran trägt trotzdem die spektakulärsten Outfits der 90er. (ihre Looks haben sogar einen eigenen Instagram-Account.
Stimmungsaufheller: Frans Lebensweisheiten (zum Beispiel, zwei Stücke Pizza übereinanderzulegen – »Der Körper merkt das nicht«), die Dialoge zwischen Butler Niles und Maxwells Geschäftspartnerin C.C. und die Gastauftritte (unter anderem von Elisabeth Taylor, Bette Midler und Elton John).
So lange dauert der Flausch: 22 Minuten.
Geht das auch nebenbei?
An sich ja, Fran Dreschers Stimme (besonders im Original) ist allerdings so präsent, dass sie sich die Aufmerksamkeit regelmäßig zurückholt.
(6 Staffeln, u.a. bei Amazon Prime)

4. Love

Darum geht’s: Mickey (Gillian Jacobs) und Gus (Paul Rust) arbeiten in der Film- und Medienbranche in Hollywood, Mickey als Programmleiterin beim Radio und Gus an einem Filmset als Privatlehrer für einen Teenie-Star. Als Mickey verkatert an der Tankstelle ihr Portemonnaie vergessen hat und darum keinen Kaffee bekommt, borgt Gus ihr Geld. Sie verbringen einen Tag zusammen, werden erst Freunde und schließlich ein Paar.
Warum gerade jetzt? Um zuzusehen, wie Mickey und Gus durch Los Angeles flanieren oder mit Mickeys altem Mercedes herumfahren, und sich zu erinnern, wie das war, als man einfach so, ohne triftigen Grund, in der Gegend um die Häuser gezogen ist.
Stimmungsaufheller: Mickeys Schimpftiraden (und allgemein die wunderbaren Dialoge), der tolle Soundtrack und Gus und Mickey beim Verlieben zuzusehen, was zum Glück lange dauert.
So lange dauert der Flausch: 26 bis 45 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Kann man machen, wäre aber viel zu schade.
(3 Staffeln, Netflix)

5. Alf

Darum geht’s: Ein haariger Außerirdischer landet mit seinem Raumschiff in der Garage der Familie Tanner. Um Alf vor den Behörden (und neugierigen Nachbarn) zu schützen, verstecken ihn die Tanners in ihrem Haus.
Warum gerade jetzt? gegen das schlechte Gewissen, wenn man während #stayhome keine Selbstoptimierung betreibt. Alfs Lieblingsbeschäftigungen in seinem persönlichen Lockdown: Fernsehen, Telefonieren und Essen. Auf die Frage, was er gegessen hat, antwortet er: »Was ich immer esse: alles, was da ist.«
Stimmungsaufheller: Alfs Lache. Er lacht am lautesten über seine eigenen Witze und auch ohne Grund.
So lange dauert der Flausch: 24 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Sehr gut sogar, in den meisten Folgen ist die Handlung abgeschlossen.
(4 Staffeln, u.a. Amazon Prime)

6. Brooklyn Nine-Nine

Darum geht’s: den Alltag im 99. New Yorker Polizeirevier in Brooklyn und die Freundschaften und Liebesbeziehungen, die sich dort und drumherum entwickeln.  
Warum gerade jetzt? Wer gerade im Home Office das Büro vermisst, findet in der Serie alles, was zu einem Arbeitsplatz gehört: Lieblingskollegen, Rivalen und Mitarbeiter mit nervigen Angewohnheiten – und Kaffeepausen, bei denen man sich über alles beschweren kann. Sogar die Quote stimmt: Kaum eine Sitcom ist so divers besetzt.
Stimmungsaufheller: Die Serie hat eine außergewöhnlich hohe Gag-Dichte und schafft, dass man in einem Moment vor Lachen weint und im nächsten vor Rührung. Besonders toll sind die Gesangseinlagen, zum Beispiel wenn Detective Jake (Andy Samberg) bei der Gegenüberstellung die Verdächtigen einen Backstreet-Boys-Song singen lässt.
So lange dauert der Flausch: circa 22 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Kann man machen und bei jedem Nochmal-Gucken neue Details entdecken.
(5 Staffeln auf Netflix, 7 Staffeln zum Kauf u.a. bei Amazon Prime)

7. Gilmore Girls

Darum geht’s: die alleinerziehende Lorelai Gilmore (Lauren Graham), ihre Tochter Rory (Alexis Bledel) und ihr Leben in der fiktiven Kleinstadt Stars Hollow.
Warum gerade jetzt? Gilmore Girls ist voller popkultureller Anspielungen und Verweise auf Bücher, Alben und Filme, im Internet kursieren ganze Listen mit Titeln. Perfekt also für eine Phase, in der man endlich Zeit für Sekundärmedien hat. Bereits in der der Eingangsszene wird Lorelai von einem Gast in Lukes Café angesprochen, der auf der Durchreise nach Hartford ist, und sie entgegnet: »Ein echter Jack Kerouac, was?«, in Anspielung auf dessen Reiseroman »On the Road«.
Stimmungsaufheller: der exzentrische Nachbar Kirk (Sean Gunn), der bei jedem Auftritt einen anderen Job hat.
So lange dauert der Flausch: 42 Minuten, die neuen Folgen dauern jeweils 90 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Nicht, wenn man keine Anspielung verpassen will.
(6 Staffeln plus vier neue Folgen, alles auf Netflix)

8. Forever

Darum geht’s: den Alltag von June und Oscar (Maya Rudolph und Fred Armisen), der nach zwölf Jahren Ehe eintönig geworden ist, verpasste Chancen und den Sinn des Lebens.
Warum gerade jetzt? June und Oscar landen in einer Situation, in der sie – beinahe – auf sich allein gestellt sind und sich die Zeit vertreiben müssen. Warum, soll nicht verraten werden, ihre kleinen Projekte kann man durchaus nachmachen. Wann, wenn nicht jetzt, hat man Zeit, Töpfern zu lernen oder dreierlei Ei zum Frühstück zuzubereiten.
Stimmungsaufheller: Junes und Oscars Diskussionen über die großen Fragen des Lebens, zum Beispiel über das Beste, was man mit einer halben Stunde anfängt: ein Bad (zu wenig Zeit), Sex (zu viel Zeit), eine große Portion Pommes im Bett essen und 25 Minuten schlafen (perfekt).
So lange dauert der Flausch: 25 bis 35 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Nein. Lange ist nicht klar, worum es in der Serie eigentlich geht, die Handlung baut sich langsam auf und eine Episode kommt ganz ohne Hauptdarsteller aus.
(1 Staffel, Amazon Prime)

9. Berlin, Berlin

Darum geht’s: Lolle (Felicitas Woll) zieht nach dem Abitur nach Berlin, um Comiczeichnerin zu werden. Der Karriere kommen aber Männergeschichten, insbesondere ihr Cousin (zweiten Grades) Sven, in die Quere.
Warum gerade jetzt? Für einen Städtetrip nach Berlin, solange man auf private Reisen noch verzichten muss. Lolle läuft sehr viel durch die Stadt und Verfolgern davon, unter anderem Neonazis, Satanisten und der russischen Mafia. Und als Vorbereitung auf den Kinofilm zur Serie, der 15 Jahre nach der letzten Staffel erscheint – coronabedingt nur auf Netflix.
Stimmungsaufheller: die Berliner Schnauze von Lolles Mitbewohnerin Rosalie (leider nur in der ersten Staffel) und die Drei-Sekunden-Comics, die illustrieren, was in Lolle vorgeht.
So lange dauert der Flausch: 25 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Obwohl horizontal erzählt wird, kann man die Serie gut nebenbei gucken.
(4 Staffeln, zum Kauf u.a. bei Amazon, ab 8. Mai zusammen mit dem Kinofilm auf Netflix)

10. Modern Family

Darum geht’s: den Alltag der Familien von Jay Pritchett (Ed O’Neill), seinen Kindern und Enkeln. Erzählt wird einmal auf einer Handlungsebene und einmal im Mockumentary-Stil, anhand von Interviews, in denen die Familienmitglieder in Interviewsituationen über sich oder die Situation sprechen, in der sie sich gerade befinden.
Warum gerade jetzt? Solange keine Familienbesuche erlaubt sind, ist Modern Family wie ein großes Verwandtentreffen, bei dem die Gags ausnahmsweise alle sitzen.
Stimmungsaufheller: Die absolut liebenswerten Figuren und die eingeflochtenen Filmszenen wie aus Der Pate, The Shining oder La La Land.
So lange dauert der Flausch: circa 22 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Definitiv, in den meisten Folgen ist die Handlung abgeschlossen.
(9 Staffeln bei Netflix, 11 Staffeln zum Kauf u.a. bei Amazon Prime)

11. Friends

Darum geht’s: den Alltag von sechs Freunden in New York, denen man in zehn Staffeln beim Erwachsenwerden zuguckt.
Warum gerade jetzt? Um sich bei Monica und Rachel oder bei Joey und Chandler in die virtuelle Ersatz-WG einzuquartieren oder sich bei Lieblingscafé-Entzug im Central Perk trösten zu lassen. Und um die Wartezeit auf die Reunion-Folge zu verkürzen, die eigentlich im Mai gedreht werden sollte, nun aber coronabedingt auf unbestimmte Zeit verschoben ist.
Stimmungsaufheller: Phoebe und Chandler und Joey und Rachel und Monica und Ross.
So lange dauert der Flausch: 22 Minuten.
Geht das auch nebenbei? Ganz gut, die meisten Folgen stehen für sich.
(10 Staffeln, unter anderem bei Amazon Prime)