»Wir leben in bebenden Zeiten«

Nidhal Chamekh wurde 1985 in Tunesien geboren. In seinen Werken beschäftigt er sich mit dem Verlust des Gleichgewichts, der Tatsache, dass die Dinge nicht mehr zu sein scheinen, wie sie mal waren.

»Bertolt Brecht hat gesagt: ›Das Thema der Kunst ist, dass die Welt aus den Fugen ist.‹ Ich glaube, das stimmt. Wir kennen die Welt vor allem als Desaster und in Unordnung. Dieser bedrohliche Aspekt, dieser Verlust des Gleichgewichts, die Tatsache, dass die Dinge nicht mehr zu sein scheinen, wie sie mal waren, liegt auch in dieser Zeichnung. Wir leben in bebenden Zeiten. Umso aufmerksamer versuche ich, Momente der Wahrheit festzuhalten. Das Mittelmeer war zu allen Zeiten ein Schauplatz von Dominanz und Unterwerfung, von Konflikten, Aufständen und Vertreibungen. Denken Sie an den ewigen Kampf zwischen Rom und Karthago, denken Sie an die Kolonialisierung. Ich bin während des Studiums von Tunesien nach Paris gezogen. Seit ich zwischen den beiden Ländern hin- und herreise, spüre ich die Geschichte des Mittelmeerraumes gleichzeitig intensiver und objektiver. Die Zeit als Kreis, das Leben als Reise – wer könnte das besser nachvollziehen als die Vertriebenen, die es über die Barrieren geschafft haben?«

Nidhal Chamekh wurde 1985 in Tunesien geboren und hat in Tunis und Paris Kunst studiert, heute lebt er überwiegend in Paris. Seine Familie wurde in Tunesien politisch verfolgt, seine ersten Zeichnungen stellte er bereits mit zwölf Jahren aus. Bei der diesjährigen 56. Biennale in Venedig war Chamekh mit zwei Arbeiten vertreten.


Credits: Courtesy of Nidhal Chamekh; Porträtfoto: Nidhal Chamekh

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