Die ungeschminkte Wahrheit

Wie reden Frauen über Männer und den ganzen Rest, wenn sie unter sich sind? Ein paar Freundinnen haben für uns einmal mitgeschrieben. Bei gutem Essen, mit viel Alkohol - und vor allem anonym, damit auch wirklich alle ehrlich sind.


    (Photocase/Pellegrina)

    Eine Wohnung in der Münchner Innenstadt. Sechs Frauen im Alter zwischen 20 und Mitte 50, ein Jack-Russell-Terrier. Aufgabe: Spaghetti Bolognese kochen, dabei trinken, über alles reden. Das Band läuft mit. Nur die Namen sind nicht echt.

    Alma: Es muss noch Worcestersauce dran.
    Bea: Worcestersauce? In eine Bolognese? Nur über meine Leiche! Lammhack, Salsiccia, Fenchelsamen – kann ich alles gut leiden. Aber keine Worcestersauce!
    Gemma: Wollen wir Champagner trinken?
    Alma: Ich mach immer Worcestersauce dran! Ohne Worcestersauce geht das nicht!
    Delia: Hallo. Jetzt Champagner.
    Alma: Machst du das Zwiebelschneiden mit dem Mixer?
    Bea: Dein Hund bildet sich vor lauter Gier ein, er mag Sellerie.
    Elsie: Hast du das Ankleidezimmer gesehen?
    Delia: Imponiert mir sehr.
    Elsie: Alma, ich hätte gerne eine Führung durch deinen Kleiderschrank.
    Alma: Ich würde am liebsten achtzig Prozent wegschmeißen. Schaff ich nicht, weil Menschen dafür gearbeitet haben, das sind Rohstoffe.

    Bea: Wie viel Knoblauch? Drücken oder schneiden? Ach, drücken.
    Elsie: Nicht, dass du Ärger kriegst, wenn du nur zwei Zehen nimmst!
    Bea: Wieso? Ich habe ja nicht gesagt, was alles in die Bolognese muss… sondern nur, was unter keinen Umständen reinkommt!
    Elsie: Was gibt es denn zu trinken?
    Alma: Gin, Wodka, Aperol, Prosecco, Rotwein, Weißwein, Champagner.
    Zeta: Ich will Champagner und Rotwein.

    Delia: Von wem sind die Blumen?
    Alma: Von einem Straßenköter.
    Delia: Was ist denn ein Straßenköter?
    Bea: Jede Frau hatte mal einen Straßenköter in ihrem Leben. Ein zu wilder Typ mit einem zu wilden Leben, mit dem man nicht zusammenleben könnte.
    Delia: Weiß er, dass er ein Straßenköter ist?
    Alma: Ja, logisch.
    Delia: Der Strauß sieht aber gar nicht straßenköterartig aus.
    Bea: Ist eben ein Straßenköter mit Geschmack!

    Delia: I like him, but I don’t like him sexually?
    Alma: Och, sexually wär schon drin, aber dann? Sollen wir nächstes Jahr heiraten und Kinder kriegen? Weiß er aber auch. Der will lieber straßenkötermäßig rumschlawenzeln.
    Delia: Was macht man denn mit Blumen von so einem?
    Alma: Na, aufstellen.
    Zeta: Mich setzt ja so was unter Druck. Mir wird heiß, wenn solche Typen anrufen.
    Delia
    : Ich renn zehnmal in die andere Richtung.
    Alma: Ich kann das schon. Schau mal, das geht doch nicht weiter, sagt man dann.
    Bea
    : Warum eigentlich nicht?
    Alma: In meinem Alter sind nicht mehr so viele Straßenköter-Abzweigungen drin.
    Delia: Vielleicht ist das am Ende gar kein Straßenköter?
    Alma: Er wird auch nach dreimal küssen kein Prinz. Klar, man könnte jetzt Straßenköter-Sex haben, das ist ja ganz groß, aber man weiß, wie es weitergeht. Oder nicht weitergeht.

    Zeta: Super, jetzt sind wir schon beim Sex. Bisschen schnell, aber warum nicht?
    Bea: Besser jetzt als später, sonst wird das so hundsordinär.
    Delia: Was ist an Straßenköter-Sex so toll?
    Gemma: Dass man nicht daran denkt, was draus wird.
    Elsie: Das ist Sex ohne Fortsetzung.
    Alma: Das ist Sex, den man in eine kleine Blackbox einschließen kann, Schleife drum, und wenn man will, kann man sich später noch mal dran erinnern.
    Zeta: Oder man erinnert sich und denkt: Oh Gott, das hab ich nicht gemacht, oder?

    Gemma: Jetzt bitte jeder eine peinliche Sexgeschichte!
    Bea: Sind wir jetzt schon bei kleinen Schwänzen oder was?
    Alma: Das ist schon traurig und irgendwie auch niedlich, dass die Männermagazine schreiben: Größe tut nichts zur Sache. Tut sie doch. Jemand anderer Meinung?
    Bea: Natürlich nicht. Glaubt auch niemand ernsthaft. So was schreiben Männer.
    Alma: In Männermagazinen steht, die Vagina ist nur ein paar Zentimeter lang, jede Größe reicht dafür aus. Aber es geht doch auch um das Bild im Kopf.
    Elsie: Aber eben nicht nur!
    Bea: Was machst du denn dann bloß … als Mann? Das muss doch schlimm sein!
    Alma: Sag mal, brätst du erst das Fleisch und dann die Zwiebeln?
    Zeta: Umgekehrt geht es nicht.
    Elsie: Und als Frau? Wenn du dich in so jemanden wirklich verliebst?
    Gemma: Du musst dir was einfallen lassen.
    Bea: Vielleicht ein gutes Gespräch.
    Zeta: Oder ein sehr großes Herz haben.

    Elsie: Das Problem gibt es ja auch anders herum. Mittelwitziger Männerspruch dafür: eine Salami durch eine Turnhalle schmeißen.
    Alma: Die Lösung: Es müssen sich die passenden Partner zusammenfinden. Das sollte beim Online-Dating eine Rolle spielen.
    Gemma: Jetzt bitte Alkohol, das Gespräch kann nur besser werden.
    Delia: Ist euch so was schon oft passiert?
    Elsie: Nicht oft.
    Bea: Ganz selten eher.
    Alma: Es gab schon Grenzsituationen.
    Delia: Auch das Problem gibt es anders herum … sagen wir, in Unterarmgröße.
    Alma: Äh … kann ich die Nummer haben?

    Elsie: Medizinisch gibt es zwei Typen: den Blutpenis und den Fleischpenis. Der eine behält seine Größe, der andere verändert sich mit gesteigerter Blutzufuhr. Hab ich neulich auf der Homepage einer Wahrsagerin aus dem Osten gesehen, die Horoskope aus Geschlechtsteilen liest.
    Bea: Die Mädels im Osten haben’s echt nicht leicht.
    Elsie: Sie sagt, der Fleischpenis ist ein treuer Geist.
    Alma: Darauf: Cheers!
    Zeta: Gibt es äußere Merkmale, die auf die Größe schließen lassen?
    Bea: »How to meet a Blutpenis?«
    Alma: Kann ich die Nummer haben?
    Delia: Also, wenn einer ordentlich angezogen ist, kann man nichts sehen.
    Bea: Langsam und eng tanzen würde helfen.
    Alma: Große Renaissance des Langsam- und Engtanzens muss eingeläutet werden!

    Bea: Sag mal, warum wohnst du diesmal nicht bei deiner Schwester?
    Zeta: Weil bei ihr alles perfekt sein muss: Sie hatte die Bettwäsche noch nicht gebügelt.
    Alma: Gibt’s das? Wir Frauen spinnen doch. Wir denken, wir müssen so wohlerzogen sein. Was soll die nur von mir halten, wenn sie zu mir kommt und meine Bettwäsche
    ist nicht gebügelt? Wollen Frauen immer gefallen?
    Bea: Ja, schrecklich. Vor meiner letzten Einladung habe ich das Tafelsilber geputzt.
    Gemma: Welche Argumente gibt es eigentlich für Tafelsilber? Sind wir nicht aus den Tafelsilber-Zeiten raus?
    Bea: Woody Allen hat gesagt, du weißt, dass du alt bist, wenn du dir kein neues Meißner Porzellan mehr anschaffst. Umkehrschluss: Schaffst du dir so was an, bist du nicht alt.

    Alma: Ich muss euch was erzählen, kam gestern im Fernsehen: Man kann sich und den Partner mit Adrenalin übertölpeln. Der Körper verbindet Adrenalin mit Verliebtsein, und wenn man Adrenalin zum Beispiel aus Angst ausschüttet, kann es zu Fehlinterpretationen kommen: Es fühlt sich an, als sei man verliebt. Man soll also für gemeinsame Adrenalinausschüttungen sorgen, wenn es nicht mehr so gut läuft.
    Delia: Deswegen verliebt man sich immer in Skilehrer und Tauchlehrer.
    Bea: Auf zum Falschschirmspringen!
    Alma: Aber wehe, der Skilehrer zieht danach eine Jeans an.
    Zeta: Der Farmer aus Neuseeland! In einer anderen Welt war er super: diese Farmerboots, all das Männerzeug, das er konnte. Aber dann kam er mit Segelschuhen und Lacoste-Hemd an. Hatte sich schick gemacht.

    Alma: Bei mir ist alles aus, wenn sich jemand in einer SMS mit »Dickem Kuss« oder »Dicker Umarmung« verabschiedet.
    Gemma: Oder ein Smiley in der E-Mail! Smiley tötet alles!
    Zeta: Auch sehr schön: die Abkürzung »LG«.
    Bea: Aber »LG« lernt man schätzen nach dem Smiley.
    Delia: Schade, dass es »Dein …« nicht mehr gibt.
    Alma: Ich habe mal Online-Dating ausprobiert – by the way: Katastrophe – und ins Profil geschrieben, dass ich Emoticons hasse. Dann schreiben sie dir Mails: Lalala, Smiley smiley smiley, PS: Was sind Emoticons?
    Delia: Das war bestimmt ein Blutpenis.

    Online-Dating und Heiratsanträge

    (Photocase/Froodmat)

    Elsie: Für Online-Dating muss man schon ein bisschen am Ende sein, oder? Mir würde der Moment fehlen. Der Moment, in dem man sich trifft.
    Zeta: Der Gründungsmythos. Der Gründungsmythos hilft einer Beziehung durch viele Täler. Der hat eine riesige Bedeutung.
    Elsie: Schreibt der eine: Ich liebe Pasta mit Pesto. Schreibt die andere: Mensch, du, Riesenzufall, ich auch! Das kann es nicht sein.
    Zeta: Apropos. Ich hab Hunger. Sollen wir Salat machen?
    Gemma: Nee … nur Nudeln. Salat ist so was von überbewertet.
    Elsie: Voll. So wie Heiratsanträge.

    Alma: Ich habe noch nie einen bekommen.
    Elsie: Ich immer, kurz bevor es vorbei war.
    Gemma: Ich bin zwar verheiratet, hab aber nie einen Heiratsantrag bekommen.
    Alma: Wie ging es dann? So Monica-Lierhaus-mäßig oder was?
    Gemma: Genau so. Man denkt ja, ein Heiratsantrag steckt in den Genen des Mannes. Davon muss man sich lösen.
    Zeta: Also hast du den gemacht?
    Gemma: Der peinlichste Moment meines Lebens.
    Elsie: Aber wieso? Ist doch romantisch!
    Gemma: Romantisch? Ich hab ein Vierteljahr gebettelt!
    Alma: Erniedrigt?
    Gemma: Erniedrigt.

    Alma: Da lob ich mir den Straßenköter. Der bringt wenigstens eine Blume ran.
    Bea: Meiner war schön. Wir waren sehr betrunken. Dann sind wir noch was trinken gegangen. Plötzlich hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten will. Danach mussten wir erst mal was trinken. Der Weg nach Hause führte über eine Brücke. Er: »Gib mir deine Hand« – und taumelte über die Brücke, ich in den Bach. Das war schön.
    Zeta: Ein Gründungsmythos eben.
    Delia: Wie wäre denn wohl der Gründungsmythos bei Leuten, die aus Kalkül heiraten?
    Elsie
    : Du meinst Frauen, die einen Mann heiraten, der offensichtlich eine Gesichtsgrätsche, dafür aber reich und mächtig ist?
    Alma: Kann ich die Nummer haben?
    Gemma: Ich finde: Je älter man wird, desto weniger zählt die Schönheit eines Mannes.
    Bea: Aber sein Johannes.
    Zeta: Echt, für mich zählt die schon.

    Delia: Jemanden zu heiraten, um nicht allein zu sein … kann ich mir nicht vorstellen.
    Alma: Nicht heiraten und immer allein rumhängen: ist auch nicht das Geilste!
    Zeta: Aber es sieht doch jeder: Die hat ihn nur geheiratet, weil er reich ist! Das Burda-Furtwängler-Syndrom.Bea: Aber der hat Mordscharme und war früher nicht dick.
    Delia: Also, die Furtwängler! Ich find die ja ganz gut in letzter Zeit, so gelöst. Aber dieses Styling: grüne Lederjacke, Rolli. Wenn man Geld hat, muss man nicht so rumlaufen.
    Elsie: Komm, so tragisch ist das nicht.
    Delia: Ich würd’s nicht tragen wollen.
    Bea: Aber nach Hause muss man auch nicht schreiben deswegen.

    Zeta: Warum finden eigentlich alle Frauen Lisbeth Salander so toll, die aus den Stieg- Larsson-Romanen?
    Bea: Weil sie Kerle verprügelt.
    Alma: Sie ist radikal, eine moderne Frau.
    Elsie: Eine moderne Frau? Was sie erlebt hat, ist knallhart.
    Bea: Sie sieht manchmal total hässlich aus und manchmal sehr hübsch.
    Alma: Passt auch zum neuen Frauenbild: total hässlich und total hübsch. Hart, aber schön.
    Gemma: Hübsch hat ja immer so was Süßes.
    Alma: Das Oda-Jaune-Problem: Männer nehmen sie nicht ernst, weil sie so hübsch ist. Zum Glück malt sie so harte Bilder.
    Bea: Sie wird nur als Gespielin eines berühmten Malers gesehen. Keiner traut ihr zu, dass sie diesen Mann wirklich geliebt hat.

    Delia: Die Kunstwelt ist so ein sexistischer Verein! Künstlerinnen, die ernst genommen werden, gibt es fast nicht.
    Gemma: Frauen gebären. Männer denken, ein Kind banalisiert das Leben. Du giltst als Mann zwar was, wenn eine Frau Kinder von dir will. Aber du lebst nur für die Kunst.
    Delia: Wenn du die Kunst nicht lebst, bist du diskreditiert. Aber wenn eine Frau ein Kind hat, muss sie ja auch Familie leben!
    Alma: Das Witzige ist: Wenn eine Künstlerin sich um die Kunst, aber nicht um ihr Kind kümmert, ist sie auch der Arsch.
    Bea: Ich überlege gerade. Frida Kahlo hatte auch kein Kind.
    Alma: Künstlerinnen werden nur ernst genommen, wenn sie krass ausrasten und kein Kind haben – so wie Isa Genzken.
    Delia: Isa Genzken wird gar nicht mehr als Frau wahrgenommen. Sondern nur als wahnsinniges Genie. Erfolgreiche Künstlerinnen sind alle verrückt. Frida Kahlo, Sophie Calle.
    Zeta: Was ist mit Rosemarie Trockel? Tracey Emin – auch kein Kind.

    Elsie: Ich lese gerade das Buch von Bascha Mika über die Feigheit der Frauen.
    Zeta: Das liest du? Ich habe keine Lust, mich von einer Frau so anblaffen zu lassen.
    Elsie: Ich finde, sie hat keine Antworten. Man kann nicht nur mit dem Zeigefinger winken: Ihr Tussis, ihr wollt Kinder und verliert eure Unabhängigkeit. Wenn ich für ein Kind meine Arbeit reduziere, bin ich dann feige?
    Bea: Frauen müssen sich, egal was sie machen, rechtfertigen. Immer.
    Zeta: Und jetzt auch noch vor Frauen.
    Elsie: Frauen unterstützen Frauen nicht.
    Gemma: Da drüben in der Wohnung läuft ein Mann nackt herum.

    Bea: Wo ist meine Brille? Fleisch- oder Blutpenis?
    Elsie: Was ist das? Der schaut fern. Nackt.
    Bea: Jetzt cremt er sich ein.
    Delia: Hey, wir waren dabei, dass Frauen sich gegenseitig nicht unterstützen.
    Zeta: Kommt, lasst uns essen.

    Alma: Bea, deine Bolognese ist der Hammer! Du hast gewonnen. Nieder mit der Worcestersauce.
    Gemma
    : Die feministische Theorie sagt: Stutenbissigkeit kommt daher, dass Frauen einander nicht überflügeln dürfen. Ein braves Mädchen fällt nicht zu positiv auf. Ein Junge wird dazu erzogen, herauszustechen. Wir Frauen beobachten uns sehr genau.
    Bea: Meinst du, dass die Mädchen heute noch so erzogen werden?
    Alma: Jungs haben dieses Kumpelding, ohne Scheu.
    Zeta: Da schreibt einer eine Rezension über das Buch seines besten Freundes …
    Alma: … mit dem er ständig rumhängt.
    Delia: Würden Männer sagen, was für eine Vetternwirtschaft, wenn Frauen das so machen würden?
    Zeta: Wahrscheinlich nicht.
    Delia: Warum machen wir es nicht so? Damit wir unseren feinen Charakter behalten?
    Elsie: Wir sollten es besser machen. So, dass niemand was merkt.
    Zeta: Aber dann merkt eben auch keiner was. Gemma: Stimmt. Männer denken anders, und das ist nicht nur negativ gemeint. Wir sind manchmal zu kompliziert.

    Elsie: Von wegen feiner Charakter. Ich habe eine Freundin, die voll gearbeitet hat und eine Fernbeziehung führte. Jedes Wochenende hat sie bei ihrem Freund erst mal schön das Bad geputzt. Und die Küche. Ich habe sie immer gefragt: Warum machst du das?
    Zeta: Weil sie sich in der vollgekrümelten Küche kein Brot schmieren wollte.
    Elsie: Aber das geht doch nicht.
    Bea: Meinem Mann ist es auch wurscht, ob überall Zeug rumliegt. Aber mich stört’s. Also muss ich es wegmachen.
    Elsie: Mit meinem Exfreund war das so: Der hat mal einen Teller mit in die Küche genommen, aber im Bad hat er nichts gemacht, nichts. Dann habe ich ihn darauf angesprochen. Er hat gesagt: Das Bad putzt er nicht.
    Gemma: Prima.
    Elsie: Ich bin ganz ruhig geblieben und habe gesagt: Gut, dann wirst du hier nie wieder auf die Toilette gehen. Riesenstreit, er raus gerannt, eine Stunde später kam er mit dicken Gummihandschuhen zurück und hat das Klo geputzt. Es ging sehr gut.
    Zeta: Dann habe ich die Weichen zu spät gestellt. Aber was, wenn es seine Wohnung ist?
    Elsie: Da kann man natürlich nicht sagen, du kannst hier nicht mehr aufs Klo gehen.
    Bea: Wenn mein Mann putzt, was selten ist, putzt er übrigens viel besser als ich.

    Gemma: Aber will man das? Wenn ich zu meinem Mann sage, kehr bitte schnell die Küche, sehe ich ihn zehn Minuten später den Ofen abschrauben. Davon habe ich nichts.
    Bea: Oder er hängt mit Q-tips hinter der Heizung. Nicht zu gebrauchen.
    Alma: Kann ich mal die Nummer haben?
    Gemma: Übrigens, Männer und Klos: Warum gehen Männer stundenlang aufs Klo? Oder findet ihr das Thema blöd?
    Elsie: Sie haben keine Skrupel dabei.
    Bea: Und zwar mit der Zeitung, die andere auch noch lesen wollen. Sogar in Büros. Alma: Es ist der einzige Ort, an dem man ungestört sein kann.

    Elsie: Aber man geht ja hin, damit etwas Bestimmtes passiert. Wie lange möchte man mit dem, was passiert, in einem Raum sein?
    Gemma: Ist doch eine große Leistung.
    Elsie: Und, um es mal konkret zu sagen, sie scheißen sich nichts. Selbst wenn man frisch verliebt ist, schnappt sich der Typ was zu lesen und kommt eine dreiviertel Stunde später wieder. Ich würde alles dafür tun, das in 45 Sekunden über die Bühne zu bringen, damit er nicht denkt, ich war groß auf dem Klo.
    Alma: Das Thema kennt jede Frau – aber es gibt keinen Roman darüber, keinen Film, kein Theaterstück.
    Delia: Doch, bei Sex and the City.
    Alma: Ich meine, nicht bei Hemingway.

    Verlorene Handys, verpasste Chancen und verquere Ansprüche

    (Photocase/Jala)

    Elsie: Ich finde, wir sollten mal über Eifersucht reden.
    Alma: Das ist für mich, als würde jemand vorschlagen, lass uns doch mal über den Amerikanischen Bürgerkrieg sprechen.
    Gemma: Weil es so weit weg ist für dich?
    Alma: Wenn man nicht verliebt oder in einer Beziehung ist, erscheint einem Eifersucht absurd. Aber man weiß natürlich, dass man da wieder hinwill: zu den großen Gefühlen. Wenn man liebt, ist man so voll davon. Wenn man nicht liebt, ist man wie ein kalter Fisch.
    Delia: Wenn ich krass verliebt bin, fühle ich mich schlimm. Meine Kontrolle geht über Bord, ich mag das gar nicht.
    Elsie: Man würde sterben, wenn man über sehr lange Zeit so verliebt wäre: Das kann der Körper gar nicht aushalten.
    Alma: Ich bin schon lange nicht mehr verliebt gewesen. Und man stellt sich dann Fragen wie: Bin ich noch fähig zu solchen Gefühlen? Und: Würde es jemanden interessieren, wenn ich sterben würde? Würde es mich überhaupt interessieren? Nichts bringt so sehr Sinn ins Leben wie die Liebe.

    Delia: Gibt es Männer in eurem Leben, von denen ihr sagt: Ach, damals habe ich das nicht erkannt und mich getrennt, aber heute würde ich mich für ihn entscheiden?
    Bea: Ich frage mich eher rückblickend: Was habe ich mir denn dabei gedacht?
    Gemma: Da bin ich schon froh, dass dieser Stress für mich vorbei ist.
    Elsie: Affären sind Stress. Unvergessen, wie ein gut aussehender, intelligenter Mann im Bett verliert – weil sein Gesicht plötzlich so blöd aussieht.
    Gemma: Mach doch die Augen zu.
    Bea: Manchmal kommen blöde Geräusche dazu.
    Alma: Oder sie sagen dumme Sachen.

    Elsie: Die Wohnung kann auch schlimm sein. Ein Mann hatte mir erzählt, er sei Weihnachtsfan. Das ist ja erst mal nicht schlimm, denkt man. Aber als ich in die Wohnung kam, habe ich verstanden. Ich habe noch nie so viele Krippen gesehen.
    Bea: Das zum Thema Gleichberechtigung. Männer dürfen so was nicht. Mädchen schon.
    Alma: Rosenblätter auf dem Tisch und Shrimpscocktail können auch problematisch sein.
    Bea: Oder zusammen baden bei Kerzenlicht mit Sektglasgeklimper.
    Alma: Interessant auch, dass man an der Wohnung eines Mannes gut erkennen kann, ob er in letzter Zeit Sex hatte. Wenn 20 weiße Stumpenkerzen ums Bett herum stehen, die schon gebrannt haben.
    Zeta: Weil sie denken, dass Frauen das total hübsch finden.
    Delia: Mir hat mein erster Freund so ein Rosengebinde von der Tankstelle geschenkt. Dann lieber gar nichts.
    Alma: Kann jemand Bärengras verbieten, für immer?

    Bea: Und wenn der Typ anruft, was sagt ihr dann?
    Elsie: I beg your pardon, I never promised you a rose garden.
    Zeta: Ich habe immer gesagt, die ist leider gerade nicht da.
    Alma: Vielleicht muss man an dieser Stelle klarmachen: Wenn eine Frau zum vierten Mal nicht ans Telefon geht – versuch’s nicht weiter. Warum begreifen Männer das nicht? Das ist doch viel feiner ausgedrückt, als zu sagen: Hör mal, ich bin nicht in dich verliebt.
    Delia: Neulich hat ein Mann ständig bei mir angerufen, ich bin nicht drangegangen. Dann habe ich ihn irgendwo getroffen, und er sagt: Hey, ich hab neulich ein paar Mal versucht, dich anzurufen. Aber du bist nicht drangegangen! Ich: Äh …ja?
    Alma: Wenn ich einem Mann eine SMS schreibe, und er antwortet nicht, weiß ich doch Bescheid.
    Elsie: Aber vielleicht ist ja das Netz zusammengebrochen!
    Alma: Ja, klar. Oder New York ist abgebrannt.
    Elsie: Oder er hat sein Handy verloren!
    Alma: Sollen wir uns rüber auf die Sofas setzen? Mag jemand einen Obstler? Meine letzte Erfahrung: Ich rufe einen Typ nach zwei Wochen Sendepause an, und er sagt, sorry, mein Therapeut hat mir abgeraten, dich wiederzusehen.

    Zeta: Haben jetzt alle Schnaps?
    Delia: Wolltet ihr das eigentlich immer? Kinder und heiraten?
    Gemma: Bei wem ist denn das so?
    Alma: Ich wollte das immer. Aber es ist irgendwie an mir vorbeigerutscht. Und heute denke ich: Jetzt muss ich irgendwie umdisponieren! Aber was ist der neue Lebensentwurf?
    Delia: Was jeder rausfinden muss, ist doch: Was entspricht mir am meisten?
    Gemma: Aber wie findest du das raus?
    Zeta: Es kommt eh anders, als du denkst.
    Alma: Ich bin ja viel mit Frauen zusammen, die das auch vercheckt haben. Da muss man sich was Neues suchen. Ich kann nicht mal sagen, dass ich unglücklich bin ohne Kinder.
    Delia: Aber du denkst, es fehlt was?
    Alma: Nein, ich denke, es wird einem ständig eingebläut zu denken, dass etwas fehlt.

    Bea: Mir fehlt nichts. Auch wenn ich natürlich gestartet bin mit dem Vorhaben: heiraten und Kinder. Und dann hab ich geheiratet und wollte Kinder und dann ist nichts weitergegangen. Und ich kann damit hervorragend leben.
    Zeta: Wirklich?
    Bea: Das ist nicht für alle Frauen ein Drama.
    Alma: Ein anderes Leben kommt auch in Frage!
    Delia: Männer in solchen Situationen entscheiden sich dafür, eine krasse Karriere
    zu machen.
    Alma: Wir können auch eine krasse Karriere machen. Aber: Was ist eine krasse Karriere?
    Zeta: Die richtige Karriere wäre eine Chefposition. Aus Männersicht.
    Alma: Aber aus Frauensicht?
    Zeta: Jetzt mal ohne Kindergedanken: Aus Frauensicht ist die Chefposition vielleicht nicht so attraktiv. Aus Männersicht ist sie das auf jeden Fall. Mit nur wenigen Ausnahmen.

    Gemma
    : Es gab mal eine Umfrage bei Hoechst. Was ist Ihnen am wichtigsten im Beruf? Bei Männern waren es die Karriere, das soziale Ansehen des Jobs und Geldverdienen. Bei Frauen sollte der Job mit Familie vereinbar sein, mit Menschen zu tun haben und Spaß machen. Keine Übereinstimmung.
    Elsie: Für uns bedeutet Karriere vielleicht etwas anderes: eine Art Erfüllung. Wenn eine Marketingfrau ein Yogastudio aufmacht.
    Zeta: Für Männer wäre das ein Abstieg.
    Gemma: Da wird die Quotendiskussion interessant. Bis du nach oben kommst, musst du die Männerspiele spielen. Und welche Frau will das? Diese 16-Stunden-Tage?
    Alma: Ich würde das schon machen.
    Zeta: Frauen sollen zu klug sein, um die ganz hohen Positionen anzustreben. Vielleicht ist das ja feige?

    Delia: Meine Eltern haben nie gesagt: Du musst das und das tun. Trotzdem fielen immer wieder Sätze wie: »Wenn du mal heiratest und Kinder kriegst …« Und so habe ich immer gedacht, dass ich Kinder haben möchte und heiraten, im weißen Kleid.
    Zeta: Als ich 20 war, gab es niemanden in meinem gesamten Umfeld, der Kinder wollte.
    Elsie: Man wollte auf keinen Fall Kinder!
    Alma: Null! Wir wollten Partys feiern.
    Zeta: Und jetzt ist das Kinderkriegen schick geworden. Ich habe schon den Eindruck, dass die Jugendlichen heute viel …
    Delia: … spießiger sind.
    Zeta: Würde ich gar nicht so bewerten. Für mich war es ein schlimmes Bild, wenn ein Paar samstags mit dem Kinderwagen am Flussufer entlanglief. Was ja heute cool ist.
    Elsie: Meine Mutter kotzt, wenn sie Leute sieht, die sich verloben. Sie sagt: Wir haben dagegen gekämpft! Was sollen diese Rüschenkleidchen und Kutschenfahrten?
    Delia: Neulich war ich eingeladen, da ging’s nur darum: Wie sieht die aus? Hat die mehr geschafft als ich? Guck mal, mein Verlobungsring!
    Alma: Meine Eltern sind heute unglücklich, dass ich nicht verheiratet bin und keine Kinder habe. Aber sie haben mich genau dahin erzogen: Mach, was du machen möchtest. Du hast alle Möglichkeiten!

    Eltern sein und älter werden

    (Photocase/Froodmat)

    Elsie: Manchmal denke ich, dass ich froh sein kann, dass die Ehe meiner Eltern eine Katastrophe war. Weil ich nicht den Anspruch habe, eine perfekte Partnerschaft führen zu müssen. Die Eltern meiner besten Freundin halten immer noch Händchen. Für sie die Hölle, weil sie es nicht hinkriegt.
    Zeta: Die Chance, dass sie das hinkriegt, ist aber größer als bei dir. Statistisch betrachtet sind Kinder aus glücklichen Ehen eher in der Lage, glückliche Beziehungen zu führen, als Kinder aus kaputten Ehen.
    Alma: Ich glaube, wenige Leute haben das Glück, jemanden zu finden, mit dem sie es ein Leben lang aushalten. Und es schön ist.
    Delia: Ist ja auch was Tolles, aber es ist keine Katastrophe, wenn es nicht so ist.
    Zeta: Nee, sagt ja auch niemand.
    Elsie: Das sagt schon jemand. Alle finden es erstrebenswert, mit einem einzigen Partner das Leben zu verbringen.
    Delia: Eins der besten Bücher, die ich gelesen habe, ist von Rona Jaffe: Frauen in der Verlagswelt der Fünfzigerjahre. Mein Lieblingssatz: »Carol, I think you want to have a conventional life with someone unconventional.«
    Zeta: Super Satz. Finde ich mich wieder.
    Alma: Ich mich auch. Trifft die Sache. Bei mir zu Hause hieß es: Was willst du werden? Was willst du studieren? Wohin willst du beruflich? Meine Mutter dachte, das mit der Familie passiert von allein.

    Zeta: Ich wurde mit 27 noch gefragt: Verhütest du denn auch? Da hätte man ja auch schon Kinder kriegen können.
    Elsie: Für meine Mutter wäre das Schlimmste gewesen, was mir hätte passieren können, früh schwanger zu werden. Weil sie mit 18 ihr erstes Kind bekommen hat.
    Zeta: Unvorstellbar für uns: Mit 18 das erste Kind und von da an immer Sex mit demselben Mann.
    Delia: Wenn’s gut ist?
    Alma: Na ja, aber weiß man das dann?
    Zeta: Ja, ich glaube schon.
    Alma: Man muss erst mal herausfinden, was man gut findet – oder? Man muss Vergleichsware anschauen.
    Zeta: Ich glaube, man weiß auch ohne Vergleich, ob’s gut ist. One-Night-Stands sind ja oft kein guter Sex.
    Alma: Die Trefferquote ist nicht so hoch. One-Night-Stands funktionieren überhaupt nur, wenn du einen im Tee hast.
    Bea: Natürlich. Nur!
    Elsie: Ich hatte mal Sex – einen der besten Sexe – oder was sagt man da?

    Alma: Okay, jetzt kommt der beste Sex von jedem von uns. Habt ihr den besten Sex mit einer festen Beziehung gehabt oder mit einem anderen Mann?
    Delia: Mit einem anderem.
    Zeta: Du willst sagen, in einer Beziehung ist der Sex nicht so gut wie bei einem kleinen Ausrutscher?
    Elsie: Ich hatte den besten Sex mit jemandem, in den ich mal verliebt war, aber zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr.
    Bea: Die weltberühmte Abschiedsnummer. Das hat man oft.
    Zeta: Bei mir war der beste Sex schon mit festen Freunden.
    Delia: Ganz schlimm ist halt, wenn die Typen keine Ahnung haben.
    Alma: Es hat ja witzigerweise kaum ein Mann eine Ahnung, wie eine Frau funktioniert. Anatomisch. Wie Orgasmen funktionieren, vaginal, klitoral.
    Bea: Das macht ja nichts – aber ich!
    Elsie: Ich auch.

    Bea: Ich muss mal sagen, dass man das den Männern ganz gut beibringen kann.
    Elsie: Du kannst jetzt sofort in dein Esoterik-Lager zurückkehren!
    Zeta: Ich habe auch Männer kennengelernt, die Ahnung hatten von Frauen und Sex.
    Alma: Ja gut, ich auch ein, zwei.
    Bea: Man kann ja mal eine Mitteilung machen: Würdest du mal bitte..? Nein, nicht ins Ohr!
    Elsie: Das ufert dann aber in so ein Ehrgeizprojekt aus.
    Alma: Und am Ende denken sie noch: Heute Nacht finde ich den G-Punkt.
    Delia: Oh je. Dieser saudumme G-Punkt.
    Elsie: Scheißerfindung!
    Alma: War das nicht Kinsey?
    Zeta: Ich glaube, das war früher.
    Alma: Ich meine nicht den Unternehmensberater, sondern den Sexberater.

    Bea: Ist doch großartig, wie die Männer ihr Becken hochheben und denken, da muss er doch sein. Da möchte man sagen: Entspann dich mal, damit es keinen Beckenbruch gibt!
    Alma: Ich glaube, dass man seinem Freund, den man liebt, solche Sachen nicht sofort sagen möchte.
    Zeta: Doch. Mit denen redet man doch.
    Alma: Bei anderen Typen sagt man halt: Jetzt hör auf mit dem Scheiß! Ich wollte zu meinen Freunden nicht so grob sein.
    Zeta: Na ja, aber ehrlich gesagt, wenn man länger als ein halbes Jahr mit jemandem zusammen ist – das hat ja mit Grobheit nichts zu tun. Dann spielt man sich doch ein.
    Elsie: Aber ich meine, ist das guter Sex, im Sinne von richtig guter Sex?
    Delia: Ich hatte erst einen One-Night-Stand.
    Elsie: Und dann folgte dieser grässliche, dieser grauenhafte Morgen!
    Bea: Was ist ein richtiger One-Night-Stand?
    Zeta: Eine Nacht mit einem Mann. Und nie wieder eine Nacht mit diesem Mann.
    Elsie: Meinen One-Night-Stand kannte ich schon relativ lange.
    Delia: Darf sich ein klassischer One-Night-Stand zutragen und dann ein halbes Jahr später noch einmal? Gilt das?

    Bea: Es gibt Leute, die einfach nur jemanden aufgreifen und dann …
    Elsie: Großartig! Da springt dann noch ein Triebtäter dabei raus!
    Delia: Aber kennst du sie nun oder nicht?
    Elsie: Nein, die kennt man nicht! Und man will die auch gar nicht kennen!
    Bea: Ich kannte den schon länger, und als meine erste Ehe zerbrach, dachte ich:
    Wollen wir doch mal sehen – ich kann das auch! Und habe auch einen grauenerregenden Morgen erlebt.
    Zeta: Das ist Teil des One-Night-Stands. Ein grauenhafter Morgen.
    Bea: Das hat dann meinen Appetit darauf relativ eingedämmt.

    Alma: Ich kann überhaupt keinen Sex mehr haben, weil es nur noch Stress ist. Verhütung, und all das Gesundheitszeug. HIV! Hepatitis C! So ein Stress!
    Zeta: Wie wäre es mit Kondom?
    Alma: Stress! Das können ja die meisten Männer nicht.
    Elsie: Das ist eines meiner Lieblingsthemen. Typen, die sich niemals Gedanken machen darüber, was Geschlechtsverkehr möglicherweise auslöst. Das ist Wahnsinn! Da erzählen sie dir beim Abendessen, dass ihre Freundin ihnen ein Kind angehängt hat. Und dann schlafen sie mit dir und machen sich wieder keine Gedanken.
    Delia: Du musst in andere Kreise.

    Gemma: Worüber, glaubt ihr, würden sich Männer jetzt unterhalten?
    Alma: Sie würden pokern.
    Zeta: Sprüche machen.
    Alma: Wir können ja über Schönheit reden. Wer hat schon gebotoxt?
    Delia: Da bin ich raus aus dem Thema.
    Gemma: Noch.
    Elsie: Weißt du, dass du schuld bist, dass ich früh mit Augencremes angefangen habe? Weil du gesagt hast, damit kann man nicht früh genug anfangen. Die teure Augencreme ist mir am ersten Abend gleich aufs Waschbecken geknallt und ist bis zur Decke gespritzt, weil meine Hand vor Ehrfurcht so zitterte. Da kleben heute noch 20 Euro.
    Alma: 20? Das war keine gute Creme.

    Delia: Ich weiß nicht, warum macht man so Sachen wie Botox? Oder ins Fitnessstudio laufen wie verrückt?
    Alma: Schatz, du hast noch nie Jugend verloren. Du hast noch nie im Spiegel gesehen, dass du alterst. Wenn du das zum ersten Mal begreifst – ogottogottogott.
    Elsie: Bei mir ist das ganze System zusammengebrochen, als ich 30 wurde.
    Delia: Ich dachte, man würde auch was gewinnen.
    Alma: Aber man verliert vor allem.
    Zeta: Wie sagt Lagerfeld? Altern ist nichts für Feiglinge?
    Alma: Er sagt: Jugend ist die größte Gemeinheit dem Alter gegenüber.
    Bea: Aber es ist durch nichts aufzuhalten.
    Elsie: Es ist zu verlangsamen.
    Alma: Ach, es ist doch alles ganz einfach geworden: Du kannst dir die Zähne schön machen, ein bisschen Hyaluronsäure …
    Delia: Und was würde es verändern?
    Alma: Was verändert es, wenn ich Chanel-Schuhe kaufe?
    Delia: Mir geht die Selbstoptimierung total auf den Geist.
    Alma: Das machen wir doch jeden Tag. Selbstoptimierung ist das Ziel unserer Zeit.
    Zeta: Jetzt trinken wir noch mal schön ein Schnäpschen.

    Delia: Ich verstehe immer noch nicht: Warum definieren Frauen ihr Glück – egal jetzt ob Heirat oder Kinder – über Männer? Oder über Beziehungen?
    Alma: Ich bin raus aus der Nummer. Ich kann nicht mehr darauf warten, dass mir irgendein Mann Glück beschert. Ich bin jetzt für mein Leben selbst verantwortlich.
    Delia: Man hat doch immer die Hoffnung.
    Zeta
    : Klar wünscht man sich das. Wenn’s gut läuft, ist es ja auch wundervoll.
    Delia: Aber warum glaubt man, dass das Glück mit einem Mann zusammenhängt?
    Zeta: Bei mir ist es zum ersten Mal anders: zum ersten Mal keine Sehnsucht nach Zweisamkeit.
    Delia
    : Das liegt wohl daran, dass du gerade aus einer Geschichte rausgekommen bist.
    Zeta: Sonst war das immer anders. Ich habe gedacht: Schon wieder was in den Sand gesetzt! Ich wollte Erlösung: schnell was Neues.
    Alma: Also, ich denke manchmal sogar: Super – den ganzen Samstag nichts! Und den Sonntag auch! Das wäre für mich früher Horror gewesen.

    Zeta: Ich kann um zehn ins Kino gehen. Ich kann’s auch lassen. Mal gucken, ob ich was esse oder was ich esse.
    Alma: Ich bin genau bei dir. Ich konnte zum Beispiel noch nie gut mit meinem Freund zusammen nach Hause gehen, wenn wir aus waren. Einer will immer länger bleiben.
    Zeta: Auch so ein Beziehungsirrtum, immer zusammen nach Hause gehen zu müssen.
    Bea: Haben wir jetzt nur über Kerle gesabbelt oder waren auch kluge Themen dabei?
    Alma: Es ärgert mich, dass man sich über so was überhaupt Gedanken macht: Wir können doch einen Abend nur über Typen reden, wenn wir schon mal zusammensitzen.
    Gemma: Dann besprechen wir die klugen Themen eben beim nächsten Mal.

    Alma, Mitte 30, seit eineinhalb Jahren keine Beziehung, kein Kind, Hang zu lauter Musik, ihrem iPhone und Facebook, hat dort aber noch nie etwas gepostet. Mag Joan Didion und hätte gern eine Dunstabzugshaube.

    Bea, Anfang 50, verheiratet, kein Kind, denkt häufig, aber nicht ernsthaft übers Botoxen nach. Liebt superpeinliche Kosenamen für ihren Mann.

    Delia, Mitte 20, Single, keine Kinder, offenes Faible für Neunzigerjahre- Dancefloormusik, Eier im Glas und den Wald.

    Elsie, Anfang 30, Single, keine Kinder, schenkt sich gern selbst Blumen und steht auf Gin Tonic. Könnte aber auch mal weniger davon trinken.

    Gemma, in ihren Vierzigern, verheiratet, zwei Kinder, liebt die Bunte, Die Geissens auf RTL 2 und verehrt Bruno Ganz. FC-Bayern- und Jil-Sander-Fan.

    Zeta, 50, hat ihre zweite große Liebe gerade hinter sich, ein Kind, hasst Bruno Ganz. Raucht immer noch, aber nur mit Alkohol.

    Spaghetti Bolognese alla Bea

    (Photocase/Pellegrina)

    Das unwiderstehliche Bolognese-Rezept von Bea:

    Spaghetti Bolognese:

    1,5 kg Rinderhackfleisch
    drei Karotten
    drei Stangen Sellerie
    drei Zwiebeln
    Rinderbrühe
    eine halbe Tube Tomatenmark
    drei Knoblauchzehen
    ein Bund Petersilie

    Hackfleisch anbraten. Kleingehackte Zwiebeln und Tomatenmark dazugeben, mit Brühe aufgießen. Kleingehacktes Gemüse dazugeben. Das Ganze dann anderthalb Stunden köcheln lassen. Zum Schluss die kleingehackte Petersilie untermischen.

    Wer möchte, kann auch die Hälfte des Hackfleischs durch Salsicce oder Lammhackfleisch ersetzen. Bei Salsicce wäre etwas Fenchelsamen dazu lecker.

    Fotos: Getty, People Picture

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