"Bei Gericht bin ich immer die Jüngste"

Interviews mit Menschen, die wir gut finden. Diese Woche: Jasmin Wanka, deren erster großer Fall die Verteidigung eines mutmaßlichen Terroristen ist.

Respekt, Frau Wanka, Sie sind 28 Jahre alt und bei Ihrem ersten großen Fall verteidigen Sie einen mutmaßlichen Al-Qaida-Terroristen.
Jasmin Wanka: Ich bin bei Gericht immer die Jüngste. Und dann auch noch eine Frau! Das gibt es in der Strafverteidigung nur selten.

Mit Ihrem Mandanten Ömer Ö. haben Sie gleich einen sehr großen und medienwirksamen Fall übernommen. Ihre Zwischenbilanz nach gut zwei Monaten Prozessdauer?

Bisher läuft es sehr gut, ich kann mich nicht beschweren.

Ihr Mandant wurde wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Organisation angeklagt. Womöglich wollte er also Terroranschläge in Deutschland durchführen. Denken Sie darüber manchmal nach?
Nein, das darf man nicht. Ich habe zu Herrn Ö. eine rein fachliche Beziehung, sonst könnte ich ihn auch nicht verteidigen. Ich vertrete ihn seit Anfang dieses Jahres und wir haben ein ganz gutes Vertrauensverhältnis. Obwohl er mir mit Sicherheit nicht alles erzählt. Er soll ja auch Kämpfer rekrutiert haben, wie etwa Bekkay Harrach, der jüngst in seinen Videos Deutschland mit dem »bösen Erwachen« gedroht hatte. Mit diesem Thema hatte ich bislang aber nichts zu tun. Haben Sie nicht Bedenken, dass Sie künftig nur noch als Terroristenanwältin gelten?
Nein. Ich habe mich nun mal entschieden, Strafverteidigerin zu werden. Deshalb mache ich keinen Unterschied, ob jemand als Terrorist, Mörder oder Schläger angeklagt ist.

Wie reagieren Ihre Freunde und Familie?

Sie fragen mich immer wieder, wie ich nur all diese bösen Jungs verteidigen kann. Aber sie akzeptieren meinen Beruf und freuen sich, dass mich dieser Prozess natürlich voranbringen wird.

Wie sind Sie an den Fall gekommen?
Über eine Empfehlung, so läuft es ja oft. Die Familie von Ömer Ö. hat dann direkt bei mir angefragt. Aufgrund der Länge und Wichtigkeit des Verfahrens müssen es zwei Pflichtverteidiger sein, falls mal einer nicht kann oder krank ist. Der andere Verteidiger ist ein Mann und auch erst 33 Jahre alt. Aber Herr Ö. wollte ausdrücklich eine Anwältin dabeihaben. Warum, weiß ich aber nicht.

Fällt Ihnen ein Grund ein, warum es für den Angeklagten von Vorteil sein könnte, von einer Frau verteidigt zu werden?

Nein. Er verhält sich zu mir genauso wie zu meinem Kollegen. Dumme Sprüche muss ich mir von anderen anhören, zum Beispiel von den Sicherheitsleuten im Gefängnis. Als ich kürzlich durch die Schleuse hineinging, piepste es. Ich habe gefragt: »Soll ich meine Uhr ausziehen«? Da sagten die Wärter: »Die Uhr nicht, den Rest schon.«

Solche Sprüche sind aber hoffentlich die Ausnahme?
Na ja, vor Gericht muss ich mir von meinen älteren Kollegen immer wieder anhören, dass sie mehr Erfahrung haben. Sie versuchen mich dadurch kleinzuhalten. Ich muss sie also erst mal fachlich von mir überzeugen.

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Jasmin Wanka arbeitet seit anderthalb Jahren als selbstständige Anwältin in Stuttgart und vertritt Ömer Ö. seit Anfang 2009. Ihm wird vorgeworfen, Al-Qaida-Mitglied zu sein und unerlaubterweise einen Laptop, schusssichere Westen und Geld nach Pakistan ausgeführt zu haben. Zudem hat er angeblich neue Kämpfer für Al-Qaida rekrutiert.