12 gute Gründe abzuheben

Schnell drei Buchstaben umstellen, schon werden Ferien zu Feiern: Wir haben Ihnen tolle Feste auf der ganzen Welt rausgesucht - für jeden Monat eins. Ein Reise-Special

    14. Februar: Chinesisches Neujahr in Hongkong

    Das Regelwerk für Glück im neuen Jahr ist genauestens zu beachten: Hausputz und Haarewaschen vor Sonntag erledigen, am ersten Neujahrstag, dem 14.2, brächte beides Unglück; Räucherstäbchen Samstag um Mitternacht anzünden; Familie und Freunde zwecks Geschenkübergabe (rotes Kuvert mit Geldschein oder Süßigkeiten) am Sonntag treffen, keinesfalls dienstags, am dritten Neujahrstag, dem 16.2, geht man traditionell in den Tempel oder auf die Pferderennbahn zum Wetten. Ferner an Neujahr zu beachten: den Bambus zu Hause in die Nähe des Bades oder eines Brunnens rücken (die sogenannte Geldposition!), der Speiseplan (Dumplings Samstag nach Mitternacht, ganzer Fisch am Sonntag, Montag Salat), die Kleiderordnung (rote Unterwäsche, rotes Hemd), und – ganz wichtig – zwei Wochen lang nicht fluchen!

    Nirgendwo wird das Chinesische Neujahr heftiger gefeiert als in der britischen Ex-Kolonie Hongkong, in der es keine Kulturrevolution gab: Der Wong-Tai-Sin-Tempel beschäftigt 170 hauptberufliche Wahrsager, in der Neujahrsnacht arbeiten sie im Akkord, auf Wunsch auch auf Koreanisch oder Englisch. In vielen anderen daoistischen Tempeln helfen Singvögel aus, die aus einem Zettelkasten Antworten auf die drängendsten Fragen der Besucher herauspicken.

    Nirgendwo wird China für Anfänger auch so leicht gemacht: Die Stadt veranstaltet kostenlose Kurse für Langnasen in Tai-Chi, Feng-Shui oder Majong: Beim Spiel erkennt ein Chinese den Charakter seines Gegenübers, und ohne Feng-Shui ist Hongkong ohnehin nicht zu verstehen, nicht die Löcher in der Hochhausfassade (der Drache soll auf seinem Weg aus den Bergen zum Meer nicht behindert werden) und nicht der Klatsch (die reichste Frau Hongkongs, Nina Wang, vererbte ihrem Feng-Shui-Berater 13 Milliarden US-Dollar, in einem Prozess wurde ihr Testament nach vier Jahren als Fälschung erklärt).

    Warum Feng-Shui hilft, das weiß selbst Professor Alex Yu nicht, der Ausländern Grundkenntnisse beibringt. Er kann allerdings auf eine beachtliche Erfolgsbilanz verweisen: Sechzig Prozent aller Paare mit unerfülltem Kinderwunsch konnte er durch gezieltes Möbelrücken kurieren.

    Für Hasen wird das Jahr des Tigers übrigens ein gutes, für Ratten ein schlechtes Jahr. Lars Reichardt

    Übernachten Eine Woche im Central Park Hotel inkl. Flug ab 957 Euro; www.lotus-travel.com. Essen Tai Wing Wah, Tel. 0086/852/24 76 98 88, ein Fernsehkoch, günstig, obwohl der Michelin das Lokal empfiehlt. Unbedingt die Feng-Shui-Einführungsklasse bei Alex Yu besuchen, Tel. 23 98 97 88. (Auf der nächsten Seite: die Fallas in Valencia)

    15. März: Fallas in Valencia

    Eine Frauengestalt mit drei entblößten Brüsten, ein riesiger erigierter Pferdepenis – die Fallas (sprich: Fajas) sind überdimensionale Fantasietiere, die sich über Valencias Häuser erheben, manche mit gut sichtbaren Geschlechtsteilen, gern auch mit Gesichtern spanischer Politiker oder Sportler. Fünf Tage lang bestaunt die Stadt die grellen Figuren aus Holz und Industrieschaum auf Hunderten von Plätzen, jeder Straßenzug gibt eine Figur in Auftrag, am Ende werden die schönsten mit einem Preis bedacht.

    Doch die Fallas sind vor allem: laut. Kracher in jeder erdenklichen Größe lassen die Hosenbeine von Hunderttausenden Zuschauern flattern, jeden Mittag um 14 Uhr auf dem Rathausplatz, exakt sechs Minuten lang, das Fernsehen überträgt live. Mascletà nennt sich das Spektakel, in den Ohren der Bewohner ist die Mascletà ein Konzert.

    Mit etwas Übung kann man tatsächlich eine Art Komposition erkennen, wenn man nicht zu nah steht und danach überhaupt nichts mehr hört. Der Krach animiert natürlich zum Mitmachen, und so wird während der Fallas in Valencia fünf Tage lang selbst nachts geballert. Viele Besucher finden das großartig, einige Bewohner flüchten während der Fallas aus der Stadt. In jedem Fall sind Ohrenstöpsel angeraten. Die Fallas-Kracher sind um einiges lauter als deutsche Silvesterknaller.

    Ursprünglich verbrannten Schreiner am 19. März ihrem Schutzpatron San José zu Ehren das übers Jahr angefallene Abfallholz aus ihren Werkstätten, auch um den Frühling willkommen zu heißen und die bösen Wintergeister zu vertreiben. Diese sogenannte Cremà ist auch heute das Ende der riesigen Figuren, der finale Höhepunkt: Mit Salven von Raketen und Krachern verbrennen sie unter infernalischem Lärm. Am nächsten Tag ist der Spuk vorbei. Was bleibt, ist ein klebriger schwarzer Belag auf vielen Plätzen. Achim Jecht

    Übernachten Antigua Morellana, Calle de En Bou 2, Tel. 0034/96/ 391 57 73, DZ ab 65 Euro. Essen La Gallineta, C/Conde de Altea 7, Tel. 336 36 64, reservas@gallineta.com. Unbedingt Buñuelos-Hefegebäck kaufen, aber nicht an einem Straßenstand, sondern in der Horchatería de Santa Catalina, Plaza de Santa Catalina 6. (Auf der nächsten Seite: der Königinnentag in Amsterdam)

    30. April: Königinnentag in Amsterdam

    Verstehe einer die Holländer. Schmeißen in Amsterdam jedes Jahr 10 000 Fahrräder in ihre Grachten. Stehen tagsüber vor ihren Museen Schlange, selbst unter der Woche. Singen nachts in den Kneipen Schlager, stundenlang; in den Gassen des ehemaligen Künstlerviertels Jordaan herrscht jedes Wochenende eine Stimmung wie auf dem Oktoberfest. In der Königinnennacht zum 30. April, wenn die Holländer ihre Königin feiern, dann geht es in ganz Amsterdam so zu: eine Stadt im Schlagerrausch.

    Eine Million Besucher drängelt sich auf den Straßen und Grachten. Man isst Apfelkuchen mit orangefarbener Sahne, trinkt orangefarbenen Likör – alles in Orange, der Farbe des Königshauses –, in Ordnung, aber warum verkaufen die Hausbewohner Flohmarkt-Klamotten und alte Möbel an diesem Tag vor ihrer Haustür? Die Untertanen der Königin rezitieren Gedichte, verkaufen Blumenkränze oder Seifenblasen, veranstalten Weinproben, und jede Menge Amateur-DJs toben sich vor ihren Hauseingängen aus, der Vondel-Park ist allein für geschäftstreibende Kinder reserviert.

    dabei freut sich die ganze Stadt, als ob man gerade Deutschland im Fußball geschlagen hätte – wirklich alles sehr nett, aber was hat das mit der Königin zu tun? Warum feiert man überhaupt den Tag der königlichen Amtsübernahme und überreicht Beatrix eine Hampelfrau mit ihrem Konterfei? Oder schießt mit Tennisbällen einer Pappfigur die Krone vom Kopf? Und erzählt dann noch, das ganze Land, auch die jungen Leute, würde die Königin lieben?

    Wer am Königinnentag keinen Platz in Amsterdam findet, der verfolgt das Geschehen auf den Straßen live im Fernsehen. Drei Millionen Menschen schauen selbst dann noch gebannt zu, wenn die Königin 3000 »Lintjes« genannte Orden an Sportler, Politiker oder Feuerwehrleute verteilt. Außerhalb der Niederlande ist das schwer nachvollziehbar. Aber die Stimmung ist an diesem Tag wirklich ausnehmend gut. Lars Reichardt

    Übernachten Grand Hotel Amrâth, Prins Hendrikkade 108, Tel. 0031/ 20/552 00 00, www.amrathamsterdam.com; DZ ab 199 Euro. Ein 100 Jahre altes, ehemaliges Reederei-Gebäude. Trinken De Blaffende Vis, Westerstraat 118, Tel. 625 17 21. Dieses Lokal verkleidet sich jedes Jahr am Königinnentag, zum Beispiel in Rembrandts Nachtwache. Unbedingt die Openbare Bibliotheek Amsterdam besuchen, Oosterdokskade 143. (Auf der nächsten Seite: das Musikfestival in Cáceres)

    06. Mai: Musikfestival in Cáceres

    Der Flügelschlag eines Schmetterlings, so sagt man, kann einen Wirbelsturm auslösen. Hätte Peter Gabriel vor 35 Jahren nicht den falschen Radiosender eingestellt, würden nun nicht jeden Mai Zehntausende Menschen in die Altstadt von Cáceres kommen. Statt bei den Nachrichten landete Gabriel, der ehemalige Sänger der Rockband Genesis, damals bei afrikanischer Musik. Er war fasziniert von den fremden Rhythmen; so fasziniert, dass er 1982 für ein Festival Musiker aus Afrika, Indien und der Mongolei nach England holte – und dabei fast pleite ging.

    Dieses Festival, Womad genannt, gibt es immer noch. Inzwischen findet es nicht nur in England, sondern an vielen Orten der Welt statt, und seit ein paar Jahren macht es auch im spanischen Cáceres Station, einer Stadt, die auf halbem Weg zwischen Madrid und Lissabon nahe der portugiesischen Grenze liegt. Warum dort? Weil kaum ein Ort in Europa seine Altstadt so sorgsam bewahrt hat. Die Mauren bauten im zwölften Jahrhundert die dicken Stadtmauern, die die Ciudad Monumental umgeben, und vieles dahinter sieht noch so aus, als hätte Spanien Cáceres erst vor Kurzem zurückerobert. Verschlungene Gassen und kleine Plätze, sandsteinfarbene Paläste, kantige Wehrtürme – die Stadt diente etlichen historischen Filmen als Kulisse, so nah ist das Mittelalter hier noch.

    Nicht jedoch, wenn Womad kommt: Dann dürften die Störche, die in großer Zahl auf den Zinnen der Altstadt nisten, entnervt das Weite suchen. Lautsprechertürme werden auf den Plätzen aufgestellt, auf den diversen Bühnen spielen Weltmusik-Künstler, und die Menschen kommen in Scharen. Über 60 000 Zuschauer drängten sich im vergangenen Mai durch die Gassen, um Stars wie Amadou & Mariam, Salif Keita und den kubanischen Gitarristen Eliades Ochoa zu sehen; danach schwärmten die Zeitungen vom »ambiente excepcional« und dem »dia grande de Womad«.

    Das diesjährige Programm wird bald bekannt gegeben, aber vielleicht ist es gar nicht so wichtig, wer letzten Endes beim Festival auftritt: Die Hauptrolle spielt Cáceres selbst. Johannes Waechter

    Übernachten Das Hotel Iberia Plaza Mayor befindet sich am wichtigsten Platz von Cáceres. Mit etwas Glück kann man die Bühne vom Fenster aus beobachten. DZ ab 100 Euro. C/Pintores 2, Tel. 0034/927/24 76 34, www.iberiahotel.com. Essen Zwei Michelin-Sterne belegen, dass das Atrio das beste Restaurant weit und breit ist. Menü ab 85 Euro. Av. de España 22, Tel. 24 29 28, www.restauranteatrio.com. Unbedingt auf der Plaza Mayor im Fußball-Buch des SZ-Kollegen Javier Cáceres lesen. (Auf der nächsten Seite: der Bloomsday in Dublin)

    16. Juni: Bloomsday in Dublin

    Ein Altenheim in London. Ein Körper zeichnet sich unter dem Laken ab. Mein Großvater kann gerade mal flüstern. Er verlangt nach einer Zigarette und einem Glas Whiskey. »Setz dich her auf das Bett, junger Mann«, sagt er schroff.

    Man schrieb das Jahr 1975, ich war zehn Jahre alt, und es sollte das letzte Mal sein, dass ich ihn sah. Der Wundbrand raffte ihn schließlich dahin.

    Mein Großvater war im Grunde genommen ein alter Säufer, der seine Familie sitzen ließ und im Exil lebte. Bei seiner Beerdigung fehlte ich. Ich weiß bis heute nicht einmal, in welchem Land er begraben liegt; ob in England oder in Irland.

    31 Jahre nach dem Tod meines Großvaters zog ich mir Osteomyelitis zu, eine Knocheninfektion. Ich wurde in ein Krankenhaus in New York eingewiesen, wo mich eine chirurgische Ausschabung der Wunde und eine Hammerladung Antibiotika erwartete. Im Gepäck hatte ich eine alte Ausgabe von James Joyces Meisterroman Ulysses, der am 16. Juni 1904 in den Gassen von Dublin spielt. Ich wollte ihn einmal komplett lesen. Ich hatte über die Jahre immer mal wieder in das Buch hineingeschnuppert und die zugänglicheren Stellen gelesen, aber, um die Wahrheit zu sagen, nie das Ganze in einem Rutsch.

    Die vertrackten Ebenen menschlicher Erfahrung fügen sich durch Worte zusammen und manchmal ordnen sie sich auch in ihnen.

    Bald erstand mein Großvater aus dem Roman auf. Je weiter ich mich darin vertiefte, desto lebendiger wurde er. Der Mann, den ich nur einmal gesehen hatte, nahm in den Romanseiten Gestalt an. Immerhin hatte er dieselben Straßen in Dublin durchstreift, am gleichen Tag wie Leopold Bloom. Irgendwann sah ich meinen Großvater vor der Metzgerei Dlugacz stehen, hörte, wie er sich mit dem Bürger im Pub von Barney Kiernan stritt. Spürte ihn den Tod eines Kindes betrauern.

    Er ging neben Bloom durch die Stadt, bog an der Eccles Street um die Ecke, und dann um die nächste direkt in mein Krankenzimmer und saß an meinem Bett. Ich konnte seinen Whiskey- und Zigarettenatem riechen.

    Das Buch trug mich über die Grenzen meines Körpers hinaus, ließ mich in einer anderen Zeit leben. Ich war wieder zehn Jahre alt, aber dieses Mal kannte ich meinen Großvater, und es war ein großer Gewinn: Er war so viel mehr als ein alter Säufer. Dichtung ebnet uns den Weg zu äußerst lebendiger Geschichte.

    Am 16. Juni ist Bloomsday, der 106. Jahrestag der Ereignisse im Roman. Überall auf der Welt versammeln sich Fans von James Joyce, um die außergewöhnliche Erzählung eines ganz gewöhnlichen Tages zu feiern: Im »Ormond Hotel« in Dublin wird man ein Bier trinken (sofern es bis dahin fertig renoviert wurde), in der Eccles Street Affären haben und sich am Strand von Sandymount die Köpfe heißreden. Und nicht nur in Dublin wird man den Tag begehen; Bloomsday-Partys finden überall auf der Welt statt: in Zürich oder New York oder London. Und man kann wirklich Bloomsday-Großväter erleben, die ihre verlorenen Söhne und Kindeskinder auf den Schultern endloser Geschichten tragen.

    Ulysses ist zum Lieblingsbuch der Reisenden geworden – nicht nur für tatsächliche Reisen, sondern auch für Reisen durch die Fantasie. Was mich betrifft, so weiß ich nun, da ich wieder kerngesund bin, wo mein Großvater begraben ist: Glücklich und zufrieden sitzt er zwischen den Buchdeckeln, wo er weiter munter raucht und säuft – an seinem eigenen, kleinen, privaten und immerwährenden Bloomsday. Colum McCann

    Übernachten Burlington Hotel, Upper Leeson Street, Tel. 00353/1/ 618 56 00, DZ ab 79 Euro. Essen Davy Byrnes Pub, 21, Duke Street, Gorgonzolabrot und ein Glas Burgunder, gibt’s nur am Bloomsday. Unbedingt im James Joyce Museum im Joyce Tower in Sandycove vorbeischauen.(Auf der nächsten Seite: der Nationalfeiertag in Frankreich)

    14. Juli: Nationalfeiertag in Frankreich

    Ich kann Nationalfeiertage nicht leiden. Zum Beispiel hier bei uns: Gibt es etwas Trockeneres als den 3. Oktober? Staatstragende Reden und meistens mieses Wetter. Der Herbst taugt einfach nicht zum Feiern. Man sollte denken, dass da der 14. Juli in Frankreich viel besser wäre. Falsch:

    Das Wetter stimmt zwar meistens, aber man sieht nichts davon, weil der Himmel schwarz von donnernden Düsenjägern ist, und unten marschiert die Armee. Der kleine Sarkozy redet markig über die Grande Nation, und die ordengeschmückten Veteranen werden aus unerfindlichen Gründen sentimental bei der Erinnerung an den Krieg. Ganz Frankreich ist plötzlich unglaublich patriotisch und zackig. Ganz Frankreich? Nein – unten im Süden, im Luberon, gibt es ein kleines provenzalisches Dorf, das noch nicht mal ein Feuerwerk veranstaltet.

    Cucuron wäre auch ohne Dorffest einen Besuch wert, aber am 14. Juli hat es einen ganz besonderen Charme. Bewohner und Gäste sitzen rund um den Feuerwehrteich an der Place de l’Etang und vernichten Unmengen von Pastis. Am Abend gibt es den großen Ball. Jeder tanzt mit jedem zu einer musikalisch zwar fragwürdigen, aber irrsinnig gut gelaunten Blaskapelle. Der Sturm auf die Bastille, an den dieser Tag erinnern soll, ist den Leuten hier ziemlich egal, nur der Sturm auf die Theken zählt. Eigentlich sieht alles aus wie auf einem Cartoon von Sempé – unwirklich und wie ein großes Klischee bis hin zur Baskenmütze bei den älteren Herren.

    Man muss kein Gott sein, um sich an diesem Tag und an diesem Ort wohlzufühlen in Frankreich. Eva Fischer

    Übernachten Hostellerie de Luberon, Vaugines, www.hostellerieduluberon.com, Tel. 0033/490/77 27 19; DZ ab 99 Euro. Essen La Petite Maison von Eric Sapet liegt direkt am Teich. Und bietet unter anderem ein hervorragendes Mittagsmenü für 60 Euro – Getränke inklusive. www.lapetitemaisondecucuron.fr. Unbedingt darauf verzichten, im Teich zu schwimmen, sonst wird die Feuerwehr sauer. (Auf der nächsten Seite: die Hinterseer-Tage in Kitzbühel)

    15. August: Hinterseer-Tage in Kitzbühel

    Ein kleines Gedenken an meine Mutter: Sie hat Hansi Hinterseer so verehrt. Dabei ist sie ihm nie so nah gekommen wie jene zehntausend, die jeden August nach Kitzbühel fahren, um mit ihm die Hansi-Hinterseer-Fanwoche zu feiern.

    Seit zehn Jahren sieht das Programm gleich aus: An einem Donnerstag im August, diesmal am 19., fahren ab zehn Uhr Tausende auf die Bergstation der Hahnenkammbahn; um 12.30 Uhr trifft Hansi dann selbst ein, der Verehrte begrüßt die Menschen mit dem Satz aller Sätze: »Leitln, mi gfreits, dass kemmen seid’s.« Dann wandert er los, langsam, den Berg hinauf, bis zur St. Bernhard-Kapelle, lachend, winkend, Menschen zupfen ununterbrochen an ihm, er lächelt und lächelt und gfreit sich; ein paar lustige Wanderer nennen sich ›Hansiaten‹.

    Eine Bergmesse wird gefeiert; dann besteigt Hansi ein Floß und fährt mit wehendem Haar über den Speichersee, am Ufer stehen die zehntausend und winken und jubeln ihm zu. Von etwas weiter oben sieht das schon so aus, als käme ein Erlöser über das Wasser. Wie wenige Weichen müsste er eigentlich umlegen, damit Menschen in ihm keinen Volksmusikstar, sondern einen Heiland wähnen?

    Es gibt ja inzwischen Leute, die sind überzeugt, dass seine Hände heilen können. Nun schenken die Menschen ihrem Hansi etwas, sie singen das Hansi-Hinterseer-Lied: »Ist unser Alltag manchmal grau und leer / Und würden wir ihm gern entfliehn / Was uns dann hilft, heißt: Hansi Hinterseer / Er ist die beste Medizin.«

    Wer jetzt denkt, nur Leitln aus Deutschland und Österreich reisen an, liegt falsch: Dänen, Tschechen, Finnen kommen, letztes Jahr waren auch Leute aus Peru und Neuseeland da. Am Freitag- und Samstagabend geht es weiter mit der Fanwoche: Hansi tritt im Tennisstadion vor jeweils 5000 Zuhörern auf, leider waren die Eintrittskarten für August 2010 schon am 1. Dezember 2009 binnen zwölf Minuten ausverkauft.

    Doch es gibt Trost: Immer am Samstag dieser Fanwoche um 11.30 Uhr zieht er zu Fuß in das Zentrum von Kitzbühel ein, lachend, winkend, so viel steht jetzt schon fest, die Stadtmusikkapelle wird dabei sein, die Traditionsvereine, und zehntausend säumen die Straßen und winken.

    Gegen Ende ihres Lebens hat sich meine Mutter doch noch von Hansi Hinterseer abgewandt. Als sie nämlich las, dass er schon über fünfzig sei. Das war ihr, mit Ende siebzig, dann doch zu alt. Susanne Schneider

    Übernachten Pension Zimmermann, Reith/Kitzbühel, Tel. 0043/5356/652 72, www.pension-zimmermann.at, DZ ab 76 Euro. Essen Gröstl, Spatzl und Lisis Torten im Hahnenkammstüberl, Hinterseers Lieblingslokal, zehn Minuten von der Bergstation, Mai bis Oktober und winters geöffnet, Tel. 625 21. Unbedingt auf die Terrasse vom Café Praxmair setzen, da sieht jeder jeden; Tel. 626 46. (Auf der nächsten Seite: das Bierfest in Altaussee)

    04. September: Bierfest in Altaussee

    Gegen das Münchner Oktoberfest lässt sich nicht viel einwenden. Das Bier macht rauschig, man kommt leicht zum Knutschen, und wenn man sich lange genug auf die Lauer legt, ziehen alle möglichen Zelebritäten aus der Bunten in Tracht an einem vorbei. Ein wenig zu ungemütlich ist es vielleicht. Und zu teuer. Und möglicherweise stört einen auch der Umstand, dass es hier VIP-Zelte gibt und Firmen-boxen, in denen die Manager multinationaler Konzerne sich einmal im Jahr als bayerische Ureinwohner verkleiden.

    Das Bierfest im steirischen Salzkammerort Altaussee ist die noch deutlich traditionellere Volksbelustigung. Jedes Jahr Anfang September veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr auf dem Fischererfeld ein dreitägiges Fest zur Finanzierung ihres Geräteparks. Es gibt ein großes Bierzelt, über dessen Eingang der Spruch »Ihr durstigen Seelen, grüß Euch alle, bekomm’s Euch wohl in unserer Hölle« lockt, es gibt ein paar Fahrgeschäfte, die üblichen Stände für Lebkuchenherzen und ein Armbrustschützenzelt, es gibt zum Trinken 600 Fässer Festtagsbier und zum Essen Brathendl und Seefische aus der Umgebung, es gibt echte Volksmusik (darunter recht säuische Gstanzln), die ohne elektrische Verstärkung auskommt.

    Aber das Beste ist, dass man bei majestätischer Aussicht trinkt: Vom Biergarten aus hat man Blick auf den Lofer, den Sandling und das halbe Tote Gebirge. 25 000 Besucher hat der »Kiritog« jährlich. Viele davon sind Sommerfrischler aus der Umgebung. Oder Wiener, die von den Ausseern als »Postkartensteirer« zärtlich belächelt werden, weil ihre Hirschledernen noch schwarz wie neu sind, statt vom Alltag abgewetzt. Angst vor militantem Lokalpatriotismus muss keiner haben; seit mehr als 15 Jahren hat es im Bierzelt keine Rauferei mehr gegeben, versichert der Feuerwehrkommandant Werner Fischer.

    Am besten hängt man nach dem Ausnüchtern noch ein paar Tage im Ausseerland an. Die Gegend ist ein altösterreichisches Erholungsgebiet: Hier schlugen im ausgehenden 19. Jahrhundert die Wiener Bürger und viele Künstler ihre Sommerquartiere auf; vielen Villen sieht man das immer noch an. Peter Praschl

    Übernachten Seevilla, Fischerndorf 60. Altaussee, Tel. 0043/3622/713 02, www.seevilla.at, DZ ab 204 Euro inkl. Halbpension. Essen Steckerlfisch. Unbedingt am dritten Tag, dem 6. September, hingehen, dem "Kirimontag", wenn die Ostösterreicher wieder weg sind. (Auf der nächsten Seite: die Gourmet-Odyssee in London)

    08. Oktober: Gourmet-Odyssee in London

    48 Sterne-Lokale hat London jetzt also seit diesem Jahr. Darunter einen Thai, drei Chinesen, vier Japaner und mit dem neu aufgenommenen »Tamararind« sechs Inder. Vielleicht haben die Feuilletonisten ja recht: Die Schwellenländer nehmen mit der Haute Cuisine schließlich die letzte Bastion westlicher Kultur ein, das zeigt sich in allen europäischen und amerikanischen Großstädten. Im Fall des Londoner Lokals »Nahm« war es allerdings ein australischer Chefkoch, der den ersten Michelin-Stern für ein thailändisches Restaurant in Europa erstritten hat: David Thompson.

    Die englische Hauptstadt hat es jedenfalls schon lange nicht mehr nötig, für ihre gute internationale Küche zu werben. Die Stadt macht es dennoch. Das »London Restaurant Festival« wird im Oktober zum zweiten Mal stattfinden. Und alle werden wieder mitmachen: Joël Robuchon und Alain Ducasse, das »Nobu« und das »Hakassan«. Sogar Gordon Ramsay, der Starkoch, der von seinen Mitarbeitern dafür gescholten wird, zu oft im Fernsehen zu sein, zu viele Lokale im Rest der Welt zu eröffnen und sich zu wenig um sie zu kümmern.

    Sein Partner Marcus Wareing hat ihm das öffentlich vorgeworfen und sich selbstständig gemacht, mit einem Restaurant im »Berkeley Hotel«, das jetzt selbst zwei Sterne erhielt. Beim London Restaurant Festival ließ es sich Ramsay, drei Sterne, allerdings nicht nehmen, sich einen Abend in eine Kabine des »London Eye«-Riesenrads zu stellen und dort persönlich für nur zehn Leute zu kochen. Der Abend wurde für einen guten Zweck versteigert, für 23 000 englische Pfund.

    Es wird auch wieder verschiedene Bustouren geben: Man trifft sich zum Beispiel auf einen Smokey Sanchez in der »Met Bar« am Hyde Park, fährt danach mit dem Bus für ein paar Dim Sum ins »Yauatcha« nach Soho, isst einige Sushis im neuen »Nobu« und den Hauptgang im »Nahm« in Belgravia: lon bpuu, Krabben in Kokosmilch mit Ingwer und Fenchel – das Ganze nennt sich Gourmet-Odyssee und kostet pro Person 135 Pfund. Alles in allem werden wohl wieder 500 Lokale mitmachen, fünf Tage lang bis zum 13. Oktober, mit Spezialpreisen von zehn Pfund für Lunch und 15 Pfund für Dinner. Lars Reichardt

    Übernachten Halkin Hotel, Halkin Street, Tel. 0044/020/73 33 10 00, DZ ab 250 Euro. Das thailändische Restaurant Nahm befindet sich im Erdgeschoss. Essen Alle Gourmet-Odyssee-Touren und andere Happenings des London Restaurant Festivals unter: www.visitlondon.com. Unbedingt ab Mai Karten vorbestellen. (Auf der nächsten Seite: das Diwali-Fest in Indien)

    05. November: Diwali-Fest in Indien

    Um das vorwegzusagen: Varanasi macht krank. Schnupfen, Fieber, Durchfall, Übelkeit – irgendwas wird man sich in dieser viel zu heißen, viel zu schmutzigen, mit viel zu vielen Menschen und Tieren gesegneten Stadt im Norden Indiens schon einfangen. Dafür muss man gar nicht in den braunen Ganges steigen, in den die halb verkohlten Toten geworfen werden, die man hier, in der ältesten und heiligsten Stadt der Hindus, rituell verbrennt. Dafür reicht es, einfach da zu sein.

    Aber: Varanasi ist fast jede Krankheit wert. Eben weil die Stadt so alt und so heilig und voller Pilger und ihren Bräuchen ist. Bräuche wie das Diwali-Fest zum Beispiel. Es gehört zu den bedeutendsten hinduistischen Festen des Jahres und wird in ganz Indien gefeiert; in Varanasi, dem religiösen Zentrum des Landes, aber immer ein bisschen mehr.

    Die fünf Tage, die nach dem indischen Mondkalender berechnet werden und in den deutschen Oktober oder November fallen, muss man sich ein bisschen so wie eine Mischung aus Weihnachten und Silvester vorstellen: Die Menschen schmücken ihre Häuser mit Lichterketten und beschenken sich mit Süßigkeiten und neuen Kleidern, oben am Himmel explodieren Raketen und auf den Straßen Kanonenschläge.

    Grob vereinfacht loben die Hindus in dieser Zeit den Sieg des Guten über das Böse, und wenn abends die Sonne hinter den Steinmauern der Stadt untergegangen ist und Zehntausende Pilger Zehntausende Öllampen anzünden und auf den nun schwarzen Fluss hinaustreiben lassen, sieht man, wie dieser glühende Wurm tatsächlich die Dunkelheit bezwingt. In den Teestuben entlang der schwitzigen Altstadtgassen sitzen zu dieser Zeit schon die Männer beim Glücksspiel zusammen. Denn an Diwali, was übersetzt so viel wie »Fest der Lichter« bedeutet, gedenken die Inder auch der Göttin Lakshmi, die im Hinduismus für den Wohlstand zuständig ist.

    Krank, um das auch noch zu sagen, ist man übrigens meistens nur für zwei oder drei Tage. Und das Gute ist: Sobald man wieder auf den Beinen steht, stört einen der ganze hupende, stinkende, drängelnde Wahnsinn Varanasis plötzlich nicht mehr. Man fühlt sich so, wie die Pilger aussehen, nachdem sie im Ganges gebadet haben: irgendwie gereinigt und gestärkt. Und selbst die wirklich unglaublich lauten Böller an Diwali irritieren einen dann nicht mehr. Christoph Cadenbach

    Übernachten Gut und günstig ist das Vishnu Rest House am Pandhey Ghat mit Ganges-Blick. Essen Das Kerala Café liegt etwas außerhalb der Altstadt, weshalb sich nur wenige Touristen hierher verirren, man bekommt aber die besten Dosa (indische Pfannkuchen) der Stadt serviert. Unbedingt sollte man sich den Sonnenaufgang und die Morgenzeremonie der Pilger von einem Ruderboot aus ansehen. (Auf der nächsten Seite: der Nikolaus-Zug im Bregenzer Wald)

    06. Dezember: Nikolaus-Zug im Bregenzer Wald

    Immer mehr Eltern, so hört man, halten ihre Kinder von den Nikolausfeiern der Kindergärten fern. Sie möchten ihren Kindern nichts vormachen – einen Nikolaus gibt es in Wirklichkeit einfach nicht. Besonders diesen Eltern sei eine Reise in den Bregenzer Wald empfohlen.

    Anfang Dezember, wenn die großen Tannen unter dicken Schneemänteln verschwunden sind, wenn das Licht der Wintersonne sich in zig Millionen Schneekristallen bricht, schiebt sich eine alte Dampflokomotive zwischen den Orten Bezau und Schwarzenberg durch die Landschaft. Voll mit Kindern, die nur darauf warten, dass die Eisenbahn ihr Schnaufen und Ruckeln unterbricht und unterhalb des Waldes quietschend anhält.

    Dann nämlich kommt der Nikolaus mit seinem Knecht Rupprecht durch den Schnee gestapft, hievt seinen großen Sack in den Zug und überreicht jedem Kind ein Geschenk. 2700 Kinder bekommen jedes Jahr in der Eisenbahn ein Nikolaus-Säckchen. Wer mitfahren möchte, muss sich ab Oktober beim Nikolaus melden, nicht per Brief wie beim Christkind, sondern per E-Mail.

    Selbst der Nikolaus pflegt eine angenehme Mischung aus Tradition und Moderne hier in Vorarlberg, wo die Bushaltestellen neben der Kuhweide so gut aussehen, dass sie ständig in Designmagazinen abgebildet werden. Es ist übrigens ratsam, einen Zug zu früherer Stunde des Tages zu buchen. Weil selbst den Nikolaus die Romantik des Ortes hart angeht, trinkt er gern im kalten Wald ein paar Schnäpse, während er auf die Kinder wartet. So erzählt man es sich jedenfalls in den Dörfern. Julia Decker

    Übernachten Hotel Gasthof Hirschen in Schwarzenberg, www.hirschenschwarzenberg.at, Tel. 0043/5512/29 44. DZ ab 129 Euro. Essen Gasthof Adler in Schwarzenberg: www.adler-schwarzenberg.at, Tel. 29 66. Unbedingt eine Nikolausfahrt unternehmen: 27. November – 8. Dezember; ab Oktober unter www.waelderbaehnle.at.

    09. Januar: No Pants Day in New York

    Vielleicht ist es das letzte große Abenteuer, das die Stadt New York ihren Bewohnern und Besuchern bietet: Am zweiten Sonntag im Januar findet jedes Jahr der »No Pants Day« statt – Tausende von Menschen besteigen die U-Bahn ohne Hosen. Richtig: Januar, ohne Hosen, Tausende. Der Normalbürger denkt: Wer sich im Januar in New York keine Hose anzieht, handelt sich eine schlimme Blasenentzündung ein. Doch die Teilnehmer des hosenfreien Tages interessieren derlei Befürchtungen nicht.

    Der No Pants Day in diesem Jahr startete an der Station »City Hall«. Wo Touristen auf dem Weg zu Ground Zero ausstiegen, öffneten sich die Türen der U-Bahn, und wer kam ihnen entgegen? Menschen ohne Hosen. Die benahmen sich, als herrsche Alltag. Als umfasse die allgemein anerkannte Kleiderordnung keine Hosen. Als sei es draußen nicht bitterkalt und als wären die Leute mit Hosen bescheuert und nicht die ohne.

    Das muss der Moment sein, für den es lohnt, sich die Beine blau zu frieren. Wenn der Blick der Touristen auf dich fällt, wie du mit deinen unzähligen Komplizen ohne Hosen auf dem Bahnsteig stehst. Erstaunlich: Die Damen sind in der Mehrheit, mit hübschen Beinen und engen Unterhosen. Sie tragen allerdings hautfarbene Strumpfhosen, was die Organisatoren des No Pants Day widerwillig akzeptieren.

    Charlie Todd und sein Kumpel Martin, zwei Studenten, entwickelten im August 2001 an einem Tresen in Manhattan das Konzept: wie lustig es wäre, wenn mitten im Winter viele Menschen ohne Hose U-Bahn fahren würden. Verwirrung! Tabubruch! Revolution! »Wir operieren an der Grenze von Kunst und Satire«, sagen Charlie und Martin. Größter Erfolg: 2006 wurden acht Teilnehmer des No Pants Day von der Polizei in Handschellen abgeführt.

    Die Idee, mit einer großen Zahl von Freiwilligen im öffentlichen Raum verstörende Dinge zu tun, hat sich seit dem August 2001 weltweit herumgesprochen. Auch in Hamburg, Warschau, Hongkong und Rio fand in diesem Jahr ein No Pants Day statt. Lars Jensen

    Übernachten Trump Soho, 246 Spring Street, Tel. 001/212/842 55 00, www.trumpsohohotel.com, DZ ab 130 Euro. Weil es zu viele neue Luxushotels gibt, kriegt man unglaubliche Eröffnungs-Deals. Essen Cafe Katja, 79 Orchard Street, Tel. 219 95 45. Ein gutes bayerisch-österreichisches Restaurant mitten in Chinatown. Unbedingt ein Fahrrad leihen und einmal rund um Manhattan fahren auf dem herrlichen Fahrradweg, der jetzt fast komplett fertig ist. Bicycle Habitat, 244 Lafayette Street, Tel. 431 33 15. 

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