»Ich muss dagegen aufstehen«

Ein junger Mann stellt sich seit zwei Wochen alleine mit einer EU-Flagge an den Rand der Pegida-Demos in Dresden. Warum er das macht - und welche Anfeindungen er erlebt.

Den EU-Gegnern hält dieser Student die EU-Flagge entgegen – ein Foto aus dem Twitter-Account Straßengezwitscher vom 4. Juli.

SZ-Magazin: Sie gehen seit dem Brexit gegen Pegida auf die Straße. Warum war das der Auslöser?
Der Brexit hat gezeigt, dass die Unvernünftigen in der EU so laut geworden sind, dass sie es schaffen, etwas zu bewegen. Das ist gefährlich. Ich möchte dem etwas entgegensetzen. Ich bin mit der EU aufgewachsen - ohne Ländergrenzen. Meine Freunde kommen aus Frankreich, Tschechien, ich unterscheide da nicht mehr. Ich finde politisch nicht alles gut, was in der EU passiert. Aber sie ist ein Garant für Frieden und Wohlstand. Wenn ich höre, wie Bewegungen wie Pegida über die EU reden, muss ich dagegen aufstehen.

Wie reagieren die Pegida-Demonstranten auf Sie?
Leider will niemand ernsthaft mit mir diskutieren. Es kommen nur Beleidigungen und Gepöbel. Körperlich bedroht wurde ich bisher nicht. Mir ist aber bewusst, dass es passieren könnte, ich gehe das Risiko ein. Wo kämen wir denn hin, wenn ich nicht mal mehr auf einer öffentlichen Straße die EU-Flagge hissen dürfte? Dann würde ich den Glauben an unsere Demokratie verlieren.

Warum protestieren Sie alleine und stehen nicht bei den anderen Gegendemonstranten?
Ich habe großen Respekt für die anderen Gegendemonstranten, will mich aber nicht direkt neben sie stellen, weil ein paar wenige von ihnen den Pegida-Demonstranten Beleidigungen zurufen oder ihnen den Stinkefinger zeigen. Ich möchte einfach nur mit der EU-Flagge meine Meinung zeigen. Es ärgert Pegida doch viel mehr, wenn man sachlich bleibt. Das ist ja das eigentliche Problem: Die meisten haben schon lange damit aufgehört, auf der sachlichen Ebene zu diskutieren.

Sie möchten in dem Interview anonym bleiben - warum?
Bei meiner Aktion geht es nicht um mich. Ich möchte mich nicht feiern lassen, es ist doch selbstverständlich.

Foto: twitter.com/streetcoverage